Nach Sojus-Notlandung: Kommen jetzt keine Astronauten mehr ins All?

Diese Sojus-Rakete konnte eine zweiköpfige Besatzung nicht in den Orbit tragen. (Bild: Reuters)

Der Fehlstart der Sojus-Rakete in Kasachstan bereitet der internationalen Raumfahrt große Sorgen. Denn die russischen Raketen sind aktuell die einzige Möglichkeit, Menschen in den Orbit zu befördern. Wie geht es nach dem Zwischenfall nun weiter?

Es ist ein schwerer Rückschlag für die internationale Raumfahrt. Am Donnerstag war eine Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur Richtung All gestartet. Doch etwa zwei Minuten nach dem Start kam es zu einem Zwischenfall: Laut der russischen Weltraumorganisation Roskosmos habe es einen Fehler beim Abtrennen der ersten von der zweiten Raketenstufe gegeben.

Raumfahrer nach Notlandung wohlauf und bei ihren Familien

Die Folge: Durch das Problem der Trägerrakete wurde die Kapsel mit den beiden Raumfahrern abgestoßen, die kurz darauf sicher in der kasachischen Steppe notlandete. Die beiden Astronauten, der Russe Alexej Owtschinin und der US-Amerikaner Nick Hague, wurden von Rettungskräften geboren und sind wohlauf. Die zwei Männer befinden sich nach wie vor in Kasachstan und erholen sich dort mit ihren Familien.

Die Kapsel landete in der kasachischen Einöde, wo Rettungskräfte den beiden Raumfahrern zur Seite standen. (Bild: AP Photos)

Die zwei Astronauten hätten das Team auf der Internationalen Raumstation (ISS) verstärken sollen. Dort befinden sich derzeit unter der Leitung des Deutschen Alexander Gerst noch die US-Astronautin Serena Auñón-Chancellor sowie der russische Kosmonaut Sergej Prokopjew. Nach dem Fehlstart der Sojus-Rakete wird sich an dieser Besetzung in absehbarer Zeit nichts ändern.

Im Augenblick können keine Menschen ins All geschossen werden

Vorerst wird keine weitere russische Rakete zur ISS starten. Roskosmos stoppt alle Flüge ins All so lange, bis die Ursache für den Defekt bekannt ist. Das ist vor allem deshalb problematisch, da die Sojus-Raketen derzeit die einzigen Beförderungsmittel für Raumfahrer ins Weltall darstellen. Die USA hatte ihr Spaceshuttle-Programm im Jahr 2011 eingestellt. Auch die europäische Raumfahrtagentur ESA ist auf die Kooperation mit Russland angewiesen.

Der Chef von Roskosmos, Dmitri Rogosin, nach der Notlandung mit den beiden Raumfahrern Alexej Owtschinin (l.) und Nick Hague (r.) (Bild: Reuters)

Der Vertrag zwischen den USA und Russland, der amerikanischen Astronauten die Reise mit russischen Raketen zur ISS ermöglicht, läuft 2019 aus. Ab kommendem Jahr will die USA wieder selbst Menschen ins All schicken. Für Juni ist der erste bemannte Flug des privaten amerikanischen Raumfahrtunternehmens SpaceX zur ISS geplant. Frühestens im Dezember, wahrscheinlich aber erst 2020, zieht Boeing mit einem eigenen Raumschiff nach.

Versorgung der ISS ist derzeit nicht gefährdet

Zwar können vorerst keine Menschen zur ISS hochgeschickt werden, die unmittelbare Versorgung ist jedoch nicht gefährdet. Das Personal auf der ISS verfüge über genügend Vorräte, berichtete die russische Nachrichtenagentur „TASS“. Allerdings prüft Russland, ob neben den bemannten auch die Versorgungsflüge ausgesetzt werden.

Eine für Ende Oktober geplante Lieferung von Nahrungsmitteln und anderen Vorräten könnte laut Sergej Krikaljow, einem hochrangigen Mitarbeiter von Roskosmos, verschoben werden, da das Frachtgut mit demselben Raketentyp ins All geschossen würde.

Im Notfall steht eine Rettungskapsel für das ISS-Team bereit

Die Rückkehr der drei momentan auf der ISS befindlichen Astronauten ist für Mitte Dezember 2018 geplant. Sollte es nun aufgrund der Sojus-Panne zu langfristigen Ausfällen im Raumfahrtprogramm kommen, könnten die drei ISS-Mitglieder mit einer angedockten Sojus-Kapsel auf die Erde zurückkehren. Ein ähnliches Szenario wie in dem Film „Der Marsianer“, wo die von Matt Damon gespielte Hauptfigur auf dem roten Planeten festsitzt, ist also ausgeschlossen.

Befinden sich aktuell auf der ISS: Alexander Gerst, Sergej Prokopjew und Serena Auñón-Chancellor (v.l.). (Getty Images)

„Wir werden aber auf jeden Fall nach Wegen suchen, um die Station nicht ohne Mannschaft lassen zu müssen“, sagte der NASA-Operationsmanager der ISS, Kenny Todd, auf einer Pressekonferenz.