Spott nach dem TV-Triell: Armin Laschet und der "Wind der Veränderung"

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CDU-Kandidat Armin Laschet beim TV-Triell am gestrigen Sonntag. (Bild: Michael Kappeler-Pool/Getty Images)
CDU-Kandidat Armin Laschet beim TV-Triell am gestrigen Sonntag. (Bild: Michael Kappeler-Pool/Getty Images)

Das erste Kanzlerkandidaten-"Triell" hatte vielleicht keinen klaren Gewinner. Aber einen Verlierer gab es durchaus, denn Armin Laschet bekam nach dem TV-Auftritt viel Spott im Netz ab.

Es war die erste Live-Diskussion zwischen Annalena Baerbock (Die Grünen), Olaf Scholz (SPD) und Armin Laschet (CDU) im Schlussspurt dieses Wahlkampfes. Alle drei wollen am 26. September ins Kanzleramt gewählt werden. Doch dafür ging es bei dem ersten "Triell", das auf RTL und ntv übertragen wurde, erstaunlich friedlich zu. Nicht einmal die Vorlage der Moderatoren Peter Kloeppel und Pinar Atalay wollten die drei so recht ausnutzen, als sie gefragt wurden, warum die anderen Kandidaten nicht für das Kanzleramt geeignet seien. 

Ausgerechnet die Scorpions

Und so dauerte es bis zum Ende einer relativ mürben Debatte, bis sich doch noch ein Fettnäpfchen auftat. Es ist vielleicht bezeichnend für seinen bisher eher unglücklich verlaufenen Wahlkampf, dass es CDU-Kandidat Laschet war, der hineintrat. Bei seinem Schluss-Statement schaute der 60-Jährige noch einmal kurz auf seinen Zettel, womit ihn Konkurrentin Baerbock zu vor schon aufgezogen hatte: "Nicht nur Sprechzettel vorlesen!" Diesmal fand er dort ein popkulturelles Zitat: "Spüren wir nicht alle den Wind der Veränderung, der uns ins Gesicht bläst?" las Laschet ab. In diesen Momenten brauche es "Standhaftigkeit und Verlässlichkeit", was offensichtlich das Image war, das Laschet an die Wähler vermitteln wollte.

Online-Spott für Laschet

Es handelt sich dabei natürlich um ein Zitat aus dem Scorpions-Hit von 1990. In "Wind of Change" ging es um die politischen Veränderungen der Wende-Zeit. Diese waren maßgeblich von der Union und ihrem Kanzler Helmut Kohl mit voran getrieben worden. Doch Laschet wirkte nun eher so, als wolle er sich der Veränderung in den Weg stellen, was bei vielen Zuschauern gar nicht gut ankam. Und so sorgte der misslungene Ausflug in die Popkultur für reichlich Spott auf den Sozialen Netzwerken. Der SPD-Europaabgeordnete Tiemo Wölken schrieb, Laschet beschriebe sehr genau, was er ändern wolle: "Nichts".

Andere wie der Journalist Lorenz Meyer sahen das Pop-Zitat gar als eine "verklausulierte Wahlempfehlung für die Grünen".

Und die grüne Europaparlament-Abgeordnete Jutta Paulus fand den Ausspruch gar "entlarvend" und antwortete mit: "'Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen.' Chinesisches Sprichwort." Ob es wirklich eines ist, sei dahingestellt, es fasste die Reaktion auf Laschets Zitat jedenfalls gut zusammen.

Und natürlich dauerte es nicht lange, bis es auf Youtube direkt einen musikalischen Remix der Laschet-Äußerung gab:

Die Blitzumfrage unter Zuschauern des "Triells" sah Laschet als klaren Verlierer des Abends, wohl nicht nur wegen seines fehlgeleiteten Scorpions-Zitats. Mit 36 Prozent lag in der Forsa-Umfrage unter 2500 repräsentativ ausgewählte Menschen Olaf Scholz vorn, dahinter folgte Annalena Baerbock mit 30 Prozent. Laschet sahen nur 25 Prozent als Sieger der TV-Debatte. Er hat nun noch zwei weitere Chancen, sich besser zu präsentieren, denn am 12. September diskutieren die drei Kanzlerkandidaten im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bei ARD und ZDF und das letzte "Triell" findet dann bei ProSieben, Sat.1 und Kabel Eins am 19. September statt.

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