Spott über "gegenderte" Crash-Test-Dummys - doch die könnten Leben retten

·Freie Autorin
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Crash-Test-Dummys sind in den meisten Fällen Männerkörpern nachempfunden. Grünen-Politikerin Katharina Fegebank sprach sich beim Verkehrskongress ITS für ein Umdenken aus - und zog den Spott der "Bild" nach sich. Dabei ist die Debatte (lebens)wichtig.

Ist es wirklich wichtig, welches Geschlecht dieser Crash Test Dummy hat? Studien zeigen: absolut! (Bild: Getty Images)
Ist es wirklich wichtig, welches Geschlecht dieser Crash Test Dummy hat? Studien zeigen: absolut! (Bild: Getty Images)

"Vize-Bürgermeisterin will Crash-Test-Dummys gendern", schlagteilt die "Bild"-Zeitung und setzt den Vorstoß der Grünen-Politikerin Katharina Fegebank für geschlechtsinklusive Unfallforschung im ersten Absatz mit der "durchgegenderten" deutschen Sprache gleich.

Damit schießt die Zeitung jedoch am Thema vorbei. Denn beim geschlechtlichen Vorbild von Crash-Test-Dummys geht es nicht um "gendern" als symbolische Geste, sondern um reale Ergebnisse in der Unfallforschung.

Fahrzeugsicherheit ist größtenteils auf Männer abgestimmt

Crash-Test-Dummys werden seit den 1950er Jahren für Unfallsimulationen und den Test von Gefahrensituationen im Straßenverkehr verwendet, die unter anderem Einfluss darauf auf die sichere Konstruktion von Autos und deren Sicherheitsausstattung wie Airbags oder Sicherheitsgurte haben.

Jahrzehntelang basierten diese Dummys auf Durchschnittswerten von männlichen Körpern. Für Frauen, kleinere Menschen oder Menschen mit Behinderung ergab sich dadurch ein Nachteil in Sachen Fahrzeugsicherheit. Auch Design der Sitze, Positionierung der Pedale und Nackenstütze basieren oft auf dem sogenannten 50-Perzentil-Mann - der Mann also, der exakte Mittelwerte im Körperbau aufweist - der 1,75 Meter groß ist und 78 Kilogramm wiegt. Für Frauen wird dieser Umstand im besten Fall ungemütlich, im schlimmsten Fall lebensgefährlich.

Erste Schritte in Sachen geschlechterinklusive Unfallforschung kamen spät - und ließen bisweilen zu wünschen übrig. In den USA wurden 2011 erstmals weibliche Crash-Test-Dummys verwendet. Die Organisation Euro NCAP, die Crash-Tests mit neuen Automobilen durchführt, führt eigenen Angaben zufolge seit 2015 Tests mit zweierlei Dummys durch - gestand auf Nachfrage von "The Guardian" jedoch ein, dass die weiblichen Dummys "manchmal" schlicht "verkleinerte männliche Dummys" sind, was in Bezug auf Faktoren wie Muskelmasse, Proportionen oder Wirbelsäulenbeschaffenheit keine wertvollen Daten ergibt.

Studien belegen: Das Problem hält weiter an

In ihrem Artikel fragt die "Bild"-Zeitung bei einem Autohersteller nach. Volkswagen versicherte dem Blatt: "Autos von Volkswagen werden generell auch von und mit Frauen entwickelt Sicherheit und Komfort gibt es für alle Insassen – passgenau abgestimmt auf alle Geschlechter und Körpergrößen."

Selbst wenn dies stimmt, hinkt die Automobilindustrie als Ganzes nach wie vor hinterher, wie Studien der Unfallforschung der Versicherer (UDV) und des ADAC belegen. Deren Tests zeigen, dass Menschen mit einer deutlich vom Durchschnittsmann abweichenden Anatomie im Falle eines Unfalls einem "deutlich höheren Verletzungsrisiko" ausgesetzt sind. Und schon scheinen "gegenderte" Crash-Test-Dummys wie gar keine so schlechte Idee mehr.

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