Aus Luft Benzin gewinnen

Eine kleine britische Firma hat eine Technologie entwickelt, die sich fast zu gut anhört, um wahr zu sein: Sie soll Benzin aus Luft herstellen. Eine britische Ingenieursgesellschaft spricht von einem Durchbruch im Kampf gegen den Klimawandel. Bisher hat die Firma in Nordengland fünf Liter Benzin gewinnen können.

Das Rezept, das die Welt verändern soll, lässt sich in einem Absatz zusammenfassen: Man nehme Natriumhydroxid und mische es mit CO2, gewonnen aus Luft. Das entstandene Natriumkarbonat verwandle man per Elektrolyse in reines Kohlenstoffdioxyd. Dann spalte man Wasserstoff durch Elektrolyse aus Wasserdampf ab und mixe ihn mit dem CO2, um Methanol zu gewinnen. Das Ganze wandert in einen Reaktor und heraus kommt: Benzin.

Dieses Rezept erregte auf einer Konferenz von Ingenieuren in London in dieser Woche gewaltiges Aufsehen. Mit ihm will die kleine Firma Air Fuel Synthesis die Herstellung von Benzin revolutionieren, wie die Zeitung The Telegraph berichtet. „Es klingt zu gut, um wahr zu sein, aber es ist wahr“, sagte Dr. Tim Fox, Energie- und Umweltchef der Institution of Mechanical Engineers. „Air capture technology hat letztlich das Potenzial, der Durchbruch in unserem Kampf gegen den Klimawandel zu sein.“ Und Stephen Tetlow, der Chef der Ingenieursgesellschaft, hält das Verfahren für bahnbrechend. „Damit können wir möglicherweise unsere Abhängigkeit vom zunehmend unberechenbaren globalen Energiemarkt verringern.“ Besonders spannend sei, dass sich mit der Technologie nachhaltig verschiedene Arten von Treibstoff herstellen lassen, auch Kerosin für Flugzeuge.

Die neue Technologie steckt allerdings in den Kinderschuhen. In den vergangenen drei Monaten habe die kleine Raffinerie in Stockton-on-Tees fünf Liter Benzin produziert, erklärte die Firma. Es könne in jeden normalen Benzintank gefüllt werden. Und es wäre „vollkommen CO2-neutral“ – allerdings nur, wenn der Strom für die Herstellung aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt werde.

Das Projekt wurde in den vergangenen zwei Jahren entwickelt und mit 1,1 Millionen Britischen Pfund von einem anonymen Philanthropen finanziert. Die Betreiber glauben, die Technologie könne ein lukrativer Weg sein, erneuerbare Energie zu erzeugen. Die großen Ölfirmen sind bisher nicht so euphorisch.

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Air Fuel Synthesis hofft, innerhalb der kommenden zwei Jahre eine große Fabrik zu bauen, die mehr als eine Tonne Benzin pro Tag produzieren könnte. „Wir denken, dass wir bis Ende 2014 – falls wir die Finanzierung hinbekommen – Benzin durch erneuerbare Energien und auf einer ökonomisch soliden Basis herstellen können“, sagte der Firmenchef Peter Harrison gegenüber der Zeitung The Independent. Die Technologie sei ideal für abgelegene Gemeinden, die Solar- oder Windenergie im Überfluss haben, aber sie nicht speichern können.

Bisher ist das Gewinnen von CO2 aus Luft oder industriellen Quellen noch zu kostspielig, um sich zu rentieren. Eine Tonne CO2 aufzufangen kostet bis zu 500 Euro. Die Kosten neuer Technologien würden aber immer dramatischer fallen, sagte Professor Klaus Lackner von der Columbia University in New York gegenüber dem Independent. „Ich kaufte meine erste CD in den achtziger Jahren für 20 Dollar, und jetzt kann man eine für weniger als 10 Cent herstellen. Die Kosten von Glühbirnen sind im Laufe des vergangenen Jahrhunderts um das 7000-fache gefallen.“















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