Weidel unterstellt Verfassungsgericht Abhängigkeit vom Kanzleramt

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Als "sehr solides" Ergebnis bewertete AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel das Abschneiden ihrer Partei bei der Bundestagswahl. Nichtsdestotrotz ätzte die Politikerin bei der ARD gegen den Moderator und gegen das Bundesverfassungsgericht. Für ihre Aussagen erntet sie im Netz viel Spott.

Alice Weidel unterstellte dem Verfassungsgericht Abhängigkeit vom Kanzleramt (Bild: Adam Berry/Getty Images)
Alice Weidel unterstellte dem Verfassungsgericht Abhängigkeit vom Kanzleramt (Bild: Adam Berry/Getty Images)

War die AfD bei der vergangenen Bundestagswahl noch drittstärkste Partei, ist nun sogar der vierte Platz fraglich. Alice Weidel gab sich im Gespräch mit Moderator Ingo Zamperoni bei der ARD dennoch zufrieden. Die AfD habe zweistellig abgeschnitten und sei allen Unkenrufen zum Trotz nicht aus dem Bundestag heraus gewählt worden, sagte Weidel nach der Bundestagswahl. "Um uns wird man nicht mehr drumherumkommen", gab sich Weidel selbstbewusst. Worauf der ARD-Moderator entgegnete: "Naja, man wird schon um Sie herumkommen, weil man Sie nicht für eine Koalition in Betracht zieht."

Hat die AfD aufs falsche Pferd gesetzt, wollte Zamperoni wissen. Nicht, wenn es nach Alice Weidel geht. Denn die Co-Fraktionsvorsitzende der AfD im Bundestag hatte den Schuldigen woanders gefunden. "Es gab eine ganz klare Wettbewerbsverzerrung in diesem Wahlkampf", behauptete sie. Man habe "die Grünen medial nach oben gejuxt" und einen "Drei-Parteien-Wahlkampf gemacht", so die AfD-Politikerin. Und hier hörte Weidel mit ihren Anschuldigungen noch lange nicht auf. 

"Die gehen dann im Kanzleramt zu Abend essen"

"Wir halten die Corona-Maßnahmen für verfassungswidrig, für grundgesetzwidrig – und so machen wir Politik", sagte Alice Weidel. "Obwohl alle Anträge in Karlsruhe abgelehnt wurden?", entgegnete Moderator Zamperoni. "Ja, genau, die Karlsruher. Die gehen dann im Kanzleramt zu Abend essen", behauptete Weidel. "Und dementsprechend haben wir da vielleicht eine gewisse Abhängigkeit, so genau weiß man das nicht."

Für ihre Aussagen wurde die AfD-Politikerin auf Twitter scharf kritisiert. 

"Alice Weidel sagte gerade in der ARD über das Verfassungsgericht, Karlsruhe gehe 'im Kanzleramt zum Abendessen'. Zweifelt noch irgendwer an der Demokratiefeindlichkeit, wenn man sich so über das höchste unabhängige Verfassungsorgan der Justiz so äußert?", schrieb ein User empört. 

Ein Weiterer schrieb: "Wie krank ist die Weidel eigentlich? Stellt sich bei der ARD hin und lehnt mit ihrem Ekelgrinsen ganz offen unser Bundesverfassungsgericht ab."

Dass Moderator Zamperoni Weidel die Stirn bot, kam im Netz dagegen sehr gut an: 

"Ich muss mal kurz Herrn Zamperoni danken, weil er Alice Weidel nicht ausreden lässt und alles sofort korrigiert. Stellt sie mal eben nebenbei das BVerfG in Frage, ich kann nicht mehr", twitterte eine Nutzerin.

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"Ich wünschte mir, dass mehr Interviewer Alice Weidel so gut gelaunt und souverän widersprächen wie hier Ingo Zamperoni", fand auch Journalist Stefan Niggemeier. 

"Zucker: Der Zorn von Weidel, bei Auftritt in der @ARDde, weil sie korrigiert und ihre Falschaussagen im Live-TV journalistisch sauber eingeordnet werden", schlussfolgerte der freie Journalist Michael Trammer.

Dass sich die AfD-Fraktionsvorsitzende vom ARD-Moderator auf den Schlips getreten fühlte, ließ sie ihn allerdings auch spüren: "Sie haben eben auch gesagt, mit der AfD will niemand koalieren.“ Zamperoni entgegnete "Das sind nicht meine Worte, das sind die anderen Parteien.“ Weidel ätzte: "Ja, Sie freuen sich ja auch richtig.“ Zamperoni: "Sie sind genauso freundlich.“

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