Afghanistan: Taliban schließen Frauen von Universitäten aus

·Lesedauer: 3 Min.
Junge Frauen demonstrieren am 20. September in Herat für ihr Recht auf Bildung (Bild: Stringer/Anadolu Agency via Getty Images)
Junge Frauen demonstrieren am 20. September in Herat für ihr Recht auf Bildung (Bild: Stringer/Anadolu Agency via Getty Images)

Ein weiterer Rückschlag für Frauenrechte unter dem Taliban-Regime in Afghanistan: Nachdem seit fast zwei Wochen Mädchen der Unterricht an weiterführenden Schulen verwehrt wird, werden nun auch Studentinnen sowie Dozentinnen von den öffentlichen Universitäten ausgeschlossen - angeblich nur vorübergehend, doch viele fürchten ein dauerhaftes Verbot durch die Hintertür.

Nachdem in dieser Woche der Betrieb an der Universität Kabul fast ganz ausgesetzt wurde, dürfen am Montag nur männliche Studenten und Mitarbeiter zurückkehren, wie unter anderem die "Washington Post" berichtet. Für Frauen sei dies nach Angaben der Taliban erst wieder möglich, wenn die Trennung der Geschlechter garantiert werden könne. Es werde an einem "umfassenden Plan, um eine friedliche Umgebung für Studentinnen zu ermöglichen" gearbeitet, sagte ein Sprecher der Machthaber der Zeitung. Einen Zeitrahmen nannte er dabei nicht.

Die Taliban hatten nach ihrer Machtübernahme Mitte August bereits nach Geschlechtern getrennten Unterricht an den Universitäten angeordnet. Einige private Hochschulen behalfen sich zunächst etwa mit der Abteilung der Hörsäle durch Vorhänge, Männer und Frauen mussten die Gebäude zu unterschiedlichen Zeiten betreten und verlassen. Doch die Anforderungen der Taliban gingen eigentlich schon von Anfang an weiter, so sollten Frauen nur von anderen Frauen oder alten Männern unterrichtet werden. Kritiker befürchten dadurch einen Engpass an Lehrpersonal. 

Getrennter Unterricht an einer privaten Uni in Kabul Anfang September (Bild: Aamir QURESHI / AFP)
Getrennter Unterricht an einer privaten Uni in Kabul Anfang September (Bild: Aamir QURESHI / AFP)

Studentinnen zeigen sich besorgt: "Ich hatte viele Pläne für meine Zukunft, aber man sagt uns nicht, wann sich die Türen für uns wieder öffnen", zitiert die "Washington Post" eine junge Frau. Denn trotz aller Versicherungen der Taliban besteht die Gefahr, dass der Uni-Ausschluss und andere angeblich vorläufige Verbote für Frauen zum Dauerzustand werden. Auch bei ihrer ersten Machtübernahme Mitte der 1990er machten die Taliban ähnliche Ankündigungen, doch letztlich hatten Frauen und Mädchen während ihrer gesamte Herrschaft keinen Zugang zu Bildung. Nun zeichnet sich ein ähnliches Bild ab.

Bereits kurz nach der erneuten Einnahme Kabuls verboten die Taliban allen Frauen, zur Arbeit zu kommen, angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit. Nur die wenigsten konnten seitdem an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, etwa im Gesundheitssektor. Stattdessen werden in immer mehr Betrieben und öffentlichen Einrichtungen Fakten geschaffen und sämtliche Frauen entlassen. Vor knapp zwei Wochen wurden die weiterführenden Schulen ab der siebten Klasse lediglich für männliche Schüler und Lehrer wieder geöffnet, hier lautete die Begründung, dass ein “sicheres Transportsystem” für den Schulweg geschaffen werden müsse. Für Mädchen sind bislang nur die Grundschulen bis zur sechsten Klasse geöffnet.

Von einer bewussten Hinhaltetaktik geht etwa der Journalist Natiq Malikzada aus. In einem Twitter-Thread berichtet er unter Berufung auf Insider, dass die Taliban in der Frage der Bildung für Frauen und Mädchen tief gespalten seien, einige Fraktionen würden sie vehement ablehnten. Trotz aller Bemühungen um ein besseres Image vor der Weltgemeinschaft sei der Taliban-Führung das Thema wiederum keine inneren Verwerfungen wert. Darum würde man sich zwar auf den internationalen Druck hin zur Schulbildung für Mädchen bekennen, aber ansonsten die Angelegenheit schlicht weiter auf sich beruhen lassen. Den Preis für diesen Burgfrieden zahlen die Frauen.

Video: Taliban treiben Demonstrantinnen mit Schüssen auseinander

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.