Mercedes stampft die A-Klasse ein und setzt künftig auf Luxusautos

Ein Mercedes A-Klasse-Neuwagen steht auf dem Hof eines Mannheimer Autohändlers. Ab Mitte des Jahrzehnts wird der Konzern die Modellreihe nicht mehr bauen.
 - Copyright: picture alliance/Daniel Kubirski
Ein Mercedes A-Klasse-Neuwagen steht auf dem Hof eines Mannheimer Autohändlers. Ab Mitte des Jahrzehnts wird der Konzern die Modellreihe nicht mehr bauen. - Copyright: picture alliance/Daniel Kubirski

Ein auf der Seite liegendes Auto, gescheitert beim sogenannten „Elchtest“ – so begann vor mehr als zwei Jahrzehnten die Geschichte des Mercedes A-Klasse. Später wurde der Kompaktwagen zu einem der meistverkauften Modelle. Doch bald setzt Mercedes-Chef Ola Källenius einen Schlusspunkt hinter diese Legende. Ab 2025 wird keine A-Klasse mehr vom Band laufen.

Denn Mercedes will dauerhaft in der Premiumliga dominieren, weitete dazu erst seine Modellpalette auf mehr als 40 Fabrikate und Derivate aus. Nun geht es in entgegengesetzte Richtung: Konzernchef Ola Källenius bricht mit dem Absatzmantra seiner Vorgänger, er setzt auf Klasse statt Masse. Drei von sieben Kompaktwagen sollen aus dem Sortiment gestrichen werden. Wie das „Handelsblatt“ berichtet, will sich Mercedes künftig auf den Bau von CLA Coupé, GLA, GLB und CLA Shooting Brake konzentrieren.

Kleiner Flitzer zählt zu den Verkaufsschlagern

Die A-Klasse in allen Formen (Schrägheck, Stufenheck, lange Limousine) sowie die B-Klasse werden in drei bis vier Jahren eingestellt. Mercedes wollte sich im "Handelsblatt" nicht dazu äußern. Das Ende der A-Klasse ist eine Zäsur für den Dax-Konzern und die Branche. Die Baureihe ist das meistverkaufte Fahrzeug von Mercedes in Europa und zählt neben dem VW Golf, dem Skoda Octavia, dem Toyota Corolla und dem Ford Focus zu den absoluten Verkaufsschlagern unter den Kompaktfahrzeugen. Selbst im Coronakrisenjahr 2021 wurden in Europa, China und den USA noch 184.580 Stück verkauft, davor immer über 200.000.

Auch deshalb ist die Entscheidung, die A-Klasse abzuschaffen, bei dem Stuttgarter Autobauer umstritten. Ein Aufsichtsrat warnt: „Kleinere Modelle müssen Teil der Familie mit Stern bleiben.“ Die Abkehr von A- und B-Klasse dürfe auf keinen Fall das schrittweise Aus aller Kompaktwagen bei Mercedes bedeuten. Von außen kommt ebenfalls harsche Kritik. Der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) sagte vor einigen Wochen: „Ich halte diese Strategie für einen Fehler, das wird auch zu Akzeptanzproblemen führen, wenn man nur noch für Reiche und Superreiche Autos baut.“ Denn die verbliebenen Modelle kosten bei angemessener Ausstattung alle mehr als 100.000 Euro.

Källenius betonte immer wieder, keinesfalls mit Massenherstellern konkurrieren zu wollen. „Fokus ist eine Stärke“, heißt das Mantra des 53-Jährigen. Dafür verknappt er das Angebot und erhöht die Preise. Mittelfristig strebt der Manager den Verkauf von maximal 2,5 Millionen Autos pro Jahr an. Aber eben ein Großteil davon im teuren Preissegment. Das Volumen der Kompaktwagen soll wie im Vorjahr bei rund 570.000 Fahrzeugen bleiben. In der gehobenen Mittelklasse will Mercedes ordentlich wachsen, bei den Luxusautos sogar um 60 Prozent.

Kein Erfolgsmodell in den Vereinigten Staaten

Ein weiterer Grund für die Abschaffung der A-Klasse ist die weltorientierte Ausrichtung von Mercedes: Gebaut werden künftig nur noch Fahrzeuge, die in den drei großen Regionen Europa, USA und China gleichermaßen funktionieren. Die A-Klasse findet allerdings in den Vereinigten Staaten kaum Anklang – zu klein. Damit wird es absehbar teurer, einen Mercedes zu fahren. Bisher gab es die A-Klasse zum Basispreis von 28.393 Euro. Ab 2024 wird kaum mehr ein Auto von Mercedes unter 40.000 Euro verkauft werden.

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