Frustrierter Henssler beleidigt VOX-Jury: "Ich koche für Doofe!"

Jens Szameit
·Lesedauer: 6 Min.

Der siegverwöhnte "Grill den Henssler"-Namensgeber steckt im Formtief. In der neuen Ausgabe der VOX-Kochshow erwischte Steffen Henssler schon wieder einen gebrauchten Abend. Und wer war schuld? Natürlich die Jury um den vermeintlichen "Besserwisser" Christian Rach ...

Frustrierter Henssler beleidigt VOX-Jury: "Ich koche für Doofe!"
Frustrierter Henssler beleidigt VOX-Jury: "Ich koche für Doofe!" (Bild: Teleschau/Vox)

Zu was die Coronakrise dann doch alles gut ist! Götz Alsmann als Gast bei "Grill den Henssler" - das wäre ohne eine "geschredderte Tournee" wohl eher Wunschdenken der VOX-Planer geblieben. So aber hatte der Jazz-Enthusiast und langjährige Moderator der Kultshow "Zimmer frei!" eine neue CD zu bewerben und rund 30 Jahre nach einem Besuch bei Alfred Biolek wieder den Weg in eine TV-Küche gefunden. "Was eine Ehre, Wow!", verbeugte sich Moderatorin Laura Wontorra tiefstmöglich.

Dass der Grimme-Preis-Träger am Herd seine wahre Bestimmung hat - das lässt sich nach der jüngsten "Grill den Henssler"-Ausgabe zwar nicht sagen. Alsmann warf dennoch alle Unterhalterqualitäten in die Waagschale. Als in einer der "Küchencompetitions" Kochutensilien anhand ihrer Geräusche zu erraten waren, erteilte der Münsteraner eine Lektion in Schlagfertigkeit. Steffen Henssler tippte beim eingespielten Rattern auf "Reibe", Moderatorin Laura Wontorra korrigierte: "Dosenöffner". Alsmann gab sich fassungslos, dass der Starkoch da falsch lag: "War doch lange dein Spitzname!" Das Gelächter im Studio war kaum zu bremsen.

„Grill den Henssler“-Jurorin Mirja Boes überrascht auch in den neuen Folgen gerne mit ihren immer ungewöhnlicheren neuen Looks, besonders auf dem Kopf! (Bild: Teleschau/Vox)
„Grill den Henssler“-Jurorin Mirja Boes überrascht auch in den neuen Folgen gerne mit ihren immer ungewöhnlicheren neuen Looks, besonders auf dem Kopf! (Bild: Teleschau/Vox)

"Grill den Henssler" (VOX): Steffen Henssler zurück im "Wettkampfmodus"

Gekocht wurde in der vorletzten Folge der auf sechs Ausgaben verkürzten VOX-Reihe allerdings auch. Und das mit großem Engagement auf beiden Seiten. Bei den Promi-Herausforderern eilte "Höhle der Löwen"-Moderator Amiaz Habtu ein glänzender Ruf voraus, mit Vera Int-Veen ("Schwiegertochter gesucht") hatte die Redaktion gar eine nebenberufliche Kochbuchautorin engagiert. Und Steffen Henssler? Der wähnte sich nach zwei Niederlagen in Serie wieder im "Wettkampfmodus". Auch weil er seinen Muskelfaserriss im Allerwertesten mit einer "extrem engen Unterhose" bestens versorgt glaubte.

Dass der Abend für den Hamburger Stargastronom dennoch alles andere als rund lief, konnte er diesmal nicht auf körperliche Malaisen schieben. Einen Schuldigen, der die Wut des Maitres abbekam, fand er dennoch: Zwischen der aktuellen "Grill den Henssler"-Jury und dem Namensgeber der Show stehen die Zeichen auf Eskalation. Was vor allem mit Christian Rach zu tun hat, dem einstigen RTL-"Restauranttester" mit der Lizenz zum Klugscheißen.

"Grill den Henssler": Haarige "Komplimente" für Mirja Boes!

Doch auch den ungleich gnädigeren Reiner Calmund hatte Henssler auf dem Kieker. Als Calli beim Improgang (Thunfisch, gekochte Eier, Löwenzahn) fabulierte, die Sauce werde es entscheiden, wunderte sich Promi-Kochcoach Ali Güngörmüs: "Ich hab' gar keine Sauce gemacht." Die Runde ging dennoch an seine Schützlinge. Henssler bedient: "Geht das schon wieder los, ey!"

Steffen Henssler kann die Jury "null nachvollziehen"

Bei der Vorspeise (Pochiertes Rinderfilet mit Blumenkohl süß-sauer) gerieten dann kurz die beiden Gastro-Profis aneinander. Als Güngörmüs erklärte, er lasse das Fleisch vor dem Poschieren von beiden Seiten scharf anbraten, "damit sich die Poren schließen", schallte es von gegenüber: "Fleisch hat doch keine Poren! Du Schnacker! Das erzählst du immer noch?" Doch auch diesen Gang verlor Henssler, diesmal gegen Amiaz Habtu. Auch weil Chefanalytiker Rach "zu viele ungestoßene Koriandersamen" erkannt haben wollte.

Die Erklärungen der Jury könne er "null nachvollziehen", giftete Henssler, als sich die Testesser wieder hinter die Kulissen verkrümelt hatten. "Was sie alles rausschmecken und vor allem, was sie nicht rausschmecken - echt schwierig, da ruhig zu bleiben!" Für die Hauptspeise (Zweierlei von Linsen mit Kartoffeln und Meeresheuschrecke) nahm er sich deshalb vor, nur mit Salz, Pfeffer, Rosmarin und Thymian zu würzen. "Das werden sie rausschmecken. Ich mach' jetzt Kochen für Doofe."

"Wo hat dat Aas sich versteckt?", stocherte Calmund irritiert im Teller. (Bild: Teleschau/Vox)
"Wo hat dat Aas sich versteckt?", stocherte Calmund irritiert im Teller. (Bild: Teleschau/Vox)

Richtig glücklich wurden Rach, Calmund und die Dritte im Bunde, Mirja Boes, mit dem Ergebnis dennoch nicht. Was vor allem an der exotischen Zutat Meeresheuschrecke lag. "Wo hat dat Aas sich versteckt?", stocherte Calmund irritiert im Teller. "Wenn Du tief Luft holst, ist sie weg", warnte Mirja Boes. "Die Heuschrecke brauche ich nicht", befand Rach, der bei Hensslers Teller die - gleichwohl vorhandene - zweite Linsensorte übersah, beim Int-Veen-Gericht indes bemängelte: "Da wurde vergessen zu würzen". Dennoch lag die Herausforderin - auf niedrigen Punkteniveau - in Rachs Gunst mit 5:4 vorn. Was wiederum Steffen Henssler den Puls hochschießen ließ: "Äh ... der nicht gewürzte Teller gewinnt? Wollt Ihr mich ver...schen!"

Frustrierter Henssler beleidigt VOX-Jury: "Ich koche für Doofe!"
Laura Wontorra moderiert auch die Herbst-Staffel von "Grill den Henssler" 2020. (Bild: Teleschau/Vox)

Henssler weist Rach ab: "Lass mich in Ruhe!"

Doch auch die Feinschmecker untereinander waren sich nicht grün. "Calli, darf ich mal was sagen?", warf Rach ein. "Nichts gegen deine Bewertung. Nur noch mal: Chigallas sind auf Deutsch Kaisergranaten oder Langustinen. Ist ein ganz anderes Tier." - "Hallo! Hallo!", fuhr der unfreiwillig Belehrte sofort aus der Haut. "Du brauchst das jetzt nicht zu korrigieren. Das Zeug schmeckt mir nit und wenn et mir nit schmeckt und ich respektiere trotzdem die Arbeit, isset 7:7. Schluss! Aus! Nikolaus!"

Als Mirja Boes sich beim blauen Henssler-Teller der Rach-Wertung (4 Punkte) anschloss, triumphierte der Ex-"Restauranttester" nur kurz. Calli: "Wenn du das gekocht hättest, hätte es nur 3 Punkte gegeben." 15:18 unterlag Henssler bei diesem Gang - Jubel bei den Hobbyköchen. Klärungsbedarf allerdings noch bei Rach: "Steffen, warum nur so ein halbes Teilchen?" Die barsche Auskunft: "Lass mich in Ruhe!"

Mit zehn Punkten lag Henssler sichtlich angefressen vor dem Dessert (Salzburger Nockerln mit karamelisierter Banane und Kirschen) im Hintertreffen. Ein Riesen-Rückstand, aber auch nicht unaufholbar, wenn man sah, wie Alsmann zuwerkeging. Coach Ali Güngörmüs schien dem Herzkasper nah. "Götz! Wie haben wir das in der Probe gemacht?!" - "Götz, zu viel Zucker!" - "Götz, konzentriere dich, komm!" Der war mit dem Kopf aber im Anekdötchenmodus und entschuldigte sich: "Das ist nicht einfach bei so nem gefühlvollen Interview!" Laura Wontorra erkannte das Dilemma: "Ich hab' das Gefühl, Götz braucht ne Pause von mir."

Laura Wontorra: "Du hast schlechte Laune, lass es an mir aus!"

Doch auch auf der Gegenseite lief es nicht wesentlich besser. "Heute ist auch wirklich der Wurm drin", schimpfte Henssler zur Abwechslung mal auf sich selbst. "Da fang ich das Eiweiß wieder an zu schlagen, was der größte Anfängerfehler aller Zeiten ist", ging er hart mit sich ins Süßspeisengericht. "Das sieht nicht so gut aus", rührte Wontorra angeekelt in der verunglückten Eierpampe. "Haste gut erkannt. Ohne Google. Ich bin stolz auf Dich", ätzte der Maitre. Die Moderatorin ging auf Distanz: "Ist okay, du hast schlechte Laune, lass es an mir aus!"

Bei der Jury-Wertung schloss Henssler dennoch in riesigen Schritten die Punktelücke - schrammte aber hauchdünn am Remis vorbei. Endergebnis aus seiner Sicht: 92:93 - und damit die dritte Niederlage gegen eine Promi-Auswahl in Folge. "Ich hab getan, was nötig war, und wenn es noch so wenig war", kommentierte Alsmann das Foto-Finish.

Noch Fragen? Ach ja: Wie ist es denn nun mit dem Fleisch und den Poren? Die Auflösung wurde im Anschluss an "Grill den Henssler" in einer Art Faktencheck im VOX-Magazin "Prominent!" nachgereicht. Natürlich von Bescheidwisser Christian Rach himself: "Beim scharfen Anbraten schließen sich die kleinen Kapillaren, das ist der richtige Ausdruck. Poren ist das, was auf der Haut ist, Kapillaren sind die kleinen Gefäße, die in jedem Muskel drin sind." - Ein kleiner Prestigeerfolg also für Steffen Henssler, wenigstens das.

Video: Die TV-Köche und ihre Restaurants