Kiew: Ukrainische Truppen sollen sich aus Sjewjerodonezk zurückziehen

Die ukrainischen Streitkräfte haben nach Angaben des zuständigen Gouverneurs der Region, Serhij Hajdaj, den Befehl erhalten, sich aus der Großstadt Sewerodonezk im Osten der Ukraine zurückzuziehen.

Sewerodonezk zählte zu den letzten Teilen von Luhansk in der Ostukraine, die noch nicht unter russischer Kontrolle waren. "Es ist jetzt eine Situation, in der es keinen Sinn macht, in zerschlagenen Stellungen auszuharren", so Hajdaj. Die Zahl der Toten würden dann stark steigen. Den Angaben des Gouverneurs zufolge sind in Sjewjerodonezk mittlerweile bis zu 90 Prozent der Häuser zerstört.

Zuletzt konnten russische Truppen immer mehr Gebiete im Osten der Ukraine erobern.

Während sich die Ukraine als frischgebackener EU-Beitrittskandidat Hoffnungen auf eine Zukunft im gemeinsamen Europa machen kann, wird die Lage im Osten immer schwieriger.

Die russischen Streitkräfte sind nach ukrainischen Angaben bis an den Rand der Großstadt Lyssytschansk vorgedrungen - die letzte größere Stadt im Gebiet Luhansk, die noch unter ukrainischer Kontrolle steht. Im Umkreis haben die Russen weitere Orte wie die Dörfer Loskutivka and Rai-Oleksandrivka eingenommen.

"Unsere Kämpfer haben den Vorstoß in Richtung der südlichen Ränder von Lyssytschansk aufgehalten, dem Feind Verluste zugefügt und ihn zum Rückzug gezwungen", hieß es am Donnerstagabend im Lagebericht des Generalstabs in Kiew. Die russische Armee ziehe nun Reserven heran.

Mit Lyssytschansk könnte ganz Luhansk fallen

Fällt Lyssytschansk, könnte Russland dort den Weg zur Kontrolle über das gesamte Gebiet Luhansk freimachen.

Die Zwillingsstadt Sjewjerodonezk auf der anderen Seite des Flusses Siwerskyj Donez ist bereits größtenteils von russischen Truppen erobert.

Der Gouverneur der Region Donezk erklärte, dass kein Ort mehr sicher sei. Freiwillige arbeiten daran, die Bewohner:innen in Sicherheit zu bringen, die noch nicht geflohen sind. Einige wollen aber auch bleiben und wären lieber mit den Russen vereint.

Gleichzeitig registriert die Ukraine nach eigenen Angaben bis zu 300 Kriegsverbrechen täglich, wie die ukrainische Polizei mitteilt. "Die Ermittler haben seit Beginn der militärischen Aggression insgesamt 19.111 Strafverfahren wegen Verbrechen eingeleitet, die auf dem Territorium der Ukraine von Soldaten der Russischen Föderation und ihren Verbündeten begangen wurden", so der Leiter der Aufklärung Oleksii Serhieiev.

Aus US-Geheimdienstdokumenten geht hervor, dass die russische Marine den Befehl erhalten hat, Minen in den Häfen von Odessa und Ochakiv zu legen, und dass sie bereits den Fluss Dnjepr vermint hat, um die ukrainischen Getreideexporte zu blockieren.

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