So erklärt ein Lehrer seinen Schülern den Echo-Skandal um Farid Bang und Kollegah

Nach der Aufregung um die Auszeichnung und den Auftritt von Kollegah und Farid Bang bei der Verleihung des Musikpreises haben viele Preisträger ihren Echo zurückgegeben. Mit einem Facebook-Post zeigt ein Lehrer, warum sich junge Leute oft nicht an den Aussagen der Rapper stören. Und er erklärt, was man tun muss, um sie zu sensibilisieren.

Beim Echo 2018 sorgten Kollegah und Farid Bang für einen Skandal (Bild: Getty Images)

Über 6000 Mal wurde der Post eines Lehrers bereits geteilt, in dem er sich zu den umstrittenen Rappern Kollegah und Farid Bang äußert. Auf Facebook schreibt er, der “Chef-Homie“ aus einer seiner Klassen hätte ihn kürzlich gefragt, wie er die beiden fände. Seine Antwort: “Fremden- und schwulenfeindlicher, frauenverachtender und antisemitischer Scheiß ist das.“ Als der Schüler ihn daraufhin gefragt habe, was antisemitisch überhaupt bedeute, sei ihm das Problem erst klar geworden.

In der nächsten Stunde habe er das Thema aufgegriffen, indem er die Liedzeile “Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ an die Tafel schrieb, für die die Rapper u.a. in der Kritik stehen. Die Schüler erkannten die Zeile aus dem Song “0815“ sofort und sagten Dinge wie: “Ja, Mann! Farid und Kollegah, die sind krass!” oder “Voll die Maschinen!“. Dabei konnten sie weder erklären, was ein “definierter Körper“ ist, noch worum es sich bei einem “Auschwitzinsassen“ handelt.

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Der Lehrer trug einige Stellen aus “Ist das ein Mensch?“ vor, dem autobiografischen Bericht des Holocaust-Überlebenden Primo Levi. Er erklärte ihnen, wie viele Menschen im Dritten Reich getötet wurden und projizierte schließlich zwei Bilder an die Wand: eines von einem Bodybuilder und eines von einem Gefangenen im Vernichtungslager Auschwitz.

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Daraufhin hätte ein Mädchen Folgendes gesagt: Die Zeile sei geschmacklos. Und auf Nachfrage: “Ich kann das nicht erklären, ich finde es einfach krank!“. Ein Junge meinte: “Der Bodybuilder quält sich freiwillig für seinen Körper. Der Mann aus Auschwitz sieht so aus, weil er von anderen gequält wurde. Außerdem hat der überhaupt keine Muskeln mehr. Der stirbt sicher bald!“. Woraufhin ihm ein anderer beipflichtete: “Genau! Das ist abartig, so etwas zu schreiben. Der Kollegah hat doch gar keine Gefühle für diese Menschen!“ Der Post des Lehrers endet mit diesen Worten: “Ich lass das einfach mal so stehen.“

Die zahlreichen Reaktionen der Facebook-User zeigen, wie sie seine spezielle Unterrichtseinheit finden:

VIDEO: Echo 2018: Campino vs. Farid Bang und Kollegah