Tüftler bauen «Göttinger Ei» nach

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Ein Modell vom Experimentalfahrzeug Schlör-Wagen - auch bekannt als «Göttinger Ei».
Ein Modell vom Experimentalfahrzeug Schlör-Wagen - auch bekannt als «Göttinger Ei».

Es sollte das Auto der Zukunft sein - und so stromlinienförmig waren Autos nie wieder: Tüftler aus Hannover bauen das «Göttinger Ei» aus den 1930er Jahren nach.

Sehnde (dpa) - Ein automobiler Aerodynamik-Weltmeister aus den 30er Jahren soll neu entstehen: Tüftler aus Hannover bauen das sogenannte «Göttinger Ei» nach. Dabei geht es um den Schlör-Wagen, der in Sachen Aerodynamik bis heute Maßstäbe setzt.

Der Neubau dürfte einige Jahre dauern, wie Horst-Dieter Görg vom Verein Mobile Welten auf dem Gelände des Hannoverschen Straßenbahn-Museums in Sehnde sagte.

Prof. Andreas Dillmann, Leiter des Instituts für Aerodynamik und Strömungstechnik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Göttingen, nannte den Wagen ein «fahrendes Flügelprofil» - ähnlich der Tragfläche eines Flugzeugs hat er einen geringen Luftwiderstand. Die erreichten Werte lägen ähnlich wie beim 1-Liter-Auto von VW. «Der Wert ist sensationell niedrig.»

Wegen der rundlichen Alu-Außenhaut saß der Fahrer im Schlör-Wagen in der Mitte, nicht wie üblich auf der linken Seite. Der Motor war hinten. Mitte der 30er Jahre habe die damalige Aerodynamische Versuchsanstalt angefangen, an Kraftfahrzeugen zu forschen, erklärte Jessika Wichner, die Leiterin des DLR-Zentralarchivs in Göttingen. Der Konstrukteur Karl Schlör (1910-1997) entwickelte das «Göttinger Ei» demnach 1938, zeitgleich mit dem VW Käfer wurde es 1939 auf der IAA gezeigt - durfte aber nicht in die Halle, weil das Verkehrsministerium Konkurrenz für den Käfer fürchtete. Kein Wunder: Das «Göttinger Ei» bot Platz für sieben Menschen, verbrauchte weniger und fuhr schneller als der Käfer, wie Wichner sagte.

Was nach dem Krieg mit dem «Göttinger Ei» geschah, sei nicht ganz klar, erklärt Wichner. Sie vermutet, der Wagen sei verschrottet worden - die Briten hätten ihn «definitiv» nicht mitgenommen. Nun jedenfalls soll das «Göttinger Ei» erneut entstehen - sogar gleich in zweifacher Ausführung, wie es hieß.