Studie zeigt: Quasisatellit könnte vom Mond stammen

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366 Tage benötigt der Asteroid "Kamoʻoalewa" für eine Umrundung der Sonne, er ist damit der Erde sehr ähnlich. Doch weitaus ähnlicher ist er einem anderen uns bekannten Himmelskörper, wie eine Untersuchung jetzt zeigt.

Nach einer Kollision könnte der Mond einen Splitter in eine erdähnliche Umlaufbahn geschossen haben: den Quasisatellit Kamoʻoalewa .
Der Quasisatellit "Kamoʻoalewa" könnte vom Mond stammen. (Symbolbild: Getty)

Quasisatelliten: Das sind Himmelskörper, die in einer ähnlichen Umlaufbahn gemeinsam mit der Erde um die Sonne kreisen.

Um einen solchen Quasisatelliten handelt es sich auch bei "Kamoʻoalewa" – ein Asteroid, der bereits seit 2016 bekannt ist und der Erde auf ihrer Bahn um die Sonne folgt. Doch woher der Asteroid stammt, der ungefähr die Größe eines Riesenrads hat, das war bislang unbekannt. Eine neue Untersuchung aber hat jetzt eine Theorie dazu aufgestellt.

Mit bloßem Auge nicht zu erkennen

Verantwortlich dafür ist ein Team von Weltraumforschenden unter der Leitung des Astronomen Benjamin Sharkey von der Universität in Arizona. Das hat kürzlich im Journal "Communications Earth & Environment" geschrieben, dass Kamoʻoalewa wahrscheinlich ein Mondsplitter sei, der vor langer Zeit bei einer Kollision des Mondes mit einem anderen Himmelskörper entstand.

Über Quasisatelliten ist bislang wenig bekannt, was daran liegt, dass sie kaum Strahlung im sichtbaren Bereich reflektieren und deshalb schwierig zu untersuchen sind. Dazu schreibt Sharkey in einem die Veröffentlichung begleitenden Text: "Selbst an seinem erdnahsten Punkt ist Kamoʻoalewa vier Millionen Mal dunkler als der dunkelste Stern, den wir Menschen von der Erde aus erkennen können."

Untersuchung mit größtem Teleskop

Der Astronom und seine Kolleg*innen mussten deshalb ein besonders leistungsstarkes Teleskop nutzen: Das weltweit größte optische "Large Binocular Telescope", das auf dem Mount Graham in Arizona steht und von Sharkeys Universität betrieben wird.

Seine ersten Daten erhob das Team im April 2017. Doch die Auswertungen der Bilder legten zunächst nahe, dass es sich um einen gewöhnlichen Asteroiden handeln müsste – Kamoʻoalewas Form, Geschwindigkeit und Umlaufbahn passten dazu.

Zusammensetzung des Asteroiden überraschte

Doch das Team wollte weitere Untersuchungen zur Zusammensetzung des Himmelskörpers machen. Dazu schauten sie sich Kamoʻoalewa mit Strahlung im nicht-sichtbaren Bereich an: "Im Infrarotbereich können wir sehen, aus was die Oberfläche besteht. Durch diese Spektroskopie erkennen wir sozusagen die 'Fingerabdrücke' der Mineralien, weil sie die Strahlung unterschiedlich reflektieren", schreibt Sharkey.

Die Spektroskopie-Aufnahmen bargen überraschende Ergebnisse: "Sie unterschieden sich so sehr von dem, was wir erwartet haben, dass wir anfangs dachten, wir hätten einen Fehler in den Daten", so Sharkey. Doch nicht die Daten seien das Problem gewesen, sondern die Erwartungen der Forschenden.

Aufregendes Szenario

Die glichen in der Folge ihre Ergebnisse mit anderen Himmelsköpern ab – und fanden unter Asteroiden und Quasisatelliten keine Übereinstimmung. Ganz anders sah es aus als das Team die Daten Kamoʻoalewas mit Untersuchungen einer früheren Apollo-Mission zusammenbrachten. In der Studie heißt es zum Ergebnis: "Die beste Übereinstimmung gibt es mit Mondgestein."

"Dieses Szenario wäre unglaublich aufregend", schreibt Sharkey weiter, "denn was wäre, wenn wir den Asteroiden besuchen und ihn vor Ort untersuchen könnten, ohne dass er in die Erdatmosphäre eingedrungen und dadurch verändert worden wäre?" Dadurch könnten sie herausfinden, wann Kamoʻoalewa genau entstanden und wo der Splitter abgebrochen sei.

Auch wenn der Plan äußerst aufwendig erscheint, immerhin müssen sich die Forschenden dafür nicht beeilen. Denn ihre Untersuchungen haben auch gezeigt, dass Kamoʻoalewa noch eine ganze Weile auf seiner erdnahen Bahn verbleiben wird: rund 300 Jahre.

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