Ur-Franke Matthias Egersdörfer: "Reines Hochdeutsch? - Theoretisch wäre das möglich"

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Kabarettist und "Tatort"-Schauspieler Matthias Egersdörfer ist für sein breites Fränkisch bekannt. (Bild: 2015 Getty Images/Christian Marquardt)
Kabarettist und "Tatort"-Schauspieler Matthias Egersdörfer ist für sein breites Fränkisch bekannt. (Bild: 2015 Getty Images/Christian Marquardt)

Aus welcher Region man kommt, ist zuweilen leicht am Zungenschlag erkennbar. So verhält es sich auch beim Kabarettisten und Schauspieler Matthias Egersdörfer, Franke durch und durch. Im Interview mit der Nachrichtenagetur teleschau verriet Egersdörfer nun, wie es um sein Hochdeutsch bestellt ist.

Er ist der Beweis, dass der weiche fränkische Dialekt unglaublich mürrisch klingen kann: Kabarettist und Schauspieler Matthias Egersdörfer gibt auf der Bühne gerne den mies gelaunten Choleriker aus dem Frankenland, und auch bei der Spurensicherung im "Tatort" wird auf fränkisch stoisch gefrotzelt. Geboren in Nürnberg und aufgewachsen in Lauf, lebt er auch heute noch in der Region und wurde in Fürth heimisch. Da darf man ruhig die Frage stellen, ob der 51-Jährige des Hochdeutschen mündlich überhaupt mächtig ist. Dies beantwortete Egersdörfer nun im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. "Reines Hochdeutsch?" wiederholt er die Frage - "Theoretisch ist das vorstellbar."

Zwischen Theorie und Praxis besteht aber bekanntermaßen ein entscheidender Unterschied. Dieser besteht unter anderem im typisch-fränkisch gerollten R, welches im Hochdeutschen schwer abzulegen sei, so Egersdörfer. An einigen markanten Lauten "würde man immer merken, wo ich herkomme", so der fränkische Künstler weiter. "Der Versuch ist letztendlich zwecklos." Sich so einen Dialekt abzutrainieren, ist auch wahrlich kein Zuckerschlecken. Gegenüber der teleschau berichtet Matthias Egersdörfer, ihm sei von Schauspielschülern zu Ohren gekommen, es würde versucht, ihnen "in regelrechten Folterkammern der Sprache den Dialekt abzugewöhnen".

A Draum: Der Kabarettist Matthias Egersdörfer (51) spielt den Mann von der Spusi, Michael Schatz, der im "Franken-Tatort" für den typisch fränkischen trockenen Humor zuständig ist. Auch in "Tatort: Wo ist Mike?" (Sonntag, 16. Mai, 20.15 Uhr). (Bild: BR / Olaf Tiedje)
A Draum: Der Kabarettist Matthias Egersdörfer (51) spielt den Mann von der Spusi, Michael Schatz, der im "Franken-Tatort" für den typisch fränkischen trockenen Humor zuständig ist. Auch in "Tatort: Wo ist Mike?" (Sonntag, 16. Mai, 20.15 Uhr). (Bild: BR / Olaf Tiedje)

" Ich bin froh, dass mir die Streckbank für die Zunge erspart geblieben ist"

Ihm selbst blieb dieses vermeintlich schlimme Schicksal erspart: "Ich habe keine Schauspielschule besucht und bin froh, dass mir die Streckbank für die Zunge erspart geblieben ist", witzelt der Ur-Franke. "Die Einfärbung krieg ich beim besten Willen nicht raus." Diese Feststellung macht Egersdörfer aber überhaupt nichts aus, schließlich wolle er überhaupt nicht dialektfrei daherreden.

Dabei hat der Kabarettist durchaus seine Erfahrung mit dem Hochdeutschen gemacht. "In den 90-ern beim Freien Theater wurde ich für mehrere Rollen zum Hochdeutschen genötigt", berichtet der Kabarettist. "Ich bin grandios daran gescheitert", muss er mit einigen Jahren Abstand konstatieren. Immerhin hat Egersdörfer daraufhin eine klare Entscheidung getroffen, und die ist unmissverständlich: "Hochdeutsch haut nicht hin, ich spreche jetzt im Dialekt."

Im teleschau-Interview erinnert sich Egersdörfer auch an seine Zivildienst-Monate in Hamburg: "Das war wirklich nicht die angenehmste Zeit. Es gab einige heikle Situationen: Leute, die unbedingt meinen Dialekt nachäffen mussten." Da sei "man schon mal schnell im Bereich der Handgreiflichkeit, also fast", so das Franken-Original. "Wenn du in einer Hamburger Bäckerei 'Grüß Gott' sagst, schauen die dich an, als würdest du den Teufel aus der tiefsten Hölle heraufbeschwören. Ich war froh, als die Zeit vorbei war." Kurios aber sei: Wenn er als Kabarettist in Hamburg oder in anderen nordischen Gefilden auftrete, werde er stets sehr freundlich empfangen. "Ich habe auch das Gefühl, dass ich weitgehend verstanden werde", betont Egersdörfer. "Man hat mich in Hamburg - trotz oder wegen meiner Sprache - schon mit einem Preis ausgezeichnet, da hat man mich in Franken noch gar nicht richtig gekannt."

Davon kann sich der geneigte TV-Zuschauer auch im "Tatort: Wo ist Mike?" (Sonntag, 16. Mai, 20.15 Uhr, ARD) wieder überzeugen. Dann schlüpft Egersdörfer wieder in die Rolle des Stoikers Michael Schatz von der Spurensicherung.