Teurer Dijon-Senf: Ein Vorbote für Lebensmittelengpässe?

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In vielen Bereichen hat der Handel momentan mit Lieferengpässen zu kämpfen. Warum ausgerechnet Dijon-Senf jetzt zum knappen - und teuren - Gut wird.

Dijon Senf
Auf der ganzen Welt kennt man den berühmten Dijon Senf. Doch jetzt wird der Nachschub knapp. (Bild: Tim Graham/Getty Images)

Die französischen Supermärkte schlagen Alarm. Denn plötzlich fehlt es in den Regalen an einem ur-französischen Produkt. Doch hinter dem Lieferengpass steht ein größeres Problem, das bald auch andere Lebensmittel betreffen könnte.

Die Zahlen, die Luc Vandermaesen im Interview mit dem britischen "Guardian" nennt, sind erschreckend. Der Manager des größten französischen Senfproduzenten "Reine de Dijon" zeichnet ein düsteres Bild. Nach schlechten Ernten im vergangenen Jahr sei die Senfkornproduktion um die Hälfte gesunken. Verantwortlich dafür ist der Klimawandel, der den Bauern zu schaffen macht.

Klimawandel sorgt für schwache Ernten

Im Juli 2021 habe eine "Hitze-Kuppel" über Kanada für eine sehr schlechte Ernte dort gesorgt, so Vandermaesen. Auch das Klima im Burgund, wo ein Großteil der Senf-Pflanzen angebaut wird, war stark vom Klimawandel beeinflusst. "Im Burgund hatte die Region einen sehr nassen Winter und drei sehr kalte Tage Anfang April, so dass wir nur etwa 48 Prozent der erwarteten Ernte hatten," sagte Vandermaesen dem "Guardian".

Mittlerweile macht sich die schwache Ernte auch im Ausland bemerkbar. Die Senfabteilungen in deutschen und britischen Supermärkten sind bereits oft spärlich bestückt. Zur Klimakrise kam dann im Februar auch noch der russische Angriffskrieg in der Ukraine. Dadurch wurden Lieferketten unterbrochen, die Preise erhöhten sich empfindlich. So kostete eine Ladung von 50 Tonnen Senfsamen auf dem Markt sechsmal so viel wie im Jahr zuvor, berichtet Vandermaesen.

Nur ein Ausblick auf kommende Engpässe?

Die Verknappung durch die schwachen Ernten und die erhöhten Preise bekommen nun auch die Verbraucher*innen direkt zu spüren. Dijon-Senf wird plötzlich zur Mangelware und zum Luxusgut. Denn noch ist fraglich, ob etwa die kanadischen Bauern weiterhin auf Senf-Anbau setzen, oder lieber auf Pflanzen mit einem geringeren Risiko bei wechselnden Klima-Bedingungen bauen. Expert*innen erwarten einen weiteren Einbruch im kommenden Jahr. Denn auch bei benötigten Verpackungsmaterialen wie Pappe, Glass oder Papier gibt es bereits jetzt weltweit große Lieferschwierigkeiten. So könnte der Senf nur ein früher Hiobsbote für weitere Lebensmittelengpässe sein.

Im Video: Nach Öl und Mehl - Wird jetzt auch der Senf in Deutschland knapp?

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