"Wir fordern einen Todesstern!" – das sind einige der verrücktesten Online-Petitionen

Mit einem Klick kann man seine Stimme ab für eine Online-Petition abgeben. Oft ist das für eine gute Sache, die die Welt ein Stückchen besser macht. Manchmal aber auch für scharfen Senf.. Foto: Symbolbild / gettyimages / Daniel Sambraus / EyeEm

Hier tummeln sich Weltverbesserer neben Planetenzerstörern, Legoland-Liebende neben Ronald McDonald-Hassern. Auf change.org kann jeder seine Stimme geben, für sinnvolle und weniger sinnvolle Petitionen.

Change.org ist nach eigenen Angaben die größte Kampagnenplattform der Welt. Hier können sich 250 Millionen Nutzer mit einem Klick engagieren. Barrierefreier Aktivismus sozusagen. Dabei geht es oft um mehr Schutz für die Demokratie, bessere gesellschaftliche Inklusion oder bezahlbares Wohnen. Das „auf Gemeinwohl ausgerichtete Sozialunternehmen“ change.org möchte den Nutzern eine Möglichkeit bieten, sich für die Welt einzusetzen, in der sie leben möchten. So fasst es zumindest Wikipedia zusammen. Doch neben den Weltverbesserern, finden auf change.org auch immer wieder krude bis verrückte Petitionen zahlreiche Unterstützer. Einige davon haben wir hier zusammengestellt.

Zu teuer, zu unpraktisch

Eine der finanziell erfolgreichsten und auf die Popkultur einflussreichsten Filmreihen ist „Star Wars“. Sie hat das Science-Fiction-Genre von Grund auf geändert und bringt bis heute neue Franchise-Blockbuster hervor. Dabei hat es ein Element, noch aus der Ursprungs-Trilogie, in eine Online-Petition geschafft: der Todesstern. Er ist eine Waffe von der Größe eines Mondes, der, trotz bekannter Konstruktions-Fehler, ganze Planeten zerstören konnte.

Einige Fans fanden den Gedanken so erstrebenswert, dass sie einen eigenen Todesstern bauen wollten und dafür eine Petition starteten. Sie fanden über 35.000 Unterstützer. Bauherr hätte übrigens das Weiße Haus, und damit die amerikanische Regierung um Barack Obama, sein sollen. Doch die entschied sich dagegen. Auf „therichest“ wird sie mit folgenden Gründen zitiert: Weil sie einerseits nicht das Bedürfnis habe, Planeten zu zerstören und andererseits die ungefähren Kosten von 850 Billiarden Dollar das Projekt „unpraktisch“ machten.

Diese Petition gab es sogar zweimal, einmal auf change.org und einmal auf „We The People“, einem Digitalkanal des Weißen Hauses für mehr Bürgerbeteiligung.

Ich bin, was ich esse

Viele Amerikaner treibt ihr geliebtes Fast Food um – es ist ein hochheiliges Gut, das bewahrt werden muss. So gibt es auch unzählige Petitionen dazu. Ein Nutzer etwa möchte Ronald McDonald in Rente schicken, weil er mit seiner hinterhältigen Art Kinder in die Fettleibigkeit treibe und für Herzerkrankungen sorge.

Ein anderer Nutzer fordert eindringlich, dass McDonald’s sofort wieder seinen scharfen Senf verkaufe. Immerhin habe er seine Chicken Nuggets 29 Jahre lang damit gegessen – ohne gingen die einfach nicht runter.

Ein weiterer Food-Aktivist sucht Unterstützer dafür, dass die „Frito Lay“-Riffelchips mit der Geschmackssorte „Sour Cream ‘N’ Bacon“ auch in Amerika verkauft werden – und nicht, wie bisher, nur in Kanada.

Als die „Twinkies“, das sind süße Milchküchlein, vom Markt verschwanden, weil der Hersteller pleiteging, war der Aufschrei groß. Eine Petition forderte daraufhin, dass die Twinkies zum Kulturgut erhoben werden, damit sie weiterhin verkauft werden können.

DC oder Marvel: Kann es nur ein Universum geben?

Star Wars polarisiert kaum (zumindest die originalen Filme), sondern begeistert mehrheitlich die Fans. Ganz anders, so schreibt es „TheThings“, bei der nächsten Petition: Es geht um den immerwährenden Kampf zwischen den beiden Comic-Universen DC und Marvel. Beide verfilmen fleißig ihre Helden, doch Marvel ist weitaus erfolgreicher. An den Kinokassen und bei den Kritikern. Vor allem auf einer Seite mit dem Namen „Rotten Tomatoes“ zeigt sich das. Weil die Community, die darauf Filme bewertet, anscheinend eine kleine Antipathie gegen DC hegt, wollte wiederum eine Petition von DC-Fans Rotten Tomatoes abschalten. Und tatsächlich unterstützen Zehntausende das Vorhaben.

Doch RT blieb online. Und nicht nur das: Fast gleichzeitig gab es eine zweite Petition, die Unterschriften zu dem Zweck sammelte, den „Idioten, die für die andere Petition verantwortlich sind“, das Internet wegzunehmen. Doch auch diese Petition erreichte nicht ihr ausgegebenes Ziel.

Shrek auf den Stars and Stripes?

Eine ältere Petition, die vor einigen Wochen wieder Fahrt aufgenommen hat, wurde von „Shrek Forever“ eingebracht. Wie der Nutzername vermuten lässt, handelt es sich dabei um einen Fan des animierten Sumpfogers. Er schlägt vor, den schnöden Adler auf der Amerika-Flagge durch – na klar – Shrek zu ersetzen. „Die Amerikaner verdienen mehr als dieses Vögelchen, sie verdienen als Symbol einen erfolgreichen Freigeist wie Shrek. Denn er ist der Inbegriff des ‚American Dream‘. Außerdem steht er für wahrhaftige Diversität, denn er ist nicht weiß, nicht schwarz, nicht asiatisch, nein, er ist grün. Daher flehe ich euch an, liebe Amerikaner: Macht dieses Land wieder so groß, wie es die Werte sind, für die es steht.“ Sein Flehen wird von vielen erhöht, aktuell von knapp 60.000 Unterzeichnern. Adressiert ist die Petition übrigens an einen gewissen Donald J. Trump.

Von Kopf bis Fuß

Kopf und Schultern – nur da wirkt laut Werbeversprechen „head & shoulders“. Aber bleibt mit diesem begrenzten Anwendungsbereich nicht sehr viel ungenutzte Körperfläche zurück? Das muss nicht sein! Dachte sich zumindest Brandon Craine und startete laut der Boulevard-Seite „ourcommunitynow“ eine Petition.

Er möchte, dass der Hersteller von head & shoulders, das ist Procter & Gamble, endlich damit aufhört, die untere Körperhälfte von der täglichen Hygiene auszugrenzen. Craine schreibt: „Die Ungerechtigkeit, dass wir zwar das Produkt ‚head & shoulders‘ haben, nicht aber ‚knee & toes‘ (Knie & Zehen) hat lange genug vorgeherrscht.“

Und das ist nur der Beginn seiner Badezimmer-Revolution, denn Craine fordert darüber hinaus vom Hersteller auch eine Seife für Augen, Nase, Mund und Ohren („Eyes & Ears & Mouth & Nose-Face Wash“).

Wer hat’s erfunden?

Dänemark – laut change.org steckt das skandinavische Land in einer Identitätskrise. Wie sonst kann es verstanden werden, dass sich Frederick Engelhardt, er hat die Petition eingebracht, für einen neuen Namen starkmacht? Und mit seinem speziellen Vorschlag auch schon fast 400 Unterstützer gefunden hat: Er schreibt, bei Ländern wie Island oder Grönland wisse man, wofür sie stehen. Für Eis und Grün nämlich. Doch was sei bitte die Identität von Dänemark? Weil er keine Antwort darauf weiß, möchte er den Namen ändern – und zwar in die größte Erfindung des Landes: „Legoland Parks“. Damit man endlich wissen, wofür das Land, ehemals Dänemark, stehe.

Schluss mit dem ganzen Unsinn

Es gibt – zuletzt – sogar eine Petition, um all die anderen Petitionen zu stoppen. Das konkrete Ziel lautet: „Shut down change.org“ („nehmt change.org vom Netz“). Der Beweggrund des anonymen Initiators, er nennt sich selbst „John Doe“, klingt laut ourcommunitynow so: „Ich habe die Schnauze voll von all den Petitionen, die ständig für oder gegen jede noch so kleine Kleinigkeit gestartet werden.“ Damit erreichte John Doe allerdings nur sechs Unterstützer.