Roßmann bei Lanz: „Wenn ich hier Klartext rede, reise ich lieber nicht in die Türkei“

Dirk Roßmann hat 1972 die erste Selbstbedienungs-Drogerie Deutschlands eröffnet. (Bild: Screenshot ZDF)

In der aktuellen Sendung von Markus Lanz spricht der Drogerieketten-Gründer über unternehmerische Verantwortung und darüber, warum viele seiner Kollegen sich davor scheuen, klare Kante zu zeigen.

Neun Milliarden Euro Umsatz machte Rossmann im vergangenen Jahr. Heute hat die Drogeriekette über 54.000 Mitarbeiter in knapp 4.000 Filialen – eine Erfolgsgeschichte, die 1972 mit der Gründung des ersten Rossmann-Marktes begann. Dirk Roßmann erinnert sich in seiner jüngst erschienenen Biografie „… dann bin ich auf den Baum geklettert!“ an seinen steinigen Weg zum Selfmade-Milliardär, spricht jedoch auch über die Verantwortung, die mit diesem Erfolg einhergeht.

In der Sendung von Markus Lanz zeigt sich der 72-Jährige besorgt von den politischen Verschiebungen der vergangenen Jahre. Seiner Meinung nach sollen in einer Demokratie Probleme offen benannt und diskutiert werden können. In einer Position wie der seinen hält er das jedoch nicht immer für einfach: „Als ich vor zwei Jahren mal ein paar klare Sätze zu Herrn Erdoğan sagte, wurde ich schwer von meiner Familie und von meinen türkischen Mitarbeitern zurückgepfiffen“, erinnert er sich.

Verantwortung gegenüber Mitarbeitern

„Warum sollten Sie sich zurückhalten?“, fragt der Moderator verdutzt. „Wenn ich das hier sage, dann halte ich mich nicht zurück. Aber das weiß doch jeder“, wiegelt Roßmann ihn ab. Als Lanz ihn sichtlich verwirrt anstottert, führt er widerwillig weiter aus: „Das weiß doch jeder, dass wenn ich hier Klartext rede, ich dann lieber nicht in die Türkei reise“, sagt er. Außerdem habe er rund 1.700 Mitarbeiter in der Türkei, denen gegenüber er eine Verantwortung habe.

Markus Lanz ist verständnislos, dass Unternehmer sich nicht klarer positionieren. (Bild: Screenshot ZDF)

Sonst ist der gebürtige Hannoveraner jedoch nicht um klare Ansagen verlegen: Wiederholt kritisiert er die aktuelle Entwicklungspolitik der Bundesregierung. Er fordert mehr Hilfe in den afrikanischen Ländern, um die Probleme an der Quelle zu lösen. Unterstützt werden sollen jedoch nur die Staaten, die sich wirklich um Fortschritt bemühen. Auch zur Flüchtlingspolitik hat er klare Ansichten: Die Migranten, die das Grundgesetz achten und Werte wie die Gleichberechtigung von Mann und Frau vertreten, würden zu Deutschland gehören. Man müsse sich jedoch nicht alles bieten lassen: „Wir haben auch das Recht, zu fordern, wir haben nicht die Pflicht, alles hinzunehmen“, erklärt er unter Applaus.

Keine Kunden verschrecken

Kaum einer seiner Kollegen positioniert sich politisch so klar, stattdessen halten sich die Unternehmensspitzen in der Öffentlichkeit meist zurück. Roßmann glaubt, den Grund zu kennen: fehlendes Selbstbewusstsein. „Die sind selbstbewusst, wenn sie in ihren Firmen sind, da kennen sie sich aus. Aber wenn eine Fernsehkamera an ist und wenn andere Leute da sind, die vielleicht auch widersprechen, dann denken sie: Da kann ich nur verlieren und da halt ich mich lieber raus“, vermutet er.

Der 72-Jährige erklärt, dass eine Demokratie mitdenkende Bürger fordere und nicht nur die Politiker in der Verantwortung stünden. Als Markus Lanz einhakt, dass gerade die Menschen in Machtpositionen dieser Aufgabe nicht nachkommen würden, gesteht er ein, dass es für Unternehmer auch darum gehe, keine Kunden zu verschrecken. Wenn er sagen würde, dass er „das mit der AfD nicht so richtig toll“ finde, dann habe er 13 Prozent weniger Kunden.

Eine deutliche Positionierung umschifft er in diesem Fall auch mit einer Generalisierung: „Ich bin kein Freund der ganz Rechten und ich bin auch kein Freund der ganz Linken“, sagt er. „Ich bin ein Mensch der breiten Mitte.“