Scharfe Kritik an Comedian Dieter Nuhr wegen Werbespot

Der deutsche Comedian Dieter Nuhr sorgt mit einem Werbeclip für sein neues Programm in der ARD für Empörung. Der Grund: die vermeintliche Herabwürdigung eines historischen Datums.


“Man sagt ja immer, der 9. November, das ist ein wichtiger Tag in der deutschen Geschichte“ – so beginnt der Werbeclip von Dieter Nuhr, den die ARD am Montagabend ausstrahlte. “Der eigentlich wichtige Tag, das ist der 8. November. Da kommt nämlich Nuhr im Ersten“, fuhr der Comedian fort und sorgte damit für Aufsehen.

Stein des Anstoßes: Der 9. November ist in vielerlei Hinsicht ein historisch bedeutsamer Tag. Vor genau 100 Jahren wurde an diesem Tag in Deutschland die Republik ausgerufen, 1989 fiel die Berliner Mauer. Weit bedenklicher im Nuhr-Kontext ist für viele aber ein drittes historisches Ereignis des 9. Novembers: die Reichspogromnacht 1938 – jene Nacht, in der nationalsozialistische Schlägertrupps jüdische Geschäfte und Synagogen zerstörten und die systematische Judenverfolgung offiziell einleiteten.

Kabarettist Dieter Nuhr ist bekannt dafür, oft anzuecken. (Bild: AP Photo/Hermann J. Knippertz)

Damit nicht genug: Nuhrs Werbespot wurde direkt nach dem “Antisemitismus-Report” ausgestrahlt. Unglücklicher Zufall oder gezielte Provokation?

Die ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth übt auf ihrer Facebook-Seite scharfe Kritik an Nuhr und dem Sender. “Das Unbegriffene. Eine endlose Geschichte – die ARD und der Antisemitismus”, titelt Ditfurth und bezeichnet Nuhrs Werbespot als “verächtlich”.

Nicht alle sind sich allerdings einig, auf welches Ereignis Nuhr anspielen wollte. “Er meint den Mauerfall”, kommentiert eine Person Ditfurths Post. Ein anderer Facebook-Nutzer geht da schon härter mit dem Komiker ins Gericht: “Der Kerl passt wunderbar ins Deutschland 2018. Er schaut eh gerne auf Minderheiten, macht sich auch über Migranten mit muslimischem Background lustig, ist antisemitisch und ein neoliberaler Knecht.”

Auch darüber, ob die Platzierung nach dem “Antisemitismus-Report” Zufall sei, wurde diskutiert. Ein Twitter-User findet den Werbespot auch ohne die ungünstige mediale Platzierung fragwürdig: “Auch ohne die Platzierung nach dem Antisemitismus Report ist die #Nuhr Werbung eine widerliche Relativierung der Pogrome vom 9.11.”


Dieter Nuhr hatte in der Vergangenheit des Öfteren für Kontroversen gesorgt. Besonders Nuhrs Islamkritik sorgte für jede Menge Kritik und brachte ihm sogar ein Ermittlungsverfahren ein, das jedoch eingestellt wurde. Nuhr selbst äußerte sich zu den Vorwürfen bezüglich seines Werbespots bis dato nicht.