Täglich Bomben über New York - in der Ukraine

Instinktiv ducken sich die Kinder, sobald sie das Pfeifen russischer Raketen erkennen, die über der Stadt New York (Nju Jork) im Osten der Ukraine niedergehen.

Nach fast drei Monaten Krieg zwischen der Ukraine und Russland wissen sie, welche in der Nähe landen und welche weiter weg einschlagen werden. In der vergangenen Nacht wurde ihre Nachbarschaft beschossen, erklärt die junge Mutter Valeria Kolakewytsch, darunter auch vier Häuser neben ihrem eigenen. "Es war schrecklich", berichtet sie. "Und das Schlimmste ist, dass hier nichts ist, nur Zivilisten."

Die Schüsse gehen weiter, von den Feldern aus, die bis vor kurzem die Trennlinie zwischen den Gebieten markierten, die 2014 von den prorussischen Separatisten erobert wurden, und den Gebieten, die unter ukrainischer Kontrolle geblieben sind.

New York klingt nach Amerika, liegt aber tatsächlich in der in der Oblast Donezk. Deutsche Kolonisten gründeten die Ortschaft 1892 unter dem Namen "Нью Йорк" Nju Jork ("New York"). Sie erhielt 1938 den Status einer Siedlung städtischen Typs. 1951 wurde sie in Nowhorodske (ukrainisch Новгородське; russisch Новгородское Nowgorodskoje) umbenannt.

Die Kleinstadt, hauptsächlich von russischsprachigen Einwohnern bewohnt, beschloss im Sommer 2021 nach fünfjährigem Kampf lokaler Aktivisten, wieder den Namen wieder anzunehmen, den ihr die deutschen Gründer Anfang des 19. Jahrhunderts gaben.

Angesichts der Offensive der russischen Truppen fühlt sich New York im Stich gelassen. Seit Beginn des Krieges konzentriert die ukrainische Armee ihre Truppen in den strategisch wichtigeren Nachbarstädten Severodonezk und Lyssytschansk im Nordosten der Frontlinie.

Dabei tickt in New York eine Zeitbombe: Die Russen könnten eine nicht weit entfernte Fabrik treffen, in der Phenol gelagert wird, ein chemischer Bestandteil, der für Farben und in der Kunststoffindustrie verwendet wird. Sollte dieser in die Erde eindringen, wäre der Boden unwiderbringlich verseucht.

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