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Jahrhundert des Klimawandels: Ein Weckruf für die Welt

Symbolbild des Klimawandels: Die Skisaison in den Pyrenäen verläuft nicht nach Plan (Foto: REUTERS/Stephane Mahe)
Symbolbild des Klimawandels: Die Skisaison in den Pyrenäen verläuft nicht nach Plan (Foto: REUTERS/Stephane Mahe)

Inmitten der wachsenden Besorgnis um unseren Planeten bringt der Klimawandel eine Reihe verblüffender, oft alarmierender Fakten ans Licht. Die Erkenntnisse sind nicht nur ein Appell an unser Umweltbewusstsein, sondern auch ein Weckruf für dringende Maßnahmen.

Zehn erstaunliche Fakten über den Klimawandel:

Klimawandel beschleunigt sich in knapp zwei Jahrhunderten massiv

Der Klimawandel, verstanden als signifikante und langfristige Veränderung der Durchschnittstemperaturen und Wetterbedingungen der Erde, ist ein Phänomen, das es an sich in verschiedenen Formen seit Millionen von Jahren besteht. Der aktuelle Klimawandel, der oft mit dem Begriff "globale Erwärmung" in Verbindung gebracht wird, ist jedoch überwiegend auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen, insbesondere seit der industriellen Revolution Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts.

Mit dem Beginn dieser industriellen Revolution begann die großflächige Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Gas, die zu einem deutlichen Anstieg der Konzentration von Treibhausgasen, insbesondere Kohlendioxid (CO2), in der Atmosphäre führte. Dies hat zu einem Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen geführt, was wir heute als menschenverursachten Klimawandel kennen.

Hitzewelle in Monterrey, Mexiko, im vergangenen Sommer (Foto: REUTERS/Daniel Becerril)
Hitzewelle in Monterrey, Mexiko, im vergangenen Sommer (Foto: REUTERS/Daniel Becerril)

Seit dem späten 19. Jahrhundert sind zuverlässige instrumentelle Temperaturaufzeichnungen verfügbar. Es gilt als gesichert, dass die durchschnittliche globale Oberflächentemperatur seit 1880 um etwa 1,1 °C gestiegen ist. Der Großteil dieser Erwärmung, insbesondere der rapide Anstieg seit den 1950er-Jahren, wird den Aktivitäten des Menschen zugeschrieben.

Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist die Temperaturzunahme offenkundig: die letzten Dekaden gelten als die wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen; die Jahre 2015 bis 2023 zählen zu den wärmsten Jahren, die jemals gemessen wurden. 2023 setzt als global wärmstes erfasstes Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen ein neues Ausrufezeichen. Das gilt auch in der Bundesrepublik: Mit einer Durchschnittstemperatur von 10,6 °C war 2023 in Deutschland das bisher wärmste Jahr seit 1881.

Der „Treibhauseffekt": Unsichtbare Vorgänge mit sichtbaren Folgen

Der Klimawandel wird maßgeblich durch Treibhausgase wie CO2 verursacht, die für das menschliche Auge unsichtbar sind. Diese Gase fangen die Wärme in der Atmosphäre ein und führen zu einer Erhöhung der globalen Durchschnittstemperatur. Dieser Prozess, oft als "Treibhauseffekt" bezeichnet, ist grundlegend für das Verständnis der globalen Erwärmung.

Polar bear walking on pack ice with reflection in the water. Copy- space.
Polar bear walking on pack ice with reflection in the water. Copy- space.

Forschungen haben gezeigt, dass die aktuellen CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre mit Abstand die höchsten der letzten 800.000 Jahre sind. Dieses ist besonders beunruhigend, wenn man bedenkt, dass die Menschheit erst seit etwa 300.000 Jahren existiert und somit nie zuvor solchen Bedingungen ausgesetzt war.

Das schmelzende Archiv

Gletscher und Eiskappen, oft als "die Archive unseres Planeten" bezeichnet, schmelzen in alarmierender Geschwindigkeit. Sie enthalten Informationen über die Klimaentwicklung der Erde über Jahrmillionen hinweg, die mit ihrem Abschmelzen unwiederbringlich verloren gehen.

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts und insbesondere seit den 1990er-Jahren haben Satellitenmessungen und Feldstudien ein dramatisches Abschmelzen der Gletscher und Eiskappen offenbart. Besonders betroffen sind die Eismassen Grönlands und der Antarktis, die zusammen über 99 % des Süßwassereises der Erde beherbergen.

Schmelzender Aletsch Gletscher in Fiesch, Schweiz (Foto: REUTERS/Denis Balibouse)
Schmelzender Aletsch Gletscher in Fiesch, Schweiz (Foto: REUTERS/Denis Balibouse)

Daten des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) zeigen, dass Grönlands Eisdecke im Zeitraum von 1992 bis 2018 durchschnittlich etwa 280 Milliarden Tonnen Eis pro Jahr verloren hat, während die Antarktis im gleichen Zeitraum jährlich etwa 148 Milliarden Tonnen Eis einbüßte. Diese Verluste haben direkte Auswirkungen auf den globalen Meeresspiegel, der zwischen 1993 und 2018 um durchschnittlich 3,2 Millimeter pro Jahr angestiegen ist, wobei ein signifikanter Anteil dieses Anstiegs auf das Schmelzwasser der Gletscher zurückzuführen ist.

Die Prognosen für die Zukunft sind noch besorgniserregender. Forschungsmodelle prognostizieren, dass bei anhaltend hohen Emissionen und globaler Erwärmung ein Großteil der verbliebenen Gletscher bis zum Ende dieses Jahrhunderts stark zurückgehen oder vollständig verschwinden könnte. Ein solches Szenario würde nicht nur den Meeresspiegel weiter ansteigen lassen – um bis zu mehrere Meter in den nächsten Jahrhunderten –, sondern auch die Süßwasserversorgung von Milliarden von Menschen gefährden, die von Gletscherwasser abhängig sind.

Der kritische Kipppunkt

Entsprechend warnen Wissenschaftler seit Jahrzehnten vor sogenannten "Kipppunkten" („Tipping Point“) im Klimasystem der Erde, an denen irreversible Veränderungen eintreten können. Bereits in den nächsten Jahren steht die Welt möglicherweise vor der kritischen Überschreitung von insgesamt acht entscheidenden Kipppunkten, die für das globale Klima von großer Bedeutung sind. Laut einem Bericht des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung könnten bei einer globalen Temperaturerhöhung um 1,5 Grad bis in die 2030er Jahre zusätzlich zu den fünf bereits gefährdeten Kippelementen drei weitere in Gefahr geraten.

Kritischer Geist: Bestseller-Autor Jonathan Franzen (Foto: REUTERS/Alejandro Acosta)
Kritischer Geist: Bestseller-Autor Jonathan Franzen (Foto: REUTERS/Alejandro Acosta)

Es gibt aber inzwischen sogar Stimmen, die argumentieren, die Folgen des Klimawandels seien nicht mehr reversibel. Der viel gelesene amerikanische Schriftsteller und Essayist Jonathan Franzen etwa hat 2020 mit dem provokanten Essay "Wann hören wir auf, uns etwas vorzumachen?“ für Aufsehen gesorgt, in dem er die Ansicht vertritt, dass die Klimakrise unvermeidlich und es bereits zu spät sei, ihre gravierendsten Auswirkungen abzuwenden.

Wetterextreme als neue Normalität

Der Klimawandel ist bereits heute real spürbar und hat zu einer Zunahme und Intensivierung von Wetterextremen geführt. Hitzewellen werden intensiver und häufiger, was nicht nur die menschliche Gesundheit gefährdet, sondern auch Ernten schädigen kann. Parallel dazu führen Dürreperioden zu Wasserknappheit, beeinträchtigen die Lebensmittelproduktion und bedrohen die Biodiversität. Auf der anderen Seite verursachen verstärkte Niederschläge und Stürme schwere Überschwemmungen und Infrastrukturschäden, die ganze Gemeinschaften in Mitleidenschaft ziehen können.

Auch Dürren sind eine Folge des Klimawandels (Symbolbild: Getty)
Auch Dürren sind eine Folge des Klimawandels (Symbolbild: Getty)

Die ungleiche Verteilung der Folgen

Der Klimawandel trifft die Weltgemeinschaft ungleichmäßig, wobei besonders Entwicklungsländer, die am wenigsten zum Problem beigetragen haben, unter den schlimmsten Auswirkungen leiden. Regionen wie Südasien, Subsahara-Afrika und kleine Inselstaaten sind besonders anfällig. Aber auch Küstenmetropolen in Entwicklungsländern gelten als sehr gefährdet: Städte wie Dhaka, Jakarta und Lagos erleben neben einem rasanten Bevölkerungswachstum auch eine zunehmende Gefährdung durch den Klimawandel.

In den potenziell gefährdeten Regionen führen extreme Wetterereignisse, steigende Meeresspiegel und veränderte Niederschlagsmuster zu Ernteausfällen, Wasserknappheit und dem Verlust von Wohnraum. Diese Herausforderungen verschärfen existierende soziale und wirtschaftliche Probleme, erhöhen die Armutsrisiken und zwingen Menschen zur Migration. Die globale Gemeinschaft steht vor der Aufgabe, diese Ungleichheiten durch gezielte Unterstützung und Klimaschutzmaßnahmen anzugehen.

Dazu gehören unter anderem Hitzewellen, Dürren, heftige Regenfälle und Stürme. Diese Ereignisse werden immer häufiger und heftiger, was enorme Auswirkungen auf die Landwirtschaft, Infrastruktur und das menschliche Leben hat.

Wie der Klimawandel Deutschland bedroht

In Deutschland sind städtische Gebiete aufgrund ihrer dichten Bebauung und Infrastruktur besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels, wie steigende Temperaturen und extreme Wetterereignisse. Städte wie Hamburg könnten durch ihre Nähe zu Gewässern verstärkt von Überschwemmungen betroffen sein, während Orte wie München durch Hitzeperioden und Wasserknappheit herausgefordert werden. Auch Frankfurt am Main könnte durch urbane Hitzeinseln und extreme Wetterbedingungen betroffen sein.

In Deutschland kommt es immer wieder zu Hochwasser (Bild: Getty)
In Deutschland kommt es immer wieder zu Hochwasser (Bild: Getty)

Darüber hinaus stehen Küstenstädte wie Rostock und Lübeck sowie die Nordseeinseln vor dem Risiko eines steigenden Meeresspiegels und der damit verbundenen Sturmfluten. Die Auswirkungen des Klimawandels, wie häufigere und intensivere Hitzewellen oder Starkregenereignisse, könnten in einigen Regionen bereits in den nächsten Jahrzehnten spürbar werden. Um diesen Risiken zu begegnen, sind Anpassungsstrategien wie die Schaffung von Grünflächen zur Verbesserung des Stadtklimas und der Ausbau des Hochwasserschutzes entscheidend.

Wirtschaftliche Folgen

Der Klimawandel zieht weitreichende wirtschaftliche Folgen nach sich, indem er die Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen einschränkt und die Kosten für Schäden durch Wetterextreme in die Höhe treibt. Prognosen zufolge könnten die globalen Kosten durch klimabedingte Schäden bis zum Ende des Jahrhunderts auf mehrere Billionen US-Dollar jährlich ansteigen. Allein in Deutschland könnten sich die Kosten im Zuge des Klimawandels bis Mitte des Jahrhunderts auf 900 Milliarden Euro belaufen.

Insbesondere die Landwirtschaft, Fischerei und Tourismusbranche leiden unter den direkten Auswirkungen veränderter Klimabedingungen. Die zunehmende Häufigkeit von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen, Dürren und Stürme führt zu steigenden Versicherungsprämien und Investitionsrisiken. Somit erfordern diese Entwicklungen dringend Anpassungen in Wirtschaft und Politik, um langfristige Schäden zu minimieren und Resilienz aufzubauen.

Bis zu einer Milliarde Klimaflüchtlinge?

Die Verschärfung der Lebensbedingungen durch den Klimawandel zwingt immer mehr Menschen dazu, ihre angestammten Wohnorte zu verlassen, was zur Entstehung von sogenannten Klimaflüchtlingen führt. Diese Gruppe ist durch extreme Wetterereignisse wie Dürren, die die landwirtschaftliche Produktion und damit die Lebensgrundlage vieler Gemeinschaften zerstören, sowie durch steigende Meeresspiegel bedroht, die ganze Küstenregionen unbewohnbar machen können.

Zukünftig kann es immer mehr Klimaflüchtlinge geben (Symbolbild: Getty)
Zukünftig kann es immer mehr Klimaflüchtlinge geben (Symbolbild: Getty)

Die International Organization for Migration (IOM) warnt, dass ohne entschiedene Gegenmaßnahmen bis 2050 weltweit bis zu eine Milliarde Menschen zu Klimaflüchtlingen werden könnten. Besonders betroffen sind dabei Regionen, die bereits jetzt von Armut, politischer Instabilität und Konflikten geprägt sind, da sie über weniger Ressourcen zur Anpassung an die neuen klimatischen Bedingungen verfügen.

Die Folgen dieser massiven Migrationsbewegungen sind vielfältig und reichen von sozialen Spannungen in Aufnahmeregionen über die Überforderung von städtischen Infrastrukturen bis hin zu neuen Herausforderungen für die internationale Politik und humanitäre Hilfe.

"Fridays for Future" und "Letzte Generation“: Klimawandel sorgt für neuen politischen Aktivismus

Unmittelbar spürbar sind die Folgen des Klimawandels im politischen Aufbegehren der jüngeren Generation, die zeitlebens mit den Folgen der Erderwärmung leben wird. Als Antwort auf die globale Herausforderung wurde die Bewegung "Fridays for Future" durch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg ins Leben gerufen.

Ikone einer Generation: Greta Thunberg beim Schulstreik in Stockholm vergangene Woche (Foto: Fredrik Sandberg/TT News Agency/via REUTERS)
Ikone einer Generation: Greta Thunberg beim Schulstreik in Stockholm vergangene Woche (Foto: Fredrik Sandberg/TT News Agency/via REUTERS)

Greta begann 2018 mit einem Schulstreik für das Klima vor dem schwedischen Parlament, um auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes aufmerksam zu machen. Diese Aktion inspirierte Jugendliche weltweit, sich ihr anzuschließen, was zu einer weitreichenden, von Schülern und Studenten getragenen Bewegung führte. Die "Fridays for Future"-Bewegung fordert von politischen Entscheidungsträgern entschiedenes Handeln zur Einhaltung der Klimaziele des Pariser Abkommens und eine radikale Wende hin zu nachhaltigeren Lebens- und Wirtschaftsweisen.

Die "Letzte Generation" ist eine weitere Gruppe von Klimaaktivisten, die durch direkte Aktionen und zivilen Ungehorsam auf die Klimakrise und die ihrer Meinung nach unzureichenden Maßnahmen der Regierungen aufmerksam machen. Die Aktivisten dieser Bewegung setzen sich für sofortige und weitreichende Maßnahmen zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen ein, um die Erderwärmung auf ein Minimum zu begrenzen und die schlimmsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Beide Bewegungen haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, das Bewusstsein für den Klimawandel zu schärfen und den öffentlichen und politischen Diskurs zu diesem Thema zu beeinflussen.