Nach Trump-Appell: Israel verbietet US-Abgeordneten die Einreise

Israel will die Einreise von zwei US-Abgeordneten der Demokraten verbieten. Rashida Tlaib und Ilhan Omar gelten als Unterstützerinnen der anti-israelischen Bewegung BDS (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen).

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor per Tweet indirekt an die israelische Regierung appelliert, die beiden Frauen nicht ins Land zu lassen. Es wäre ein Zeichen großer Schwäche, wenn Israel die beiden Kongressabgeordneten einreisen ließe, schrieb der US-Präsident auf Twitter. "Sie hassen Israel und alle Juden", ergänzte er, es gebe nichts, was die beiden von ihrer Haltung abbringen könne. "Sie sind eine Schande!"

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begründete den Schritt damit, dass die beiden Frauen sich im Kongress für Gesetze zum Boykott Israels einsetzten. Ziel ihres Besuches wäre es gewesen, "Israel Schaden zuzufügen". Deshalb habe der Innenminister beschlossen, ihren Besuch nicht zu erlauben. Er als Ministerpräsident unterstütze die Entscheidung.

Omar: Einreiseverbot ist ein Affront

Omar kritisierte das Einreiseverbot gegen sie und ihre Parteikollegin Tlaib scharf. Es sei ein Affront, dass Netanjahu unter dem Druck von Trump gewählten Vertretern des US-Kongresses die Einreise verweigere. Omar warf dem israelischen Premier vor, er verweigere sich konsequent Friedensbemühungen, beschränke die Bewegungsfreiheit für Palästinenser und tue sich mit Islamfeinden wie Trump zusammen.

Beiden ersten Musliminnen im US-Kongress

Die beiden Abgeordneten sind die ersten beiden Musliminnen im US-Kongress. Nach unterschiedlichen Medienberichten war ihre Ankunft auf dem internationalen Flughafen Ben Gurion in der Nähe von Tel Aviv bis Sonntag erwartet worden. Demnach hätten sie in Begleitung von palästinensischen Repräsentanten einen Besuch auf dem für Juden und Muslime heiligen Tempelberg in Jerusalem geplant. Sie wurden auch in den Städten Bethlehem, Hebron und Ramallah im besetzten Westjordanland erwartet.

Israel hat 2018 festgelegt, Aktivisten bestimmter Organisationen, die zu einem Israel-Boykott aufrufen, die Einreise zu verweigern. Die internationale BDS-Bewegung setzt sich für Sanktionen und einen Boykott Israels wegen der Palästinenserpolitik der israelischen Regierung ein. Diese wirft der Bewegung vor, sie sei antisemitisch und gehe einseitig gegen den jüdischen Staat vor.

Im Februar hatte sich Omar nach heftigen Antisemitismusvorwürfen für einen Tweet entschuldigt. Sie wurde damals so verstanden, sie wolle sagen, dass Geld die Haltung der US-Abgeordneten zu Israel bestimme. Tlaib wurde im Mai nach einem Interview scharf kritisiert, in dem sie sagte, ihre palästinensischen Vorfahren hätten einen "sicheren Hafen" für Juden nach dem Holocaust geboten. Sowohl israelische als auch palästinensische Wissenschaftler wiesen die Aussage zurück.

Trump hatte Omar und Tlaib in den vergangenen Wochen immer wieder öffentlich attackiert, als antisemitisch verunglimpft und sie - neben zwei weiteren demokratischen Abgeordneten - dazu aufgerufen, in ihre vermeintlichen Heimatländer zurückzugehen. Alle vier Frauen sind amerikanische Staatsbürgerinnen. Tlaib ist Tochter palästinensischer Einwanderer, geboren in Detroit. Omar kam zwar in Somalia auf die Welt, wurde aber schon als Teenager in den USA eingebürgert.

Empörte Reaktionen und Kritik

Führende Demokraten warfen dem Präsidenten Rassismus, weißen Nationalismus und Scharfmacherei vor.

Das Einreiseverbot für die beiden Abgeordneten ist eine Kehrtwende Israels: Der israelische Botschafter in den USA, Ron Dermer, hatte im vergangenen Monat noch gesagt: "Aus Respekt vor dem US-Kongress und dem großartigen Bündnis zwischen Israel und Amerika würden wir keinem US-Abgeordneten die Einreise nach Israel verwehren."

Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, die Demokratin Nancy Pelosi, nannte die Kehrtwende am Donnerstag "zutiefst enttäuschend". Das Einreiseverbot sei "ein Zeichen der Schwäche und unter der Würde des großartigen Staates Israel". Mit Blick auf Trumps Äußerungen fügte Pelosi hinzu: "Die Statements des Präsidenten über die Kongressabgeordneten sind ein Zeichen der Ignoranz und der Respektlosigkeit und unter der Würde des Präsidentenamtes."

Der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, forderte die israelische Regierung auf, die Entscheidung zu revidieren. Das Einreiseverbot sei ein Zeichen von Schwäche, nicht von Stärke und werde die bilateralen Beziehungen und die Unterstützung für Israel in den USA beschädigen. "Keine demokratische Gesellschaft sollte eine offene Debatte fürchten."

US-Senatorin un Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren forderte Israel auf, die Entscheidung zu revidieren: "Israel bringt seinen Entwicklungsprozess als tolerante Demokratie oder unerschütterlicher US-Verbündeter nicht voran, indem es gewählte Mitglieder des Kongresses wegen ihrer politischen Ansichten vom Besuch abhält. Das wäre ein beschämender, beispielloser Schritt."

Kritik kam auch von der palästinensischen Gruppe Miftah, die an der Organisation der Reise beteiligt war. Die Gruppe beklagte, die Entscheidung der israelischen Regierung sei ein Angriff auf die Rechte der Palästinenser, sich mit internationalen Entscheidungsträgern und Akteuren auszutauschen.