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Hidden Headlines: Beben auf dem Mars – was steckt dahinter?

Ein schweres Beben auf dem Mars hat Wissenschaftler*innen monatelang ein Rätsel aufgegeben: Was war der Grund dafür? Jetzt könnte die Antwort gefunden worden sein.

Eines der letzten Bilder der NASA-Sonde InSight, bevor sie in Ruhestand versetzt wurde. Sie hat lange Zeit Beben auf dem Mars detektiert. (Foto: NASA / JPL-Caltech)
Eines der letzten Bilder der NASA-Sonde InSight, bevor sie in Ruhestand versetzt wurde. Sie hat lange Zeit Beben auf dem Mars detektiert. (Foto: NASA / JPL-Caltech)

Eines der bislang stärksten gemessenen Beben auf dem Mars ereignete sich Mitte 2022. Lange wusste niemand, was die Ursache dafür war. Jetzt hat ein internationales Team von Wissenschaftler*innen das Ergebnis einer monatelangen Suche bekannt gegeben.

Warum der ganze Wirbel?

Das Beben auf dem Roten Planeten dauerte mindestens sechs Stunden und wies eine Stärle von 4,7 auf der Richterskala aus. Auf der Erde würde bei dieser Stärke sicherlich Geschirr im Schrank klappern und auch manche Häuser knarren – weiter berichtenswert wäre es aber nicht. Auf dem Mars hingegen war das Beben am 4. Mai 2022 eines der bislang stärksten gemessenen seismischen Ereignisse überhaupt.

Seither haben Wissenschaftler*innen nach einer Ursache dafür gesucht. Die Vermutung: ein Meteorit. Hätte kurz zuvor ein Meteorit den Mars getroffen, könnte sein Einschlag ein vergleichbares Beben ausgelöst haben. Also beschlossen Benjamin Fernando, er beschäftigt sich an der Universität Oxford mit der Geophysik anderer Planeten, und sein Team, die Marsoberfläche nach Zeichen eines Impacts abzusuchen: frische tiefe Krater oder riesige Staubwolken.

Um die etwa 144 Millionen Quadratkilometer abzudecken, bat Fernando um Hilfe. Und die erhielt er: Daten lieferte nicht nur die ESA, die Europäische Weltraumorganisation, sondern auch die die Chinesische Nationale Raumfahrtbehörde, die Indische Raumfahrtforschungsorganisation und die Raumfahrtbehörde der Emirate. Offiziell heißt es, dass hier zum ersten mal alle Raumfahrtorganisationen zusammengearbeitet haben, die derzeit Mars-Missionen betreiben.

Und das Ergebnis? Nichts. Kein Krater, keine Staubwolke, kein Meteorit. Also schloss das Team um Fernando, dass das Marsbeben im Inneren des Roten Planeten entstanden sein muss. Ihr Ergebnis haben sie diese Woche im Journal Geophysical Research Letters veröffentlicht.

Das sind die Hintergründe

In der Studie schreiben die Wissenschaftler*innen, dass das Beben ein Hinweis darauf ist, dass der Mars seismisch aktiver ist als bislang angenommen. In einer begleitenden Pressemitteilung sagt Fernando: "Wir gehen weiterhin davon aus, dass es auf dem Mars keine aktive Plattentektonik gibt. Dieses Ereignis wurde wahrscheinlich durch die Freisetzung von Spannungen in der Marskruste verursacht."

Die Spannungen könnten das Ergebnis von Milliarden von Jahren der Marsentwicklung sein. Teile des Planeten wären dann unterschiedlich schnell abgekühlt und geschrumpft – so könnte es zu Spannungen in der Kruste gekommen sein, die sich mit einem Schlag entladen haben. Fernando erklärt, wieso dieses Wissen auch auf der Erde von Interesse ist: "Eines Tages könnten uns diese Informationen helfen, zu verstehen, wo es für Menschen sicher wäre, auf dem Mars zu leben. Und wo wir vielleicht besser nicht unsere Station aufbauen sollten."

Eines Tages könnten uns diese Informationen helfen, zu verstehen, wo es für Menschen sicher wäre, auf dem Mars zu leben.Benjamin Fernando

Das sind die Reaktionen

Fernando hat außerdem allen beteiligten Organisationen für die Zusammenarbeit gedankt. Das Projekt sei eine große internationale Anstrengung gewesen, um ein von der Erde aus weit entferntes Rätsel zu lösen. "Ich hoffe, es dient als Vorbild für weitere produktive internationale Kooperationen im tiefen Weltraum."

Auch die ESA stimmte damit überein. Daniela Tirsch, sie koordiniert die hochauflösende Stereokamera an Bord der Raumsonde Mars Express der Europäischen Weltraumorganisation, sagte: "Dieses Experiment zeigt, wie wichtig es ist, eine Vielzahl von Instrumenten auf dem Mars zu unterhalten, und wir sind sehr froh, dass wir unseren Teil dazu beigetragen haben, den internationalen Ansatz dieser Studie zu vervollständigen."

Das Marsbeben aufgezeichnet hatte ursprünglich die geologische Sonde InSight-Lander der NASA. Sie wurde aber im Dezember 2022 in den Ruhestand versetzt.

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