Nur noch "Wohlfühltermine"? Angela Merkel spricht offen über ihr neues Leben

Entspannt und humorvoll gab sich Ex-Kanzlerin Angela Merkel beim ersten großen Auftritt in der Öffentlichkeit nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft. (Bild: Sean Gallup / Getty Images)
Entspannt und humorvoll gab sich Ex-Kanzlerin Angela Merkel beim ersten großen Auftritt in der Öffentlichkeit nach dem Ende ihrer Kanzlerschaft. (Bild: Sean Gallup / Getty Images)

Nach dem Ende ihrer Amtszeit wurde es ruhig um Angela Merkel. In einem Phoenix-Interview sprach die ehemalige Kanzlerin nun sehr offen über ihr neues Privatleben. Außerdem verriet Merkel, die Gründe ihres Zitterns beim Besuch des Ukrainischen Präsidenten.

Etwa sechs Monate ist es nun her, dass Angela Merkel sich von der Polit-Bühne verabschiedete. Anschließend wurde es ruhig um die Ex-Kanzlerin. Am Dienstagabend absolvierte die 67-Jährige ihren ersten großen Auftritt nach ihrer Karriere als Politikerin - und scheint mit sich im Reinen zu sein. Auf der Theaterbühne des Berliner Ensembles wurde die langjährige CDU-Spitzenpolitikerin im Phoenix-Interview mit dem Journalisten Alexander Osang auch zu ihrem neuen Alltag befragt. "Ich wusste ja gar nicht mehr wie das ist", so eine entspannte und humorvolle Merkel über ihre neue Freizeit. "Ich habe 30 Jahre lang Politik gemacht und hatte immer Termine, Termine, Termine."

Allerdings glaube sie, dass sie mit dem Lebensabschnitt "sehr gut zurechtkomme und auch sehr glücklich sein kann". Ihr jetziges Leben als Rentnerin erlaubt etwa eine fünfwöchige Reise an die Ostsee, ganz alleine. Mit viel Bewegung und Hörbüchern vertrieb sie sich dort die Zeit. Dass sie sich etwa Shakespeares "Macbeth" anhörte, lässt auf einen höheren kulturellen Anspruch der Ex-Kanzlerin schließen. Abstand gewinnen sei nun das Ziel, die großen politischen Probleme müssen nun andere lösen.

So seien viele Reisen ins europäische Ausland angedacht. "Ich möchte auch etwas machen, das mir Freude macht", so Merkel. Das "mir" betonte sie dabei ganz besonders. "Und wenn ich dann lese: Wohlfühltermine. Merkel schleicht sich zurück und macht jetzt nur noch Wohlfühltermine", paraphrasierte sie nicht näher genannte Berichte, "da sage ich: Ja." - Gelächter und Applaus waren ihr in Berlin sicher.

Viel Privates besprach Journalist Alexander Osang mit Angela Merkel. Doch auch Russland und die Ukraine kamen zur Sprache. (Bild: Sean Gallup / Getty Images)
Viel Privates besprach Journalist Alexander Osang mit Angela Merkel. Doch auch Russland und die Ukraine kamen zur Sprache. (Bild: Sean Gallup / Getty Images)

"Nationalhymnen im Sitzen abgenommen"

Auch ihr viel diskutiertes Zittern beim Staatsbesuch des Ukrainischen Präsidenten Selenskyj wurde thematisiert. "Ich glaube, es hatte mit zwei Dingen zu tun", so die ehemalige Kanzlerin. "Einmal war ich schon sehr erschöpft nach dem Tod meiner Mutter. Das hat mich doch mehr in Anspruch genommen, als ich dachte." Herlinde Kasner verstarb am 6. April 2019 in Berlin, sie wurde 91 Jahre alt. "Zum Zweiten hing es dann auch mit wenig Trinken zusammen."

Im Anschluss, bekannte sie offen, habe Merkel Angst gehabt, eine solche Situation könne sich wiederholen. Doch dann sei die CDU-Politikerin "sehr, sehr gut damit zurandegekommen, als ich dann einen Stuhl auf das Podest gestellt habe und die Nationalhymnen im Sitzen abgenommen habe, und das ging auch." Die Belastung habe in ihr gesteckt, doch dies habe ihr "sehr gut getan".

Bei aller privaten Plauderei kam Merkel an Fragen zum Weltgeschehen freilich nicht vorbei. Sie verurteilte den russischen Angriff auf die Ukraine scharf, verteidigte jedoch die deutsche Russland-Politik ihrer Amtszeit. Zuletzt gab es vermehrt Kritik an zu viel Nachsicht gegenüber dem Kreml. "Diplomatie ist ja nicht, wenn sie nicht gelingt, deshalb falsch gewesen", so Merkel. "Was ich mich natürlich gefragt habe ist: Was hat man vielleicht versäumt? Hätte man noch mehr tun können?" Eigene Fehler gab sie in dem Gespräch nicht zu. Im Rückblick sei sie "eigentlich froh, dass ich mir nicht vorwerfen muss, ich habe es zu wenig versucht."

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