Das Finale von Sylvies Dessous Models: "Die zufällig gestellte Realität"

Johannes Giesler
Freier Autor
Sylvie Meis suchte immerhin drei Episoden lang ihr persönliches Supermodel. (Bild: MG RTL D)

Nach drei Sendungen ist der Spuk wieder vorbei! Dabei ist das Finale von “Sylvies Dessous Models” pickepackevoll mit Tränen, Entscheidungen und Wettbewerb. Also alles, was das Genre wie die Luft zum Atmen braucht. Die Folge hat dann auch Zug, Drama und eine strahlende Siegerin am Ende. Nur: Es interessiert niemanden.

“Liebe Girls”, sagt Sylvie Meis gleich zu Beginn der Sendung, “ich bin nicht ohne Grund hier. Packt eure Koffer, wir fliegen nach Ibiza. Es ist Finale!”

Und die Girls können ihr Glück kaum fassen, schließlich geht es auf die balearische Partyinsel der Schönen und Reichen, für eine letzte Challenge, einen Yachtausflug und eine Riiiieeesen-Überraschung. Die angehenden Models rufen: “Oh mein Gott, voll die Gänsehaut.”

Es gibt sogar noch ein Bonbon, denn eine der Frauen macht an Sylvies Seite vorher noch einen Abstecher im Privatjet. Die Wahl fällt auf Graziella, das Küken der Show. Sie darf Sylvie zum Red Carpet des DKMS Dreamball begleiten. Da ist Sylvie seit 2009 Schirmherrin. Die Organisation unterstützt Frauen mit Krebsleiden unter anderem darin, sich auch während der Therapie schön zu fühlen. Sylvie erinnert sich an ihre Krankheit. “Ich bin immer zur Chemo gegangen auf High Heels. Fragt mich nicht wieso. Aber ich habe das gebraucht.”

Sylvie sagt dann zu ihrer Auserwählten: “Bereite dich vor, das wird dein Cinderella-Moment.” In bester “Pretty Woman”-Manier hat sie für Graziella ein rosa Kleidchen. Und Fraz Meis gefällt, was sie sieht: “Wie eine Prinzessin.”

Schöne Bilder von einer Yacht konnten nicht ganz über inhaltliche Defizite hinwegtäuschen. (Bild: MG RTL D)

“Mach meine Hüfte mal schmaler”

Der groß angekündigte Cinderella-Moment verkommt dann aber eher zum braven “Hinterherdackeln”. Denn während Sylvie in jede Kamera strahlt, Interviews gibt, Fotografen Bilder schießen, hat Graziella eine Händchenhalterin aus Sylvies Entourage an die Seite bekommen. Die Anstandsdame zieht oder schiebt Graziella wechselweise im Bugwasser Sylvies. Glamour pur.

Derweil kommen die restlichen Unterwäsche- und Bademodenmodels in ihrer Villa an und aus dem Staunen nicht mehr raus. Dann gibt es Gymnastik für die schmale Taille (“Mach meine Hüfte mal schmaler, ich hab 63, muss aber 60 haben.”) und es folgt ein kleiner Modelkrieg, weil sich die verbliebenen Fünf in Grüppchen aufteilen:

– “Ich fühle mich ausgeschlossen. Alle sind auf einem Fleck, mir wird nicht Bescheid gesagt. Das ist scheinheilig hier. Das Lächeln ist nicht echt.”

– “Das Problem ist in ihrem Kopf. Das Defizit hat sie mit sich selbst. Mit euch habe ich voll tiefgründige Gespräche.”

– “Ich halte mir raus und werde voll von hinten angegriffen.”

Die dramatischen Yacht-Beichten

Mittlerweile ist auch Sylvie auf der Insel angekommen, lädt die Frauen erst auf eine Yacht ein, dann zu Einzelgesprächen. Um ihre Kandidatinnen besser kennenzulernen, wie sie selbst sagt. Ist ja auch der Vorabend der Entscheidung. Keine Minute zu früh also.

Zu der einen sagt sie: “Ich suche keine nervige Person.” Okay, Ehrlichkeit siegt, Sylvie. Gut gemacht.

Zur nächsten: “Du bist arrogant. Was bringst du sonst mit?” Gute Frage, Sylvie!

Dann fließen plötzlich Tränen: “Deine verletzliche Seite ist super. Die muss ich auch sehen!”

Am Ende der Inquisition orakelt Sylvie: “Meine Top drei hat sich total verändert.”

Der nächste Morgen, ein spontanes Poolshooting mit dem Thema: Das eine Bild für die Instagram-Kampagne. Es gibt Luftmatratzen in den Formen Pommestüte, Melone, Kakerlake und Flamingo. Eins der Models sagt: “Instagram ist mein Lifestyle. Die zufällig gestellte Realität.”

Es kann nur eine geben! Die Models warten auf ihr Shooting (Bild: MG RTL D)

Sylvie hat die Liebsten mitgebracht

Dann folgt am Mittag die Überraschung:  Sylvie hat Freunde, Familie und Partner der Teilnehmerinnen eingeflogen. Viele Tränen der Freude. “Ich war noch nie so sehr von zuhause getrennt. Ich vermisse meinen Freund, meine Hunde, meine Mutter.” Und die Mutter biegt just um die Ecke! Wie schön!

Alle sind also nochmals bis in die Haarspitzen motiviert für das Finale am nächsten Morgen. Bademodenshooting am Strand. Mit der aufgehenden Sonne.

Vorab die letzten Worte der Models:

– “Ich hab ein bisschen Angst, aber ich krieg das hin!”

– “Ich fühl mich so geil und ultrawohl.”

– “Ich bin heiß!”

Wer ist Schönste im ganzen Land?

Tahnee setzte sich durch: Sie gewinnt 50.000 Euro und macht bei Sylvies nächster Kampagne mit (Bild: MG RTL D / Mato Johannik)

Das schönste Foto hat Tahnee und auch rundum das beste Paket. Sie “matcht” so gut mit Sylvie, wie sie selbst sagt. Sie gewinnt die Show.

Das ist schön und sie freut sich auch sehr. Nur, und dieser Moment treibt das Problem der ganzen Show auf die Spitze – es interessiert niemand. Denn im Gegensatz zu vergleichbaren Formaten wie “Germany’s Next Topmodel”, “Deutschland sucht den Superstar” oder “Voice of Germany” wartet auf die Gewinnerin jetzt kein lukrativer Platten- oder Modelvertrag. Tahnee ist nun schlicht Beiwerk zu Sylvies neuer Kollektion. Bei der, wie in der ganzen Show schon und auch nie anders geplant, Sylvie im Vordergrund stehen wird. Für die war ihre Show ein voller Erfolg. Stundenlange Werbung für sich selbst und ihre Modemarke. Exklusive Ankündigung der neuen Linie. Und natürlich Sylvie in Großformat. Herzlichen Glückwunsch zum Sieg, Sylvie Meis. Und äh, natürlich auch Tahnee.

Auch diese Meldungen könnten Sie interessieren: