Kommentar: Berlin feiert zukünftig Frauen – aber reicht das?

Demo zum Internationalen Frauentag 2018 in Berlin (Bild: Getty Images)

Berlin hat bundesweit die wenigsten Feiertage. Also bekommt es einen neuen und das ist der Internationale Frauentag am 8. März. Wie jede Veränderung bringt auch diese Fragen und Kritik mit sich.

Der angehende Jurist Dominik Bayer hat vor kurzem gegen Frauenparkplätze geklagt. Seine Begründung ist, er würde sich diskriminiert fühlen. Daher ist es vorstellbar, dass irgendein Mann im Land sich auch durch den Frauentag diskriminiert fühlt, schließlich gibt es jetzt den Muttertag und den Frauentag, während Christi Himmelfahrt als Vatertag und Herrentag hinhalten muss.

Dabei ist es die Teilung in Frauen- und Muttertag elementar, um Geschlechterklischees aufzubrechen. In dem Fall das Klischee, Frauen und Mütter gleichzusetzen. Nicht jede Frau ist eine Mutter, kann eine Mutter werden oder möchte eine Mutter sein. Daher sollten Frauen, die keine Mütter sind, an einem anderen Tag geehrt werden. Natürlich macht der Feiertag in Berlin auch Sinn, da ungefähr die Hälfte der Bewohner*innen weiblich ist.

Feminismus im Trend

Hinzu kommt, dass es ein feministischer Akt ist, den Frauentag als Feiertag einzuführen und Feminismus ist momentan ziemlich angesagt. In den Medien bezeichnen sich Menschen als Feminist*innen, andere machen aus dem Feminismus einen Modetrend und lassen dementsprechend T-Shirts mit feministischen Slogans zieren. Also wird die Mehrheit doch ganz erfreut über den neuen Feiertag sein.

Jedoch habe ich auch meine Befürchtungen hinsichtlich des Frauentags. Wird man sich mit dem symbolischen Akt zufriedengeben oder wird es auch Veränderungen zugunsten von Gerechtigkeit und Gleichheit zwischen Männer und Frauen an den anderen 364 Tagen im Jahr geben? Wie wird so ein freier Tag gestaltet werden, wird es ein Sektfrühstück geben und im Anschluss schaut man sich im Bett eine Netflix-Sendung an oder wird man mit Familien und Freund*innen Gespräche führen, die unsere Vorstellungen vom guten Leben betreffen?

Sektfrühstück statt Protest – sieht so der offiziell gemachte Frauentag aus?

Ein Problem, was sich durch diesen Feiertag deutlich macht, ist die der Vorstellung einer binären Geschlechterordnung. Mann oder Frau, eine andere Geschlechtsidentität ist nicht vorgesehen, zumindest wenn es um die Feiertage geht.

Muslime und Juden sind weiter benachteiligt

Was die religiösen Feiertage angeht, gibt es immer noch einen Mangel. Es gibt weiterhin nur christliche Feiertage. Möchte man mit Feiertagen auch die Berliner*innen repräsentieren, ist dies einer multireligiösen Stadt wie Berlin nicht würdig. Es ist wünschenswert, dass auch ein muslimischer oder jüdischer Feiertag eingeführt wird. Dadurch würde man ein Zeichen gegen anti-muslimischen Rassismus und Antisemitismus setzen. Es gibt aber auch ganz pragmatische Gründe dafür.

An den jüdischen und muslimischen Feiertagen können sich zwar beispielsweise Schüler*innen beurlauben lassen, jedoch sieht es bei den Lehrkräften anders aus. Es gibt einen sogenannten Bögertag, der es einem erlaubt einen Tag im Jahr frei zunehmen, jedoch gibt es mehr als einen religiösen Feiertag in den beiden monotheistischen Religionen. Jeder weitere freie Tag ist somit ein unbezahlter Arbeitstag. Hinzu kommt, dass diese Regelung für Referendar*innen nicht gilt. Möchte man mehr Lehrer mit Migrationshintergrund im Bildungssystem haben, wie so oft betont wird, dann sollte man sie und ihre Bedürfnisse im System berücksichtigen.

Ein weitere religiöser Feiertag ist auch sinnvoll, um den Dialog zwischen den Religionsangehörigen und allen anderen zu stärken sowie den Einwohner*innen Berlins gerecht zu werden.

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