Erster prominenter "MeToo"-Fall in China abgewiesen

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Zhou Xiaoxuan steht mit Blumen und einem Buch vor dem Gericht, in dem das Verfahren wegen sexueller Belästigung stattfand.
Zhou Xiaoxuan sprach vor dem Gerichtsverfahren gegen einen TV-Moderator wegen sexueller Belästigung mit Journalisten. (Bild: REUTERS/Tingshu Wang)

Es hätte Chinas großer "#MeToo"-Fall werden können. Doch ein Gericht in Peking sprach einen bekannten TV-Moderatoren jetzt von den Vorwürfen der sexuellen Belästigung frei.

Angeklagt war der Moderator Zhu Jun, der auf dem staatlichen Sender CCTV eines der bekanntesten Gesichter ist. Im Jahr 2018 hatte Zhou Xiaoxuan, die in China vor allem unter ihrem Online-Alias Xianzi bekannt ist, ein Essay veröffentlicht, in dem sie von Übergriffen durch den Moderator erzählte. Während eines Praktikums bei CCTV im Jahr 2014 soll er die damalige Studentin unsittlich angefasst und gegen ihren Willen geküsst haben. 

Der Online-Essay der mittlerweile 28-Jährigen schlug hohe Wellen, es folgten viele Berichte von Frauen, die ähnlichen Erlebnisse öffentlich machten. Moderator Zhu verklagte die Urheberin wegen Rufschädigung. Daraufhin stellte auch Xianzi Anzeige vor einem Zivilgericht gegen den Moderator. Damit habe sie vor allem auch ein Experiment machen wollen, inwieweit Opfer sexueller Übergriffe in China durch die Justiz geschützt sind, schrieb sie dazu. 

Im Dezember 2020 kam es zur ersten Anhörung, schon das galt als großer Erfolg. Mehr als hundert Unterstützerinnen hatten sich for dem Haidian Volksgericht versammelt, um ihr zur Seite zu stehen. In den Medien wurde von "Chinas MeToo-Moment" berichtet. Nach der zehnstündigen Anhörung, zu der der Angeklagte nicht erschienen war, kam es allerdings zu keiner einstimmigen Entscheidung.  

"Enttäuschung und Erschöpfung"

Nun, mehr als ein halbes Jahr später, entschied das Gericht, es lägen keine ausreichenden Beweise für eine Verurteilung vor. Zhu äußerte sich auch nach dem Urteil nicht zu den Vorwürfen. Klägerin Zhou Xiaoxuan kündigte aber in einem schriftlichen Statement an, sie wolle in Berufung gehen. In einer emotionalen Ansprache wandte sie sich direkt an ihre Unterstützer, die sich wieder vor dem Gericht versammelt hatten. 

Wie die BBC berichtete, sprach sie über ihre Enttäuschung und die Erschöpfung, die durch die gerichtliche Auseinandersetzung unter den Augen der Öffentlichkeit entstanden sei. "Ich fühle mich, als ob ich nichts mehr tun kann... diese letzten drei Jahre meines Lebens waren so hart, ich kann das nicht noch weitere drei Jahre machen", sagte sie unter Tränen in dem Video, das online veröffentlich wurde. Die Klage wegen Rufschädigung besteht weiterhin. Doch die Rufe nach mehr Gerechtigkeit in Fällen sexueller Belästigung werden auch in China lauter. Erst im Juli wurde der chinesische-kanadische Popstar Kris Wu verhaftet, nachdem mehrere Frauen ihm Vergewaltigung vorgeworfen hatten.

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