Transfer verpennt? So lief das wirklich mit Bayern und Werner

Maximilian Lotz, Florian Plettenberg

Seine Bilanz ist schon meisterlich: Allein in den vergangenen acht Pflichtspielen war Timo Werner an 19 Toren beteiligt.

Am Wochenende führte der Nationalspieler RB Leipzig mit seinen Saisontoren 14 und 15 zu einem 3:1-Sieg gegen die TSG Hoffenheim - und verkürzte im Torjäger-Ranking gleichzeitig den Abstand auf Bayerns Goalgetter Robert Lewandowski auf ein Törchen.


Angesichts solcher Zahlen könnte der FC Bayern einen wie Werner in der momentanen Phase sicherlich gut gebrauchen. Auch im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 wurde das Thema Werner und Bayern am Sonntag heiß diskutiert.

SPORT1-Experte Stefan Effenberg outete sich als Werner-Fan. "Das ist ein herausragender Spieler in meinen Augen. Ich habe auch damals nie die Diskussion verstanden, der passt ja gar nicht zur Philosophie der Bayern. So ein Spieler dieser Qualität passt überall rein. Das ist mal Fakt", sagte Effenberg.

Werner: FC Bayern als Wunschziel

Nach SPORT1-Informationen galt der FC Bayern als Wunschziel Werners. Vor knapp einem Jahr ließ der 23-Jährige nach dem Leipziger Gastspiel in München durchklingen, dass für ihn im Falle eines Wechsels innerhalb Deutschlands nur der Rekordmeister infrage käme.

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Werners Vertrag lief zum damaligen Zeitpunkt 2020 aus, wie der kicker nun berichtet, wäre Werner angeblich für 25 Millionen Euro zu haben gewesen.


"Wenn die Bayern das verpennt haben, den zu holen, dann spricht das nicht für die Verantwortlichen", meinte Effenberg. "Wenn du so einen Spieler kriegen kannst, dann musst du als Bayern München zuschlagen."

Bayern zweifeln an Werner

Fakt ist: Die Bayern hatten zum damaligen Zeitpunkt Interesse, allerdings kamen nach SPORT1-Informationen intern Zweifel auf, ob Werner taktisch ins System des Rekordmeisters passe. Hinzu kam Werners Formschwäche zum Rückrundenstart, als er erst Mitte März sein erstes Bundesligator im Jahr 2019 erzielte. Zudem büßte er in der Nationalmannschaft seinen Stammplatz ein.

Bedarf sahen die Bayern vor allem auf den Flügelpositionen, weswegen schließlich Leroy Sané zum Transferziel Nummer eins auserkoren wurde. Ein Deal scheiterte aber bekanntlich aufgrund des Kreuzbandanrisses des ManCity-Angreifers.


Und Werner? Ihn ließen die Münchner lange im Unklaren. Ein klassischer Flügelstürmer ist er eben nicht, entsprechende Experimente in der Nationalelf waren nicht von durchschlagendem Erfolg. Seine Stärken kommen zentral viel besser zur Geltung, wenn er mit Tempo aus der Tiefe kommt. Mit der Rolle als reiner Backup von Robert Lewandowski würde sich Werner auf Dauer auch nicht zufriedengeben.

Werner blüht unter Nagelsmann in neuer Rolle auf

Im Leipzig-Trikot hat Werner aktuell schon 19 Pflichtspieltreffer auf dem Konto – so viele wie in der gesamten Vorsaison. Zu verdanken hat er das auch Trainer Julian Nagelsmann.

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"Er bewegt sich gut, bei mir spielt er ein bisschen tiefer als die letzten Jahre", erklärte der RB-Trainer im ZDF-Sportstudio. "So hat er häufig viel Raum, wo er sein Tempo auf den Platz bringen kann." Mit Yussuf Poulsen hat er zudem einen Sturmpartner, der ihm den nötigen Raum freiräumt.


Nagelsmann: "War der richtige Schritt"

Nachdem das Interesse der Bayern während des Transfersommers abgeebbt war, zog Werner schließlich Ende August selbst einen Schlussstrich unter die Hängepartie und verlängerte seinen Vertrag in Leipzig unter großem Getöse bis 2023. Auch wegen Nagelsmann.

"Ich habe ihm gesagt, dass er noch Entwicklungsfelder hat und dass ich ihm dabei helfen will, dass er noch ein besserer Spieler wird", erklärte Nagelsmann. "Die Entwicklung, die er jetzt im Klub zeigt, ist ein gutes Indiz dafür, dass das der richtige Schritt war."

Ein Wechsel ist in naher Zukunft freilich nicht auszuschließen. "Ich bin 23 Jahre alt", sagte Werner nach seiner Vertragsverlängerung in einem Welt-Interview, "und habe immer noch Zeit, irgendwann den großen Schritt zu einem anderen, noch größeren Verein zu gehen." Das muss dann nicht mehr zwingend der FC Bayern sein. Aber womöglich öffnet sich die Türe in München für Werner doch noch einmal.