"Mach hin, die Flut kommt": Wetter-Drama überschattet DSDS-Recall

Jürgen Winzer
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"Mach hin, die Flut kommt": Wetter-Drama überschattet DSDS-Recall

Das hätte sich nicht einmal RTL träumen lassen, dass DSDS mal zum Schauplatz eines Götterwettstreites werden würde. Aber bei Recall in Südafrika prallte diesmal Naturgewalt auf Naturtalent. Meeresgott Poseidon gegen Pop-Titan Dieter. Dazwischen: 22 verschüchterte Kandidaten, die ums Überleben kämpften.

Pocher vs. Wendler? Pff. dünnes Lüftchen. Wenn sich echte Götter streiten, dann sieht das anders aus. Frag nach bei Bastian Angemeer. Dem Regisseur, der für RTL den Recall in Südafrika in Szene setzt, ging ordentlich die Düse: "Ich habe Schiss, dass das Wetter nicht hält." Es wehte, es regnete, es waberten die dunklen Wolken, Nebelschwaden. Und es peitschten die Wellen an den normalerweise pittoresken Sandstrand der Camps Bay bei Kapstadt. Sie wurde zum Ort des Showdowns zwischen der Naturgewalt und dem Naturtalent. Meeresgott gegen Titan. Poseidon vs. Bohlen.

Witzig (und ein bisschen kompliziert): Die Titanen bilden das älteste Göttergeschlecht der Theogonie der griechischen Mythologie. Der griechische Dichter Hesoid nannte zwölf Titanen. Darunter findet sich kein Dieter. Aber der wurde ja erst später und gewissermaßen ehrenhalber als "Pop-Titan" in die Reihen der Göttlichen aufgenommen, ungefähr zeitgleich mit dem Towart-Titan Oli Kahn, aber das ist eine andere Geschichte.

Kronos auf jeden Fall ist einer der ganz alten Titanen. Und er ist der Papi von Meeresgott Poseidon. Letzterer machte jetzt also in Südafrika gegen den Pop-Titanen mobil, schickte Wogen und Wellen, Brecher und Gischt.

Wetter-Chaos bei DSDS: Wem schwimmen die Recall-Felle weg?

Wenn die feuchte Naturgewalt einschreitet, bieten sich ein paar schöne Metaphern an. Wem schwimmen die Recall-Felle davon? Wer surft auf der Erfolgswelle? Wem steht das Wasser bis zum Hals? Und bei wem steht es sogar ein paar Zentimeter höher - wer geht richtig baden, wessen Auftritt fällt ins Wasser, wer wird aus dem Format gespült?

Bevor all diese Fragen beantwortet werden konnten, musste erst mal die Crew das Equipement retten. "Das ist Technik im Wert von mehreren 100.000 Euro", gab es Auskunft. Und das verträgt sich mit Salzwasser in aller Regel nicht so gut. Also war Schuften und Schleppen angesagt.

Und Hoffen, Bangen und Warten. Denn während am Strand der Camps Bay schon Monitore getrocknet und Kameras abgedeckt wurden, waren die Kandidaten noch gar nicht da. Die reisten aus Plettenberg an. Mit einem Höllenritt über 500 Kilometer mitten in der Nacht und dank Autobahnsperrung auch sehr langsam. Warum überhaupt die überstürzte Flucht aus Plettenberg - man weiß es nicht. Vielleicht haben es die Kandidaten und Xavier Naidoo bei ihrer ausgelassenen "afrikanischen Party-Nacht" doch übertrieben?

Dieter Bohlen: Ihr wart mit 300 Kilometern Abstand die schlechtesten heute!"

Nach schlafloser Nacht hüpften die Kandidaten aus den Kleintransportern direkt in den Sandstrand. Uuuund Action! So kann's gehen. Schminken? Styling? Letzte Proben? Nix. Dafür gefühlte acht Grad Außentemperatur (Xavier: "Willkommen am Strand von Norderney!" Dieter: "So scheiße ist das Wetter da nie!") und ein grimmiger Titan: "Mach hin, bevor die Flut kommt", befahl Dieter: "Los jetzt, Playback!"

Die Rahmenbedingungen - 30 Stunden ohne Schlaf, eingeschränkte Proben, Scheißwetter - waren mies. Diesem Trend schlossen sich Francesco, Liron und Kosta an. Dabei hatten sie sich gefreut wie Bolle, dass sie "Shape Of You" von Ed Sheeran singen durften. "Geiler Song, drei geile Jungs - wir sind safe im Recall-Finale!", jubelte Francecso überzeugt - und zu früh. Denn was folgte, war "eine Katastrophe" (Pietro), "ein Desaster" (Dieter). Immerhin: Das beschränkte Trio bewies mannschaftliche Gschlossenheit. Einer war genauso schelcht wie der andere. "Ihr wart mit 300 Kilometern Abstand die schlechtesten heute!" Raus ohne Applaus.

Amy als Vorbild: "Du willst also auch früh sterben?"

Als Vierten im Bunde erwischte es Elvin. Der Youngster (17) hatte als Einziger in seiner Gruppe den Song "Mein Stern" (von Ayman) überhaupt noch nicht gehört. "Da warst du noch gar nicht auf der Welt, als das ein Hit war", erklärte Gesangspartner Manolito. Elvin war denn auch überfordert. Er schlug sich wacker und "ist ja auch ein Süßer" (Oana), aber "es reichte diesmal nicht" (Xavier).

Alle anderen kamen weiter. Insgesamt 18 stehen im Recall-Finale. Also auch Lydia, "die Durchgeknallte" (so Kollegin Chiara), die sich für Amy Winehouse' "Back In Black" als "sexy Nonne" stylte. Sie trinkt auch gern mal einen zum Frühstück. Weil: "Amy ist mein Vorbild." Ach, interessant, meinte Dieter: "Du willst also auch früh sterben?"

Lydia: Dschungelcampverdächtiger Hingucker!

Man muss ja nicht nur an diese DSDS-Staffel denken. Lydia (Dieter: "Ich bin überrascht, dass du hier so lange mitspielen kannst") ist definitiv ein bereits jetzt dschungelcampverdächtiger Hingucker mit wunderschönen Macken ("Ich vertraue auf die Kraft des Meeres!"). Da kann ihr allenfalls ihre Zickenfreundin Lorna ("Verhext du mich mit deiner Zauberei?") oder die herzige Labertasche aus Ghettohausen, Chiara, das Wasser reichen.

Nicole nicht, die ist zu lieb. Dafür wird sie als Sängerin weiterkommen als die meisten anderen. Auch wenn Pietro Katja als "beste Sängerin im Wettbewerb" sieht. Aber gut, Pietro. Der sieht ja auch in Nicole ein bisschen von sich: "Da war viel Schönes dabei, aber auch viel schief. Aber schief mit Gefühl. So wie ich damals." Da gluckste Poseidons Welle ganz besondern laut. Oder war es ein Lachen?

Der Kampf der Götter endete schiedlich-friedlich. Poseidon überflutete nicht ganz DSDS, sondern nur ein paar Kabel und Fußknöchel. Und Dieter zog mit seiner Truppe noch dem Castinggedöns auch wieder artig ab. Ein Unentschieden auf höherem Niveau.