Nacktporträt von Lucian Freud: Muse erstaunt von heutigem Wert des Gemäldes

Lucian Freud, der Enkel von Sigmund Freud, zählt schon seit vielen Jahren in Großbritannien zu den bedeutendsten Porträtmalern der Moderne. Das wusste auch die Kunstliebhaberin Sophie Church, die sich vor Jahren von dem Künstler nackt porträtieren ließ. Jetzt kommt das Werk unter den Hammer und der Frau fehlen ob der zu erwartenden Summe die Worte.

Vor rund 16 Jahren malte Lucian Freud Sophie Church nackt auf einem weißen Bettlaken. (Bild-Copyright: Chris J Ratcliffe/Getty Images Europe)

Am Dienstag wird das Bild mit dem Titel “Portrait on a white cover” von Lucian Freud im Auktionshaus Sotheby’s versteigert. Experten erwarten hohe Summen. Mehr als 20 Millionen Pfund sollen möglicherweise für das Gemälde geboten werden, umgerechnet fast 23 Millionen Euro. Das Porträt könnte damit als teuerstes je in Großbritannien versteigertes Gemälde in die Geschichte einziehen.

Während die Experten von einem solchen Preis nicht gerade überrascht sind, sorgte die Summe bei einer Frau für ein Feuerwerk der Gefühle: Sophie Church, die damals als Muse für Lucian Freud nackt auf dem Bett posierte. “Sunday Telegraph” zitiert die heute 47-Jährige: “Mir ist die Kinnlade heruntergefallen. Das löst jede Menge Gefühle aus.” Ein Foto, das für das Nachrichtenportal geschossen wurde, zeigt die Frau rund 16 Jahre später vor dem Gemälde.

Ihr Erstaunen rührt nicht etwa daher, dass sich Sophie Church einen finanziellen Gewinn durch den Verkauf erhofft: Von dem Auktionspreis wird sie nichts abbekommen. Sie wurde damals von Freud bezahlt, das Bild ging anschließend in privaten Besitz über. Es sei vielmehr eine emotionale Zeitreise, die sie dank der heutigen Auktion antreten würde.

Im Jahr 2002 traf Sophie Church den Maler das erste Mal. Damals hieß sie noch Lawrence, war allerdings schon mit ihrem heutigen Mann verlobt. Lucian Freud (zu der Zeit 80 Jahre alt) fand Gefallen an der 31-Jährigen und lud sie zum Dinner ein. Perplex wusste sie nicht so recht, mit dem Angebot umzugehen und gestand, bereits in festen Händen zu sein. Doch Freud machte das nichts aus: Er sagte ihr, dass er sie sehr gerne malen würde.

Und das war der Beginn vieler Nackt-Sessions. Rund acht Monate lang posierte Sophie Church für Lucian Freud, fünfmal pro Woche. Währenddessen soll er Gedichte rezitiert oder aus seinem Leben erzählt haben. Nach dieser intensiven Zeit brach der Kontakt zwischen den beiden Kunstbegeisterten jedoch ab. Ganz bewusst, wie Church sich erinnert: “Ich war sehr angetan von ihm. Aber ich wollte nicht, dass die Erinnerung an diese magischen acht Monate von irgendetwas getrübt wird. […] Ich habe ihn nie wieder gesehen.” Im Alter von 88 Jahren, am 20. Juli 2011, verstarb Freud in London. Doch das Gemälde wird lebendige Erinnerungen an die Zeit und an das Schaffen des Malers am Leben erhalten. “Es wird bleiben. Es wird mich überdauern. Das gefällt mir”, so Sophie Church.