Wahlkrimi mit ungewissem Ende - Obama hauchdünn vorn

Wie heißt der nächste US-Präsident? Die Umfrageergebnisse sind so knapp, dass niemand eine Prognose wagt. Obama und sein Herausforderer Romney kämpfen bis zur letzten Minute. Es könnte eine lange Wahlnacht werden - oder noch schlimmer.   

Kopf-an-Kopf-Rennen: Obama und Romney. (Bild: dpa)Hochspannung bis zuletzt: Nach 17 Monaten Wahlkampf-Marathon geht US-Präsident Barack Obama mit hauchdünnem Vorsprung in den Tag der Entscheidung. Weil das Rennen gegen den Republikaner Mitt Romney so knapp ist, richten sich die Amerikaner an diesem Dienstag auf eine lange Wahlnacht ein. Es galt sogar als möglich, dass das Ergebnis erst Tage später feststeht.

   Obama und sein Herausforderer kämpften bis zur letzten Minute um   unentschiedene Wähler in den ausschlaggebenden Bundesstaaten. Bis zum Schluss warf der Präsident dem Republikaner Romney vor, die Lücke zwischen Arm und Reich zugunsten der Wohlhabenden vergrößern zu wollen. Romney beschuldigte den Demokraten angesichts hoher Arbeitslosigkeit und mauer Konjunktur, in der Wirtschaftspolitik völlig versagt zu haben. Schätzungsweise drei Milliarden Dollar (knapp 2,35 Mrd Euro) dürften beide Kandidaten in die als Schicksalswahl beschworene Auseinandersetzung gesteckt haben.

   Noch am Sonntagabend (Ortszeit) sahen die Meinungsforscher nach einem Bericht der «New York Times» den Demokraten Obama mit durchschnittlich 1,3 Prozentpunkten vor Romney. Ausgewertet wurden zwölf frische nationale Umfragen. Eine am Montag veröffentlichte Umfrage ergab US-weit ein Patt von 49 zu 49 Prozent. Allerdings lag Obama in der Mehrzahl der wahlentscheidenden Bundesstaaten - den sogenannten Swing States - vorn, aber meistens nur ganz knapp.

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   Offiziell beginnt der Wahltag um fünf Uhr morgens Ortszeit (11 Uhr MEZ) mit der Öffnung der Wahllokale im Bundesstaat Vermont. Die Bürger von Hawaii und Alaska sind die Schlusslichter. In Alaska sind die Wahllokale von 17 Uhr bis 6 Uhr MEZ (Mittwoch) geöffnet.

   Gewählt wird auch ein neuer Kongress. Zur Wahl stehen das gesamte Abgeordnetenhaus und rund ein Drittel der Senatoren. Es wird erwartet, dass die Republikaner ihre Mehrheit im Repräsentantenhaus behaupten, aber Sitze verlieren. Im Senat dürften die Demokraten ihre Mehrheit knapp behalten.

   Alle Aufmerksamkeit konzentriert sich bei der Präsidentenwahl auf weniger als ein Dutzend Swing States. Romney steht dabei besonders unter Druck: Der 65-Jährige muss mehr dieser Staaten gewinnen als Obama, um den Demokraten aus dem Weißen Haus zu vertreiben.

   Besonders wichtig ist der Schicksalsstaat Ohio: Hier lag Obama nach einer Auswertung des Portals «National Polls» in sieben von acht November-Umfragen vorn - schlecht für Romney, denn noch nie ist ein Republikaner Präsident geworden, der nicht Ohio gewonnen hat.

   In Florida, das ebenfalls als absolutes Muss für Romney gilt, hatte der Herausforderer dagegen mehrheitlich die Nase vorn. Doch die Unsicherheit bei den Voraussagen ist groß. Für Komplikationen sorgte außerdem der große Andrang von Frühwählern in Florida. Teilweise kam es zu Wartezeiten von bis zu sieben Stunden, bevor dann am Samstagabend die Wahllokale bis zum Dienstag geschlossen wurden. Die Demokraten in Florida reichten am Sonntag Klage ein: Sie wollten damit erreichen, dass die Wahllokale am Montag erneut für Frühwähler geöffnet werden. Zunächst wurde das aber nur in einem Bezirk erlaubt.

   Obama und Romney tourten weiter in Rekordtempo durch die Wechsel-Staaten, in denen der Wahlausgang noch völlig offen ist, um sich in letzter Minute die entscheidenden Stimmen zu sichern.

   So rief Romney am Montag (Ortszeit) in Sanford (Florida) die Wähler dazu auf, ihm die Chance zu geben, «das Land in eine bessere Zukunft zu führen». Anschließend reiste der Ex-Gouverneur von Massachusetts nach Virginia und Ohio. Für den Abend war eine letzte Kundgebung in New Hampshire geplant.

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   Obama hatte zum Finale am Montag Auftritte in Wisconsin, Ohio und Iowa auf dem Programm. Mit Iowa verbindet der Präsident besonders glückliche Erinnerungen: 2008 waren die dortigen Vorwahlen der Demokraten Ausgangspunkt für Obamas Triumphzug nach Washington. «Bei dieser Wahl geht es nicht nur um politische Programme. Es geht auch um Vertrauen», rief Obama in Madison (Wisconsin) Anhängern zu. «Ihr wisst, wo ich stehe, und Ihr wisst, an was sich glaube. Ihr wisst, dass ich die Wahrheit sage.»

   Bereits zuvor hatte sich der Präsident via Twitter an die Wähler gewandt: «Nach allem, was wir gemeinsam bewältigt haben, können wir jetzt nicht aufhören. Wir müssen zusammenkommen und Amerika mehr Wandel bringen.»

   Den Wahltag am Dienstag wird der 51-Jährige nach Angaben des Weißen Hauses in seiner Heimatstadt Chicago verbringen. Romney (65) wollte sich in seiner Wahlheimat Boston aufhalten und dort bereits am frühen Morgen wählen gehen. Obama hatte die Möglichkeit der Frühwahl genutzt und bereits im Oktober seine Stimme in Chicago abgegeben.

   Sorge bereiteten weiterhin die Auswirkungen des Wirbelsturms «Sandy»: In einigen Wahllokalen im schwer betroffenen New York könnte es auch am Dienstag noch keinen Strom geben. Dann soll dort in Zelten oder in Containern gewählt werden, die die Armee bereitstellen will.

dpa


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