Lieferdienste und die Wahl ihrer Fahrzeuge: „Wer nicht nachhaltig fährt, ist in drei Jahren pleite“

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So könnten Lieferdienste auch in Deutschland bald aussehen.
So könnten Lieferdienste auch in Deutschland bald aussehen.

Als das schwedische Unternehmen Cake im September eine 60-Millionen-Finanzierungsrunde abschloss, an der sich auch der deutsche VC Headline beteiligt hatte, war für Gründer Stefan Ytterborn klar, dass er das Kapital in den B2B-Bereich stecken wird. Für Geschäftskunden launcht er jetzt eine neue Serie seiner elektrischen Bikes: Cargo-Motorräder mit unterschiedlichen Transportflächen. Seine wichtigste Zielgruppe: Kurzstrecken-Lieferdienste aller Art.

Autos verschwinden aus den Städten

„Es wird eine neue Infrastruktur für urbane Gegenden geben“, sagt der CEO des Unternehmens im Gespräch mit Gründerszene. Vor dem Hintergrund des Klimawandels und im Sinne eines nachhaltigen Städtebaus würden, davon ist der Schwede überzeugt, Autos und LKW eher früher als später aus den Städten verschwinden. „Das Straßenbild wird sich komplett verändern. Überall auf der Welt – und rasend schnell.“ Dabei sind seine E-Motorräder natürlich nur eine Option, Fahrräder, E-Bikes, Scooter sieht er genauso als Alternativen.

Vor allem in Skandinavien, aber auch in den USA hat Ytterborn bereits mehrere große Lieferdienste mit Motorradflotten ausgestattet. "Hätten wir vor sechs Monaten gesprochen, hätte ich gesagt, unsere Kunden im B2B-Bereich sind Kurzstrecken-Lieferdienste, für die Themen wie Nachhaltigkeit und solche Werte eine große Rolle spielen." Heute aber sei das anders: Mittlerweile interessierten sich alle Kurzstrecken-Lieferdienste für seine E-Motorräder, ganz egal ob Sustainibility in deren Firmen-Philosophie vorkomme oder nicht. "Denn wer jetzt nicht über eine Alternative zum Verbrenner nachdenkt, ist in drei Jahren nicht mehr im Geschäft."

Wie sehr diese Überlegungen auch den deutschen Liefermarkt im Bereich Last-Mile betreffen könnten, zeigt ein Blick in den gerade öffentlich gewordenen Koalitionsvertrag der neuen Regierung: Wie erwartet versprechen die Ampelparteien, viele große Schritte in Sachen Klimaschutz zu unternehmen. Ein wesentlicher dabei: die Ablösung benzin- und dieselbetriebener Fahrzeuge durch solche mit alternativen Antriebsarten. „Schritt für Schritt beenden wir das fossile Zeitalter“, heißt es da, „indem wir (…) die Technologie des Verbrennungsmotors hinter uns lassen.“ Vor allem setze man auf Elektromobilität, erfährt man weiter in dem Papier. Man wolle die Ladesäulen-Infrastruktur ausbauen und zum Innovationsstandort für autonomes Fahren werden.

Betrifft alle, auch Cargo- und Nutzfahrzeuge

Ziel seien 15 Millionen zugelassene vollelektrische Pkw bis 2030. Und nicht nur das: Auch den Güterverkehr und Nutzfahrzeuge stehen im Fokus, für die es einen CO2-Flottengrenzwert gibt, der weiterentwickelt wird. „Wir werden Straßenverkehrsgesetz und Straßenverkehrsordnung so anpassen, dass neben der Flüssigkeit und Sicherheit des Verkehrs die Ziele des Klima- und Umweltschutzes, der Gesundheit und der städtebaulichen Entwicklung berücksichtigt werden“, steht da. Und weiter: „Wir unterstützen regionale Güterverkehrskonzepte, fördern emissionsfreie Stadtlogistik wie Ladezonen und Logistik-Hubs.“

Sieht Lieferdienste unter Druck: Stefan Ytterborn, Erfinder von E-Motorrädern.
Sieht Lieferdienste unter Druck: Stefan Ytterborn, Erfinder von E-Motorrädern.

Bisher sind das nur Vorsätze. Ein Blick nach Paris aber zeigt, wie solche Ideen praktisch umgesetzt aussehen können: Seit dem 30. August 2021 gilt dort nahezu überall Tempo 30. Für 2022 strebt Paris eine autofreie Innenstadt an.

Ähnliche Pläne für deutsche Städte träfen – und treffen in Paris – den großen und ständig wachsenden Markt der Liederdienste natürlich unmittelbar. Von Wolt, Lieferheld oder Doordash, über Rewe, Picnic und Flaschenpost, hinzu Gorillas, Getir und genauso Amazon und DHL – wer nicht bereits ohne Verbrennungsmotor ausliefert, muss sich schleunigst nach Alternativen umsehen.

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