Neureuther und Österreich erwägen Olympia-Verzicht

Österreich denkt über einen Verzicht an der Teilnahme für die Olympischen Winterspiele nach

Felix Neureuther zieht ernsthaft in Erwägung, auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen im Februar 2018 in Pyeongchang/Südkorea zu verzichten. "Ich werde jetzt Vater, und dann soll ich da rüber fahren mit einem ruhigen Gewissen? Stell Dir vor, ich steh am Start, und über mich fliegen die Raketen drüber", sagte er am Freitag.

Neureuther war es offensichtlich ein dringendes Bedürfnis, beim Medientag des Deutschen Skiverbandes (DSV) das Thema unaufgefordert zur Sprache zu bringen.

Er könne sich jetzt nicht "hinstellen und sagen: Ja, super, jetzt bin ich bei Olympia und will da alles geben - und daneben sagt der eine, ich zerbombe das Land, und dann sagt der andere: nein, ich zerbombe das Land. Und dann zündet der eine eine Wasserstoffbombe. Nein, das geht bei mir nicht", sagte Neureuther, der zusammen mit Freundin Miriam Gössner in wenigen Wochen ein Kind erwartet.

Österreich und Frankreich erwägen Verzicht

Doch nicht nur bei ihm sind die Zweifel an Pyeongchang gewachsen. Nach Frankreich schließt auch das Wintersport-Schwergewicht Österreich einen Verzicht auf die Spiele (9. bis 25. Februar 2018) nicht mehr aus.

Karl Stoss, Präsident des Österreichischen Olympia-Komitees ÖOC, sagte am Freitag in Innsbruck, dass man die Lage genau beobachte: "Sollte sich die Situation aber verschärfen und die Sicherheit der Sportler nicht mehr gewährleistet sein, werden wir nicht nach Südkorea fahren", betonte er.

Zuvor hatte bereits die französische Sportministerin Laura Flessel einen Verzicht in Betracht gezogen. "Wir werden unser französisches Team niemals in Unsicherheit bringen", betonte die Fecht-Olympiasiegerin: "Wenn sich die Situation verschlimmert und keine definitive Sicherheit gewährleistet wird, wird die französische Olympiamannschaft zu Hause bleiben."

Sicherheitslage spitzt sich zu

Eine ähnlich klare Ansage wünscht sich auch Neureuther vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). "Ich habe gelesen, was die französische Sportministerin gesagt hat und muss sagen, ich fand das wirklich gut von ihr", sagte er. Das IOC aber spiele das Thema herunter. Er werde sich die Situation jetzt noch eine Weile anschauen, ergänzte Neureuther, "aber wenn es so bleibt, würde ich mir natürlich meine Gedanken machen."

Die Sicherheitslage auf der koreanischen Halbinsel hatte sich in den letzten Tagen weiter zugespitzt. Nach den militärischen Provokationen durch Nordkoreas Diktator Kim Jong-un drohte US-Präsident Donald Trump in seiner Rede am Dienstag vor dem UN-Sicherheitsrat mit der "totalen Zerstörung".

Zuvor hatte unter anderem Laura Dahlmeier Bedenken an Pyeongchang angemeldet. "Ich finde, das ist schon ein Thema, das man nicht totschweigen kann. Das geht nicht spurlos an mir vorüber", sagte die siebenmalige Biathlon-Weltmeisterin über die Lage in Korea. "Biathlon ist mein Leben", sagte sie, aber sie wolle nicht plötzlich nicht mehr nach Hause können, "nur weil da vielleicht jemand durchdreht".

DOSB stellt Spiele nicht infrage

Bundesinnenministerium und DOSB sehen dagegen noch keinen Grund, die Spiele im nur 80 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernten Pyeongchang in Frage zu stellen. "Wir sind dazu im ständigen Austausch mit dem IOC sowie mit dem Auswärtigen Amt, das derzeit keine Reisewarnungen für Südkorea ausgibt", erklärte der DOSB.

Das IOC äußerte sich am Freitag zum wiederholten Male eher schwammig. "Die Sicherheit der Athleten hat absolute Priorität für das IOC", hieß es in einer Stellungnahme. Das sei auch der Grund, warum man die Gespräche auf höchster politischer Ebene zuletzt bei der UN-Versammlung fortgesetzt habe. "In keiner der Diskussionen hat jemand Zweifel an den Olympischen Spielen geäußert", teilte das IOC mit.

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