Neue Trump-Doku enthüllt brisante Verflechtungen im Clan des Ex-Präsidenten

Die dreiteilige Doku-Serie "Trump: Unprecedented" wirft einen Blick zurück auf die letzten Wochen der Amtszeit es Ex-US-Präsidenten Donald Trump. (Bild: discovery+)
Die dreiteilige Doku-Serie "Trump: Unprecedented" wirft einen Blick zurück auf die letzten Wochen der Amtszeit es Ex-US-Präsidenten Donald Trump. (Bild: discovery+)

Skandale, Lügen und Chaos im Weißen Haus: Die Amtszeit von Donald Trump war beispiellos und gibt der dreiteiligen Doku "Trump: Unprecedented" seinen Titel. Neben gewagten Äußerungen über Twitter und den Sturm auf das Kapitol bietet das Format interessante Einblicke in eine Familie, die sich als Business definiert.

Auch wenn die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA erst 2024 anstehen: Die Gerüchteküche brodelt schon längst heftig. Im Mittelpunkt der Spekulationen steht die Frage, ob Ex-Präsident Donald Trump noch einmal ins Rennen um den Platz im Weißen Haus geht. Beeinflussen könnte eine erneute Kandidatur das Ergebnis des Untersuchungsausschusses über den Sturm auf das Kapitol im Januar 2021. Das Gremium kam jüngst zu dem Schluss, Trump habe den Angriff bewusst geplant - und das lange im Voraus.

Der Sturm auf das Kapitol ist auch eines der Kernthemen, denen sich die dreiteilige Dokumentation "Trump: Unprecedented" (ab 15. Juli, discovery+) annimmt. Im Rahmen der Dreharbeiten begleitete Filmemacher Alex Holder die Familie des einstigen Präsidenten in den abschließenden sechs Wochen des Präsidentschaftswahlkampfes 2020 und zeichnete auch die Reaktionen der Trumps auf die Wahlniederlage auf.

Laut des Journalisten McKay Coppins "The Atheltic" sei Ivanka Trump "immer Daddys kleines Mädchen gewesen" - nicht der einzige interessante Einblick in die Familiendynamik der Trumps. (Bild: Getty Images / Alex Wong)
Laut des Journalisten McKay Coppins "The Atheltic" sei Ivanka Trump "immer Daddys kleines Mädchen gewesen" - nicht der einzige interessante Einblick in die Familiendynamik der Trumps. (Bild: Getty Images / Alex Wong)

Trump bezeichnet Teilnehmende am Sturm auf das Kapitol als "klug"

Für Politbeobachter wird das Doku-Format vor allem in der dritten Episode spannend, wenn der Sturm auf das Kapitol ins Zentrum rückt. Sie arbeitet den Tag des Geschehens samt Filmmaterial von den Straßen und von Trumps Rede am Vormittag des 6. Januar 2021 auf. Die Anwesenden seien "hypnotisiert" von Trump gewesen, erinnern sich Beobachter in der Rückschau. Die Veranstaltung sei der Inbegriff der "Church of Trumpism" gewesen und habe den Nährboden für die Ausschreitungen gebildet.

Trump selbst hingegen legt in einem Interview - wenig überraschend - eine recht exklusive Meinung über die Geschehnisse an den Tag: "Die Menschen sind in erster Linie nach Washington gegangen, weil sie wütend über eine Wahl waren, die ihrer Meinung nach gefälscht war." Und der einstige US-Präsident geht sogar noch weiter und charakterisiert die Demonstranten wie folgt: "Ich kann Ihnen sagen, dass sie wütend über die Geschehnisse bei der Wahl waren, weil sie klug sind - und sie haben gesehen, was passiert ist." Trumps Kinder, die in der Doku zuvor nicht müde werden, zu betonen, welch großartiges Kämpferherz ihr Vater habe, wollen zu den Geschehnissen des 6. Januar hingegen keine Auskunft geben. Es ist ein womöglich beredtes Schweigen.

Überhaupt erfährt man zu kontrovers diskutierten Themen der Trump-Ära nur wenig Neues. Kritische Fragen zum Trump'schen Vorwurf der Wahlmanipulation bleiben ebenso aus wie zu Trumps Aversion gegenüber Journalisten. Zwar ist "Trump: Unprecedented" zu Beginn mit dem Hinweis versehen, die Trumps hätten keine redaktionelle Kontrolle über die Doku-Reihe gehabt, in Bedrängnis werden sie von den Machern allerdings nie gebracht. Verwunderlich ist auch, dass Melania Trump, immerhin ehemalige First Lady, quasi allumfassend ausgeklammert wird. Über die Gründe dafür kann nur spekuliert werden.

Eine Familie als Business: Donald Trump Jr. (links), Ivanka Trump und Eric Trump stehen ihrem Vater in seinen politischen Bemühungen treu zur Seite. (Bild: Getty Images / Joe Raedle)
Eine Familie als Business: Donald Trump Jr. (links), Ivanka Trump und Eric Trump stehen ihrem Vater in seinen politischen Bemühungen treu zur Seite. (Bild: Getty Images / Joe Raedle)

Ivanka Trump als "Daddys kleines Mädchen"

Bestenfalls gestreift wird zudem der aufsehenerregende Twitter- und Facebook-Bann, den die Social-Media-Dienste nach zunehmenden verbalen Entgleisungen Trumps verhängten. "Eine Schande" sei das, empört sich der 76-Jährige in der Doku und bezeichnet die Verantwortlichen als "Verbrecher". Er sei schließlich keine "furchtbare Person", sondern habe "eine große Stimme. Ich habe eine Stimme, der Hunderte von Millionen Menschen zuhören".

Doch was leistet "Trump: Unprecedented", wenn schon keinen kritischen Blick auf Trumps Amtszeit samt aller Verschwörungstheorien, Lügen und Skandale? Vor allem schlüsselt das dreiteilige Format die Verstrickungen innerhalb einer Familie auf, die zwar laut Eric Trump "enger" sei als alle anderen, vornehmlich aber einem Zweck dient: die Marke Trump und dessen Gesicht Donald strahlen zu lassen.

McKay Coppins, Journalist bei "The Athletic", bringt das Buhlen von Trumps Kinder um die Gunst ihres Vaters auf den Punkt: "Du bist hier, um deinem Vater zu dienen und ihn zu vertreten und um seine Aufmerksamkeit und Anerkennung zu werben." Besonders gut gelang dies Ivanka Trump, die der Ex-Präsident sogar zur UN-Botschafterin machen wollte. Sie sei laut Coppins "immer Daddys kleines Mädchen gewesen". Dagegen nennt Trump selbst seinen Sohn Eric lediglich einen "guten Geschäftsmann".

Geht Donald Trump noch mal um den Platz im Weißen Haus ins Rennen? In "Trump: Unprecedented" lässt er die Frage noch offen. (Bild: Getty Images / Michael B. Thomas)
Geht Donald Trump noch mal um den Platz im Weißen Haus ins Rennen? In "Trump: Unprecedented" lässt er die Frage noch offen. (Bild: Getty Images / Michael B. Thomas)

Rockstar Donald Trump und weinende Trumpisten

Besonders offensichtlich wird hingegen die Distanz zwischen Donald Trump und seinem Namensvetter und Sohn Donald Jr. Der wird in der Dokumentation als Aufschneider dargestellt, der sich gerne über andere erhebt - besonders über Hunter Biden, den er während Wahlkampfveranstaltungen regelmäßig verunglimpfte. "Die Ironie liegt darin, dass das, was Don Jr. zu einem so wertvollen Vertreter im Wahlkampf machte, Donald Trump den größten Teil seines Lebens in Verlegenheit brachte", beschreibt McKay Coppins Donald Jr.'s Enthusiasmus für Waffen - ein Thema, für das sich sein Vater nie begeistern konnte und das er, so zeigen es Archivaufnahmen, als Charaktermerkmal von Losern sieht.

Surreal muten derweil mitunter Aufnahmen von den zig Wahlkampfveranstaltungen an, die die Trump-Familie 2020 in den ganzen USA abhielten. Da sieht man Menschen, die die Ankunft Donald Trumps wie die eines Rockstars bejubeln. Andernorts bricht ein Mann vor lauter Trump-Euphorie in Tränen aus, Anhänger des Republikaners beten für einen Wahlsieg oder Eric Trump signiert im Anschluss an seine Rede Caps und steht einem Elvis-Imitator gegenüber.

Bei all der Bauchpinselei, die Donald Trump in "Trump: Unprecedented" von seinen Kindern zuteilwird, lässt die Doku eine Frage offen. "Jede Umfrage sagt, ich muss kandidieren, ich muss kandidieren", sagt Trump nicht ohne Stolz, beendet das dreiteilige Format aber mit einem echten Cliffhanger: "Ich werde in nicht allzu ferner Zukunft eine Entscheidung treffen, bleiben Sie dran."

Ivanka Trump spielte im Wahlkampf ihres Vaters Donald Trump eine wichtige Rolle. (Bild: Getty Images / Jeff Swensen)
Ivanka Trump spielte im Wahlkampf ihres Vaters Donald Trump eine wichtige Rolle. (Bild: Getty Images / Jeff Swensen)
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