Mehrere Tote bei Angriff auf Schule in Russland

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Angehörige der Opfer und Betroffene haben sich vor dem Gymnasium Nr. 175 versammelt (Bild: Maksim Bogodvid/Sputnik/dpa)
Angehörige der Opfer und Betroffene haben sich vor dem Gymnasium Nr. 175 versammelt (Bild: Maksim Bogodvid/Sputnik/dpa)

Ein bewaffneter Angreifer hat in einer russischen Schule mindestens neun Menschen getötet. Laut offiziellen Angaben starben in der Großstadt Kasan in der Republik Tatarstan am Dienstag vor allem Schüler der achten Klasse. Ein 19-Jähriger wurde festgenommen. Laut Behörden handelte es sich um einen Einzeltäter. Seine Motive waren zunächst unklar.

Kasan steht an diesem ersten Schultag nach den Maiferien unter Schock: Fernsehbilder zeigen weinende Menschen vor dem abgesperrten Schulgelände, Eltern bangen um das Schicksal ihrer Kinder. Zahlreiche Krankenwagen sind vor Ort, schwerbewaffnete Sicherheitskräfte haben vor den Schultoren Stellung bezogen. Kinder werden teils über Leitern aus dem Gebäude gebracht - einige in einen benachbarten Kindergarten, andere sitzen verletzt auf Bürgersteigen.

Kurz zuvor hatte es am Vormittag erste Berichte über Schüsse in dem Gymnasium gegeben. Zeugen berichteten von explosionsartigen Geräuschen. In Amateurvideos ist zu sehen, wie Rauch aus einem mehrstöckigen weißen Gebäude steigt. Es sind laute Schreie zu hören. Später werden Aufnahmen aus dem Innern der Schule veröffentlicht. Sie zeigen verwüstete Gänge, zersplittertes Glas auf dem Boden. In Panik sollen einige Kinder aus Fenstern im dritten Stock gesprungen sein.

Warum der festgenommene 19-Jährige mit einer Waffe um sich geschossen haben soll, ist zunächst weitgehend unklar. Medienberichten zufolge wurde er kürzlich wegen Schulden von einer Berufsschule verwiesen. Die Staatsagentur Tass schrieb unter Berufung auf Sicherheitskreise von "Hass" als möglichem Motiv. Der Republikchef von Tatarstan, Rustam Minnichanow, sprach von einer "großen Tragödie» und nannte den Täter einen "Terroristen".

Die genutzte Waffe soll auf den jungen Mann registriert gewesen sein. Den Waffenschein soll er Berichten zufolge erst im April bekommen haben. Das Verbrechen soll er kurz vor der Tat im Nachrichtenkanal Telegram angekündigt haben. Zwischenzeitliche Berichte über einen zweiten Angreifer wiesen die regionalen Behörden zurück. Die beiden staatlichen Nachrichtenagenturen Tass und Ria Nowosti hatten zwischenzeitlich elf Todesopfer gemeldet. Später war dann von neun die Rede.

Bewaffnete Einsatzkräfte rücken in die Schule ein (Bild: Maksim Bogodvid/Sputnik/dpa)
Bewaffnete Einsatzkräfte rücken in die Schule ein (Bild: Maksim Bogodvid/Sputnik/dpa)

Russlands Präsident Wladimir Putin drückte sein Mitgefühl mit den Angehörigen der Opfer aus. "Der Präsident spricht den Angehörigen der Kinder, die durch die Hand des Schützen gestorben sind, sein tiefes Beileid aus und wünscht den Schulkindern, die verletzt wurden, baldige Genesung", sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow. Putin wies demnach außerdem an, eine verschärfte Regelung für zivilen Waffenbesitz auszuarbeiten.

Rund 20 Menschen wurden teils schwer verletzt in Krankenhäuser gebracht. Unter ihnen sind laut regionalem Bildungsministerium 18 Kinder im Alter von 7 bis 15 Jahren. Die Bürger in Tatarstan wurden zu zusätzlichen Blutspenden aufgerufen. Nach den Worten von Vize-Regierungschefin Tatjana Golikowa wurde medizinisches Fachpersonal in die muslimisch geprägte Republik geflogen.

Nach früheren Angriffen auf Schulen haben viele russische Bildungseinrichtungen Wachpersonal an Eingängen. Laut stellvertretender Direktorin soll es an der Schule Nummer 175 in Kasan aber lediglich einen Notfallknopf gegeben haben. Außerdem gab es in Russland in der Vergangenheit immer wieder Festnahmen, weil Jugendliche angeblich Angriffe auf Schulen geplant hatten.

Das Verbrechen in Kasan rief auch Erinnerungen an einen der schlimmsten Überfälle auf eine russische Schule im Jahr 2004 wach: Damals brachten tschetschenische Rebellen in Beslan in Nordossetien mehr als 1000 Lehrer, Schüler und Eltern in ihre Gewalt, die sich dort zum Beginn des neuen Schuljahres versammelt hatten. Zwei Tage später stürmten russische Spezialeinheiten die Turnhalle. Dabei kamen mehr als 300 Menschen um, mehr als die Hälfte waren Kinder.

Im Oktober 2018 schoss ein 18-Jähriger in der Stadt Kertsch auf der von Russland einverleibten Schwarzmeer-Halbinsel Krim an einer Berufsschule um sich und zündete einen Sprengsatz. Er und 20 weitere Menschen starben.