Wer ist Wladimir Putin: Der russische Präsident im Porträt

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Wladimir Putin, Präsident von Russland, regiert das Land seit 22 Jahren. Doch nie waren die Augen der Welt so sehr auf ihn gerichtet wie seit der russischen Invasion der Ukraine, der den Konflikt eskalieren ließ. Wer ist der Mann, der Krieg zurück nach Europa brachte?

Kinder, Karriere, Vermögen: Wer ist Wladimir Putin? (Bild: Adam Berry/Getty Images)
Kinder, Karriere, Vermögen: Wer ist Wladimir Putin? (Bild: Adam Berry/Getty Images)
  • Wladimir Putin arbeitete 15 Jahre lang für den KGB, vier davon in Deutschland

  • Putin wurde Nachfolger von Präsident Boris Jelzin

  • Als russischer Präsident brachte er das Land, seine Institutionen und Menschenrechte immer mehr in seine Gewalt

  • Wladimir Putin trennte sich 2014 von seiner Ehefrau Ljudmila

  • Offiziell hat Wladimir Putin zwei Kinder, es wird aber über bis zu vier weitere, uneheliche Kinder spekuliert

  • Experten schätzen Putins Vermögen auf bis zu 200 Millionen Dollar

So zentral die Rolle ist, die Wladimir Putin in der Weltgeschichte seit über zwei Jahrzehnten einnimmt, so wenig ist doch über den russischen Präsidenten bekannt. Was er vorhat, was er will, wer seine Vertrauten sind, wo seine Kinder sind – nichts davon scheint gewiss. Hier dennoch ein Überblick, was über Putin und seine Biografie bekannt ist – und was Experten vermuten.

Wladimir Putin: Steckbrief

  • Name: Wladimir Wladimirowitsch Putin

  • Geburtstag: 7. Oktober 1952

  • Alter: 69

  • Geburtsort: Leningrad, heute St. Petersburg

  • Größe: 170 cm

  • Ehepartner: Ljudmila Schkrebnewa (geschieden)

  • Kinder: offiziell zwei Töchter, Gerüchten nach drei bis vier weitere Kinder

Der junge Wladimir Putin startete seine Karriere beim KGB

Wladimir Wladimirowitch Putin wurde 1952 im ehemaligen Leningrad der Sowjetunion – das heutige St. Petersburg – geboren. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie und wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Großvater, so behauptete Putin selbst, war Koch für Lenin und Stalin gewesen.

Als Kind wuchs nach offiziellen Angaben sein Interesse an Kampfsport – er soll den schwarzen Gürtel in Judo haben – wie auch der Wunsch, sich dem russischen Geheimdienst KGB als Spion anzuschließen.

Der Wladimir Putin als junger Schüler im Jahr 1966 (Bild: Laski Diffusion)
Der Wladimir Putin als junger Schüler im Jahr 1966 (Bild: Laski Diffusion)

Nach einem Jurastudium an der Universität Leningrad machte er dieses Vorhaben wahr und arbeitete insgesamt 15 Jahre für den KGB. Mehrere Jahre davon verbrachte Putin, der fließend deutsch spricht, in der DDR: Von 1985 bis kurz nach der Wende lebte er zusammen mit Frau und Kindern in Dresden, während er für den KGB Auslandsspionage betrieb. Später sollte Putin behaupten, dass seine Dresdner Jahre zu seinen schönsten gehört haben.

Wladimir Putins politische Karriere: Der zweite Präsident der Russischen Förderation

1990 wurde Wladimir Putin zurück in die UdSSR beordert. In St. Petersburg arbeitete er zunächst als Rektor der dortigen Hochschule, bevor er seine politische Karriere als Berater von Anatoli Sobtschak wurde, Putins ehemaliger Professor und erster demokratisch gewählter Bürgermeister St. Petersburgs. Bis 1994 hatte er es zum Vizebürgermeister geschafft und zog zwei Jahre später nach Moskau.

Unter dem damaligen Präsidenten Boris Jelzin arbeitete er sich im Kreml immer weiter hoch, vom stellvertretenden Leiter der Liegenschaftsverwaltung bis zum stellvertretenden Chef der Präsidialverwaltung. 1999 ernannte Jelzin, der bereits nach einem Nachfolger suchte, Wladimir Putin zum Ministerpräsidenten.

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Obwohl bis dahin noch kaum bekannt, erlangte Putin schnell Ansehen beim russischen Volk. Mit seiner kühlen, kalkulierenden Art war er ein willkommener Kontrast zu Jelzins Unberechenbarkeit. Zudem gewann er mit einem harten Militärschlag gegen tschetschenische Rebellen Vertrauen.

Als Jelzin im Dezember 1999 überraschend zurücktrat, war der Weg für Putin offen: Er übernahm das Präsidialamt, bis neue Wahlen stattfinden konnten. Diese Zeit nutzte er, um Umbesetzungen in der Regierung vorzunehmen. Die Wahl im März 2000 gewann er mit 52,9 Prozent und wurde der zweite Präsident Russlands.

Wladimir Putin: Russland ist fest in seiner Hand

In den vergangenen zwei Jahrzehnten brachte Wladimir Putin Russland immer mehr unter seine Kontrolle, indem er das Justizsystem, die Medien und andere Institutionen des Landes nach einem eigenen Gusto umgestaltete. Er baute das Militär aus, brachte oppositionelle Politiker, kritische Journalisten und andere Gegner ins Gefängnis und verschaffte sich die Unterstützung nationalistischer Gruppierungen.

Auch andere Kritik an seinem Regime untergrub er, indem er Meinungsfreiheit und Presserecht immer weiter einschränkte. Auch andere Menschenrechte haben unter Putin gelitten: Mit dem Gesetz gegen “homosexuelle Propaganda” kappte er LGBTQ-Rechte extrem.

Dass er seine Macht über das Land wieder hergibt, scheint unmöglich. Selbst als zwischen 2008 und 2012 Dmitri Medwedew Präsident und Putin Ministerpräsident war, hatten Politexperten keinen Zweifel, dass weiterhin Putin die Geschäfte im Kreml führte. Zurück in der Präsidentschaft änderte Putin schließlich das Grundgesetz, sodass er bis 2036 im Amt bleiben kann – womöglich auch noch länger. Welche Folgen eine derartige Übermacht haben kann, zeigt nicht zuletzt der aktuelle Krieg in der Ukraine, den Putin mit seiner Invasion im Februar 2022 angezettelt hat.

Wladimir Putin privat: Was man über Familie und Kinder weiß

Der Ukraine-Konflikt rückte Wladimir Putin selbst ins Rampenlicht und damit auch wenig bekannte Fragen und Fakten – so wie seine Familie. Viel ist über Putins familiäre Situation jedoch nicht bekannt. Von 1983 bis 2014 war er mit Ljudmila Schkrebnewa verheiratet, die ihn nach Dresden begleitet hatte und während seines politischen Aufstiegs an seiner Seite war. Zusammen haben die beiden zwei Töchter, Katerina Tichonowa und Maria Woronzowa.

Mit Exfrau Ljudmila hat Wladimir Putin zwei Kinder (Photo by Sasha Mordovets/Getty Images)
Mit Exfrau Ljudmila hat Wladimir Putin zwei Kinder (Photo by Sasha Mordovets/Getty Images)

Es wird spekuliert, dass Putin weitere, uneheliche Kinder hat, beispielsweise mit seiner langjährigen Geliebten Alina Kabajewa, doch bestätigt ist dies nicht. Diverse Gerüchte besagen, dass Kabajewa 2015 Zwillingstöchter zur Welt brachte, auch von zwei Jungen ist immer wieder die Rede. Befeuert wurden diese Spekulationen durch einen Bericht von “Page Six”, in dem Insider-Quellen behaupteten, dass Putins Geliebte sich mit den vier Kindern in der Schweiz befindet, um während des Ukraine-Kriegs in Sicherheit zu sein.

Vermögen: Wie reich ist Wladimir Putin?

Ebenso wenig wie über Privates und Kinder ist über das Vermögen von Wladimir Putin bekannt. Elon Musk, der derzeit offiziell reichste Mensch der Welt, verwies in einem Gespräch mit Axel-Springer-Chefs Mathias Döpfner einst auf Putin und meinte, dieser habe mehr Geld als er selbst.

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Tatsächlich schätzen Experten das Vermögen des russischen Präsidenten auf irgendwo zwischen 40 und 200 Milliarden Dollar. Unter anderem hatte US-Investor und Russland-Kenner Bill Browder 2017 vor dem US-Senat ausgesagt, dass Putin seines Wissens nach mindestens 200 Milliarden in Form von Immobilien und Aktien besitze. Diese Gelder sollen von Oligarchen stammen, die Putin unter Androhung von Gefängnis oder anderen Strafen Firmenanteile oder Besitztümer überlassen haben sollen.

Bestätigt ist nichts hiervon. Die Regierung spricht offiziell lediglich von einem Jahreseinkommen von 140.000 Dollar und einer 800 Quadratmeter großen Eigentumswohnung in St. Petersburg.

Ganz der ehemalige KGB-Mann, lässt sich Putin nicht in die Karten schauen – weder, was seine Familie und Kinder betrifft noch sein Vermögen. Auch über seine Ziele ist wenig bekannt. Selbst Russland- oder Putin-Kenner zeigten sich zu Beginn des Ukraine-Konflikts ratlos darüber, was Putins Pläne sind. Um das herauszufinden, muss wohl noch mehr Geschichte vergehen.

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