Ein Leben in Abgeschiedenheit? Diese irische Insel sucht Bewohner

Anna Rinderspacher
Freie Journalistin

Die U-Bahn ist zum Brechen voll, die Schlange an der Supermarktkasse geht mal wieder bis ans andere Ende des Ladens, der Straßenlärm strapaziert die Nerven: In solchen Momenten wünscht man sich doch manchmal, auf einer einsamen Insel zu wohnen. Abgeschieden vom Trubel der Großstadt, ohne Verkehr, mitten in der Natur. Auf Arranmore in Irland kann dieser Traum Wirklichkeit werden.

Ruhe und Entspannung findest du auf Arranmore (Bild: Getty Images)

Gerade mal 469 Einwoher zählt die kleine Insel Arranmore (Irisch: Árainn Mhór), die rund fünf Kilometer vor der Nordküste Irlands liegt. Und genau da liegt Arranmores Problem: In den vergangenen 30 Jahren ist die Bevölkerungszahl der Insel dramatisch zurückgegangen.

Darum rührt Arranmore nun kräftig die Werbetrommel, in der Hoffnung, dass vor allem junge Menschen und Familien von der Küstenidylle angezogen werden. Denn Stille wirkt nur bis zu einem gewissen Grad beruhigend. “Die schlimmste Stille ist das Ausbleiben von Kinderlachen“, sagt ein älterer Einwohner in einem Promo-Video für die Insel, das kürzlich auf YouTube veröffentlicht wurde.

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Arranmore ist vom Bevölkerungssterben bedroht

Aus professioneller Sicht bietet Arranmore tatsächlich einen großen Vorteil: Das Internet dort ist unglaublich schnell und kann sogar mit Metropolen wie London oder New York City mithalten. Um mehr junge Leute anzulocken, hat die Insel vor Kurzem in ihre Digitalisierung und den Ausbau der Infrastruktur investiert. “Egal wohin, die Anfahrt dauert nicht mehr als fünf Minuten“, heißt es in einem offenen Brief, den die Gemeinde Arranmores an potentielle Neubürger verfasst hat.

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Offener Brief von Arranmore Insel (Bild: Extra.ie)

Selbstständige Unternehmer und Kreative dürften sich dort deshalb besonders wohlfühlen und können aus der umwerfend schönen Küstenlandschaft mit ihren langen Strandstrichen sicher ausgiebig Inspiration schöpfen. So wie “Grafik Designer Jessie, Spielentwickler Neil oder App-Entwickler Matt“, von denen in dem Brief die Rede ist. Auch eine Fotografin, Elaine, habe sich kürzlich auf der Insel niedergelassen.

Und wen wundert es, schließlich lädt das Meer vor der Türe zum Tauchen und Kajaken ein, während die irischen Pubs mit Whiskey, Folk-Musik und lebensfroher Atmosphäre locken – stellt sich also bloß die Frage: Was hält uns noch in der Stadt?

Zwar richtet sich Arranmores Werbeaktion in erster Linie an Amerikaner und Australier, für Deutsche dürfte der Umzug jedoch noch einfacher sein: Irland ist Mitglied der Europäischen Union und innerhalb dieser herrscht bekanntlich das Freizügigkeitsrecht. Es ist weder ein Visum noch eine Arbeitsgenehmigung nötig, und mehr oder minder günstige Flüge – zumindest nach Dublin – gibt es auch.

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