Der Welt-Klima-Ticker von FOCUS online Earth - Helikopter und Ventilatoren: „Außergewöhnliches Stechmückenjahr“ fordert außergewöhnliche Maßnahmen

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+++ Der Welt-Klima-Ticker +++

Klima-Fakt des Tages: Starkregenphasen und Hochwasser Ursachen für „außergewöhnliches Stechmückenjahr“

Donnerstag, 18. Juli, 11.16: Experten sprechen von einem „außergewöhnlichen Stechmückenjahr“ und gehen davon aus, dass mindestens der Südwesten Deutschlands noch den ganzen Juli mit den Insekten zu kämpfen haben wird. Eben solange, bis die Tiere ihr natürliches Lebensende erreicht haben, was in der Regel nach sechs bis sieben Wochen der Fall ist.

Dass es dieses Jahr so viele Mücken gibt, liegt an den Witterungsverhältnissen: Am Bodensee etwa bietet das schwül-warme Wetter und die Reste des Hochwassers ideale Bedingungen für Stechmücken, erklärt ein Experte gegenüber dem SWR. Nicht nur im Landkreis Dachau in Bayern haben die vielen Niederschläge und großflächigen Überschwemmungen besonders günstige Lebensbedingungen für die Plagegeister geschaffen. So sind etwa auch landwirtschaftliche Flächen nach wie vor feucht und die Insekten können in diesem Jahr auch Felder und Äcker nutzen, um ihre Eier zu legen, erklärt Sybille Hein von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes Dachau.

„Stechmückenjahre“ sind per se nichts Neues. „Aber 2024 stellt in der Gesamtbetrachtung der Witterungsverhältnisse ein außergewöhnliches Jahr dar“, so Biologe Dirk Reichle, wissenschaftlicher Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage. Starkregenphasen, Hochwasser und der wärmste Februar seit Klimaaufzeichnung hätten 2024 bereits im Frühjahr für großflächige optimale Bedingungen für Stechmücken gesorgt. Der Biologe erklärt im Interview mit der Welt, dass nicht jedes Hochwasserereignis die Folge der Klimaerwärmung sei. „Wenn wir aber die vergangenen Jahre betrachten, ist eine Häufung von Starkregenereignissen mit großen Überschwemmungen und Katastrophen festzustellen.“

Lösungsansatz: Forschende suchen nach umweltschonenden Alternativen zum Mückenbekämpfungsmittel Bti

Um die Stechmückenplage einzudämmen, haben sich bereits vor mehreren Jahren knapp 100 Kommunen zusammengeschlossen und den Verein „Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (Kabs)“ gegründet. Mit modernen biologischen und umweltschonenden Methoden versuchen sie, gegen die Insekten vorzugehen.

So flogen über zwei Gemeinden in Rhein-Pfalz kürzlich etwa Hubschrauber der Kabs, die bei ihren Einsätzen Eisgranulat mit dem Wirkstoff BTI (Bacillus thuringiensis israelensis) ausbringen. Kombiniert seien in den betroffenen Gemeinden knapp 26 Hektar Fläche behandelt worden, berichtet „rheinpfalz.de“. Das Granulat dämmt die Population ein, indem es Stechmückenlarven abtötet.

Der Eiweißstoff ist laut Kabs unbedenklich für den Menschen, die Wirkung auf andere Tierarten, beispielsweise Fledermäuse, ist aber nicht unumstritten. Daher versuchen Wissenschaftler am Campus Landau Alternativen zu Bti zu finden. „Aktuell arbeiten wir an einem Projekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in dem wir uns mit einem naturschutzkonformen Management zur Schnakenbehandlung in Naturschutzgebieten auseinander setzen“, erklärt Ökotoxikologe Dr. Carsten Brühl.

Aber was kann man ganz privat gegen die Plagegeister tun? Zoologe Martin Geier gibt im Interview mit der Süddeutschen einen unkonventionellen Tipp: Eine gute Maßnahme sei, einen (solarbetriebenen) Standventilator auf der Terasse aufzustellen. Der ständige Wind störe den Flug der grazilen Mücken.

Klima-Fakt des Tages: Griechenland und Italien kämpfen mit Trockenheit

Mittwoch, 17. Juli, 10.55: In Italien und Griechenland leiden Einheimische und Touristen unter der anhaltenden Hitze und tropischen Nächten. Grund für die hohen Temperaturen ist ein Hochdruckgebiet aus Afrika. Meteorologen gehen davon aus, dass auch in Rom die 40-Grad-Marke am Donnerstag oder Freitag geknackt wird.

In Griechenland verursacht das Extremwetter und der ausbleibende Regen allmählich auch Wasserknappheit. In Sparta auf der Halbinsel Peloponnes fielen in den vergangenen Jahren durchschnittlich 35 Millimeter Niederschlag – in diesem Jahr regnete es bisher kein einziges Mal. Auch in Athen wurden null Millimeter Niederschlag gemessen. Die Wasserwerke rufen daher zu sparsamem Wasserkonsum auf.

Bereits seit Juni herrscht in Griechenland eine ungewöhnlich frühe Hitzewelle. Im letzten Jahr kam es laut Tagesschau erst im August zu ähnlich hohen Temperaturen. Auch der griechischen Wetterdienst Emy berichtet, es habe seit Beginn der Wetteraufzeichnungen noch nie einen so heißen Juni gegeben.

Lösungsansatz: Mobile Entsalzungsanlagen sichern Trinkwasserversorgung

Einige Stauseen in Griechenland, die der Trinkwasserversorgung von Einheimischen und Touristen dienen, sind nahezu leer. Der Bürgermeister der Kykladeninsel Naxos zeigte sich im Lokalsender „Kykladen 101,3″ ebenfalls besorgt über die aktuelle Lage. „Vor einem Jahr hatten wir 1,5 Millionen Kubikmeter in den Reservoirs, jetzt sind es nur noch 180.000″.

Um die Wasserversorgung zu garantieren, haben viele griechische Inseln vorausschauend Anlagen zur Meerwasserentsalzung errichtet. Laut reisereporter.de sind auf den Kykladeninseln bereits 31 Entsalzungsanlagen in Betrieb, vier weitere seien in Planung. Eine Meerwasserentsalzungsanlage liefert etwa 1000 Kubikmeter Trinkwasser am Tag. Das Problem: Die Meerwasserentsalzung ist sehr energieintensiv und teuer. Um einen Kubikmeter Trinkwasser zu gewinnen, werden vier bis zehn Kilowattstunden Energie benötigt. Neue Techniken und die Nutzung von Ökostrom sollen die Kosten in Zukuft verringern und den ökologischen Fußabdruck verkleinern.

Die Entsalzungsanlagen bekämpfen jedoch nicht die Ursache der Extremwetterlagen. Daher wurde das Programm „Co-Lab Rhodos“ gestartet, durch das Griechenland bis 2030 klimaneutral werden soll. Der Fokus des Programms liegt auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Nachhaltigkeit, berichtet das Handelsblatt. So sollen etwa Emissionen und der Wasserverbrauch reduziert werden. Ein Ziel des Programms: Die örtliche Agrarproduktion um 50 Prozent steigern, damit weniger Lebensmittel vom Festland geliefert werden müssen.

Klima-Fakt des Tages: 97 Prozent der Korallen am Riff von Lizard Island abgestorben

Dienstag, 2. Juli, 12.39: Eine kürzlich durchgeführte Analyse von Wissenschaftlern hat eines der schwerwiegendsten Korallenbleiche-Ereignisse im Great Barrier Reef enthüllt. Wie im Fachmagazin Ecological Monographs berichtet, sind zwischen März und Juni dieses Jahres 97 % der Korallen an einem Riff auf Lizard Island abgestorben. Es ist die fünfte Bleiche in acht Jahren.

Prof. Jane Williamson von der Macquarie University, die das Riff analysierte, war schockiert über die Ergebnisse. Williamson und ihre Kollegen verglichen Drohnenaufnahmen vom März dieses Jahres mit Drohnenaufnahmen von Anfang Juni 2024. „Mindestens 97 Prozent der Korallen waren in diesen drei Monaten abgestorben“, sagte Williamson. „Wir kamen aus dem Wasser und wussten nicht, was wir sagen sollten. Es ist ein ikonisches Riff, und das meiste davon war tot“.

Die Weltkulturorganisation Unesco forderte die australische Regierung auf, dringend Daten zur Anzahl der abgestorbenen Korallen zu veröffentlichen und ihre Klimaziele zu verbessern, um zukünftige Schäden zu minimieren.

Lösungsansatz: Hitzeresistente „Superkorallen“ sollen Riffe retten

Der Weltklimarat prognostiziert, dass bei einer Erwärmung um 1,5 Grad insgesamt 70 bis 90 Prozent der Korallenriffe sterben werden; bei zwei Grad wären es mehr als 99 Prozent. Schon jetzt ist die Hälfte der Korallenriffe tot. Hitze und andere Stressfaktoren wie Abwässer und Pestizide verschärfen das Problem.

Weltweit arbeiten Forschende daran, Korallen vor dem Aussterben zu bewahren. Initiativen identifizieren schützenswerte Riffe und versuchen, hitzeresistente Korallen zu fördern. So auch Austin Bowden-Kerby, ein 69-jähriger Korallenforscher und Gründer der NGO Corals for Conservation, der auf Fidschi lebt. Zusammen mit seinen Kollegen Manoa Duwai und Kevueli Malaka bricht er Korallenäste ab, um sie an einem Gestell am Strand zu befestigen. So züchten sie Korallen, die an höhere Temperaturen angepasst sind, sogenannte „Superkorallen“. Anschließend bringen sie die Korallen wieder zurück ins Meer, um widerstandsfähige Riffe zu schaffen. Bowden-Kerby plant langfristig so eine „Korallen-Genbank“ zu schaffen und die Riffe im Meer zu retten.

Lösungsansatz: Biologen aus Wilhelmshaven züchten Steinkorallen mit „geschlechtlicher Vermehrung“

Seit vier Jahren kümmern sich die Biologen Samuel Nietzer und Mareen Möller aus Wilhelmshaven um die Aufzucht von Korallen. Nun ist es ihnen gelungen, mit Hilfe der „geschlechtlichen Vermehrung“ die Forschungsarbeit in der Aquarienanlage des Instituts für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg auf ein neues Level zu heben, berichtet der NDR. Für die innovative Methode sammeln die Forschenden Eier und Spermien, um verschiedene Kolonien zu kreuzen und so eine nachhaltige Korallenzucht aufzubauen. Das Verfahren ist auch deshalb so aufwendig, weil Korallen ganz spezielle Bedingungen benötigen: Wassertemperatur, Lichtverhältnisse und sogar der Mondzyklus spielen bei ihrer Vermehrung entscheidende Rolle.

Derzeit stammen viele Korallen für den Aquaristikmarkt aus Wildentnahmen, was die natürlichen Riffe belastet. Die Forscher in Wilhelmshaven wollen dies ändern und setzen auf gezüchtete Korallen, um die Nachfrage zu decken. Doch ihre Arbeit könnte noch weitreichendere Auswirkungen haben: Die Methode der geschlechtlichen Vermehrung könnte auch zur Wiederherstellung geschädigter Riffe beitragen.

Klima-Fakt des Tages: Paris setzt bei Olympia komplett auf Erneuerbare, doch CO2-Hauptsünder sind nicht die Veranstalter

Montag, 1. Juli, 09.45: Paris hat sich für die Olympischen Spiele in diesem Jahr ein ehrgeiziges Klima-Ziel gesetzt: Das Land will 100 Prozent erneuerbare Energien nutzen, hauptsächlich Wind und Solar sowie Biogas. Es wird erwartet, dass durch den Verzicht auf Diesel Emissionen in Höhe von 13.000 Tonnen CO2 eingespart werden können, berichtet Dialogue Earth. Insgesamt sollen durch die Olympischen Spiele etwa 1,58 Millionen Tonnen CO2 verursacht werden. Zum Vergleich: Bei den Olympischen Spielen 2012 in London und 2016 in Rio gaben die Organisationskomitees jeweils Emissionen von 3,3 Millionen bzw. 3,6 Millionen Tonnen CO2 an.

Allerdings stammen die größten CO2-Emissionen von Sportveranstaltungen häufig aus Luft- und Straßenverkehr durch Teilnehmer und Zuschauer. Das Fehlen von Zuschauern bei den Olympischen Spielen in Tokio aufgrund der Covid-19-Pandemie führte etwa zu deutlich geringeren Emissionen (1,96 Millionen Tonnen CO2). Forschende empfehlen Veranstaltern daher, das Ausmaß von Veranstaltungen zu begrenzen und die Zuschauer zu ermutigen, nachhaltigere Transportmittel zu nutzen.

Frankreichs Lösungsansatz: So sollen Touristen umweltfreundlich zu den Olympischen Spielen reisen

Frankreich setzt sich intensiv dafür ein, die Anreise der Besucher zu den Olympischen und Paralympischen Spielen 2024 in Paris so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten. Ein zentrales Element der französischen Strategie ist die Priorisierung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Stadt Paris hat bewusst beschlossen, keine neuen Parkplätze rund um die olympischen Sportstätten zu schaffen. 80 % der Pariser Veranstaltungsorte befinden sich zudem in einem Umkreis von 10 Kilometern und weniger als einer halben Stunde vom Olympischen Dorf entfernt, was die Nutzung umweltfreundlicher Transportmittel weiter erleichtert. An Wettkampftagen sollen kostenlose und unbegrenzte Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln für Olympia-Ticketinhaber angeboten werden, berichtet die Tourismusagentur Explore France.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Fahrradnetzes. Neue Fahrradwege werden das Stade de France und das Schwimmbad mit dem Olympischen Dorf verbinden. Zusätzlich sollen 10.000 neue Fahrradabstellplätze geschaffen werden, um den Besuchern eine attraktive und umweltfreundliche Alternative zum Auto zu bieten.


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