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Rendite von 4, 5 Prozent: Solltet ihr jetzt wieder Anleihen ins Depot aufnehmen?

Margarethe Honisch schreibt als Finanz-Expertin eine Kolumne. - Copyright: Marcus Witte
Margarethe Honisch schreibt als Finanz-Expertin eine Kolumne. - Copyright: Marcus Witte

In den letzten Jahren gab es unzählige Themen, mit denen sich Medien und Experten überschlagen haben: ETFs, mit denen Anleger ganz easy mit dem Investieren starten können. Einzelaktien, mit denen man durch Dividenden ein passives Einkommen aufbaut oder durch Tech-Aktien in das neueste Hype-Unternehmen sein Geld gleich vervielfachen kann – oder auch verlieren.

Beispielsweise wurde der sichere Hafen Gold 2020 wieder beliebt, als durch die Coronakrise viele Aktien und ETFs einbrachen. Oder Kryptowährungen, mit denen mittellose Studenten über Nacht zu Millionären wurden. Und seit dem Ukraine-Krieg interessiert die Rendite mit Öl viele Anleger oft mehr als die Welt mit Wasserstoff zu retten. Ein Thema hat in den letzten Jahren allerdings die wenigsten interessiert: die langweiligen Anleihen.

Was Anleihen von Aktien unterscheidet

Bevor ich euch erkläre, warum Anleihen in den kommenden Monaten und Jahren spannend für euch werden könnten, müssen wir uns kurz die Theorie anschauen. Letztendlich müsst ihr dazu nur folgendes Wissen:

  • Anleihen funktionieren nach dem Prinzip des Geldleihens: Ihr leiht einem Unternehmen Geld, werdet somit zum Gläubiger und bekommt dafür Zinsen vom Unternehmen – genau so, wie eure Bank es macht, wenn ihr euch einen Kredit dort holt. Am Ende bekommt ihr euer geliehenes Geld zurück und habt in der Zwischenzeit Zinsen eingestrichen.

  • Während ihr bei einer Aktie einen kleinen Teil des Unternehmens kauft und somit auf der Eigenkapitalseite steht, leiht ihr bei Anleihen dem Unternehmen Geld und steht auf der Fremdkapitalseite.

  • Anleihen werden wie Aktien an der Börse gehandelt. Dabei gibt es verschiedene Arten von Anleihen, die sich in der Art der Verzinsung, der Laufzeitbindung oder des Schuldners unterscheiden. So gibt es neben Unternehmensanleihen auch Staatsanleihen, zum Beispiel von der Bundesrepublik Deutschland. Damit leiht ihr also dem jeweiligen Land Geld.

Warum euch vorher niemand etwas von Anleihen erzählt hat

Vielleicht denkt ihr euch jetzt: Klingt doch eigentlich ganz gut, warum erfahre ich jetzt erst davon? Die Geldpolitik der EZB sowie der FED sorgte dafür, dass Anleihen einfach uninteressant waren, da es keine Zinsen gab (auch hier genauso, wie bei eurer Bank).

Warum also das Geld einem Unternehmen oder Staat leihen, wenn man nichts dafür bekommt? Die meisten betreiben ihre Investitionen schließlich nicht aus Nächstenliebe.

Nun wendet sich das Blatt aber langsam: Die Leitzinsen steigen und das schlägt sich auch in den Zinsen bei Anleihen wieder. Diese nennt man übrigens nicht Zinsen, sondern Kupon. Für Deutsche Staatsanleihen, die als äußerst sicher gelten, gibt es derzeit bei 10 Jahren Laufzeit bis zu 2,56 Prozent Zinsen.  Das ist mehr als die Zinsen, mit denen Trade Republic und Scalable Capital sich aktuell einen kleinen Wettkampf liefern.

Aber nicht nur in Deutschland steigen die Zinsen für Anleihen, weltweit sieht man jetzt dieses Phänomen. Am deutlichsten in den USA, wo 10-jährige Staatsanleihen sogar auf über 4,5 Prozent gestiegen sind.

Vorteile von Anleihen, die viele vergessen

In Zeiten von Bitcoin, der Tesla-Achterbahn oder einer Wirecard-Pleite haben sich viele Anleger offensichtlich an eine Achterbahnfahrt im Aktiendepot gewöhnt. Viele werden aber sicherlich ruhiger schlafen können, wenn sie das Auf und Ab an der Börse etwas abfedern können. Und genau dafür sind Anleihen gut: Sie bringen Stabilität ins Portfolio, da die Erträge besser kalkulierbar sind und Anleihen keinen starken Marktschwankungen unterliegen.

Außerdem habt ihr mit einer Anleihe in der Hand einen großen Vorteil gegenüber denen, die die Aktie in den Händen halten: Fremdkapitalgeber sind im Insolvenzfall besser geschützt als Eigenkapitalgeber. Geht ein Unternehmen insolvent und ihr habt dessen Aktien, fällt im Zweifelsfall der Kurs und ihr müsst zusehen, dass ihr nicht alles verliert – siehe Wirecard.

Besitzt ihr eine Anleihe des Unternehmens, habt ihr vorrangige Ansprüche auf die Vermögenswerte und erhaltet ihr immerhin bis zu 40 Prozent des Nominalwertes der Aktie. Klar, immer noch ärgerlich, aber immerhin keine Nullnummer.

Ein Problem gibt’s da aber doch noch

Jetzt habe ich euch zwar die ganze Zeit erzählt, wie positiv sich Anleihen auf euer Aktiendepot auswirken und für mehr Entspannung sorgen können. Eine Sache muss man dabei jedoch noch erwähnen. Und die ist nicht ganz so freudig.

Seit der Finanzkrise haben sich Staaten kostenlos Geld leihen und dieses munter ausgeben können. Irgendwann ist aber Zahltag – und was passiert, wenn diese Staaten die Zinsen nicht mehr begleichen können? Schon heute warnen viele davor, dass manche Staaten wie Großbritannien oder Italien vor einer ähnlichen Situation stehen wie Griechenland 2007.

Für euch als Anleger bedeutet dies momentan vor allem eins: Wenn ihr euch für Anleihen entscheidet, dann achtet auch unbedingt darauf, wem ihr euer Geld leiht. Mehr Zinsen bedeutet in der Regel auch mehr Risiko. Wer mit Anleihen also besser schlafen möchte, muss sich also auch ansehen, wem man das Geld leiht.

Disclaimer: Aktien und andere Investments sind grundsätzlich mit Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten. Sie ersetzen auch nicht eine fachliche Beratung.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne „Aus Geld mehr machen“.