Näher an "Westworld" durch Corona? So könnte die Krise zu einem Robotik-Boom verhelfen

Roboter, die so lebensecht aussehen, dass selbst Kollegen sie nicht von einem Menschen unterscheiden können, künstliche Intelligenz, die einen freien Willen anstrebt - die Welt der aktuellen TV-Serie “Westworld” ist reine Science Fiction. Dass Roboter in der Zukunft eine größere Bedeutung in unserem Alltag gewinnen können, sagen Experten jedoch schon lange voraus. Und die Corona-Krise könnte diese Entwicklung noch vorantreiben.

"Westworld" zeigt eine Welt, in der humanoide Roboter denken, fühlen und an der Seite von Menschen arbeiten - reine Science Fiction, doch die Robotik könnte sich in den kommenden Jahren stärker in unserer Gesellschaft verbreiten. (Bild: HBO)

Schließlich müssen sich Roboter auch in einer Pandemie nicht an Abstandsregeln halten, sie niesen und husten nicht und taugen auch nicht als Wirt für ein Virus. Schon jetzt, inmitten der Krise, helfen Leichtbauroboter und Kollaborierende Roboter (sogenannte Cobots) dabei, die Produktion in vielen Firmen aufrechterhalten zu können.

Auch auf Dauer könnte die derzeitige Krise dazu beitragen, dass Roboter vermehrt an der Seite von Menschen zum Einsatz kommen. “Ich bin sicher, dass Automatisierung und Robotik nach Corona einen starken Boom erleben werden”, sagte Helmut Schmid, Deutschland- und Westeuropachef des Industrieroboter-Unternehmens Universal Robots, dem Handelsblatt.

Fiebermessen ohne Ansteckungsgefahr

Denn gerade jetzt zeigt sich, in wie vielen Bereichen die elektronischen Arbeiter anwendbar sind. Während ein großer Teil der Nachfrage aus Industrie und Produktion kam, sieht Schmid das Potential, die Krankenhäuser und Labore zu entlasten, die derzeit personell an ihre Grenzen gebracht werden und dabei stets selbst einem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. “Bei Blutproben zum Beispiel können Roboter helfen, diese sicher zu analysieren”, meint er.

3. Staffel von "Westworld": Wie weit ist die Robotik in der wahren Welt?

Und schon jetzt kommen Roboter in der Corona-Pandemie zum Einsatz. Im chinesischen Wuhan, wo das Virus zum ersten Mal festgestellt wurde, verteilen sie in Krankenhäusern Medikamente, um den Kontakt zu Infizierten zu reduzieren. In Dänemark desinfizieren Putzroboter nicht nur die Gänge der Kliniken, sondern auch die Straßen. Und schon tun sich weitere Optionen auf, vom Fiebermessen über die Unterstützung bei der Körperhygiene, beispielsweise in der Altenpflege, bis hin zum Hochheben von Patienten.

“Pepper” ermahnt Supermarktbesucher

Den zwischenmenschlichen Kontakt in der Pflege werden Roboter nie ersetzen können, doch werden elektronischen Helfern wie “Pepper” von Softbank und Aldebaran Robotics schon freundlichere Züge verpasst: große Augen, der Ansatz eines Lächelns und humanoide Proportionen sollen Vertrauen erwecken.

Roboter "Pepper" findet in der Corona-Krise Einsatz. (Bild: Joan Cros Garcia/Corbis via Getty Images)

Und so taucht “Pepper” derzeit auch an unerwarteten Orten auf. In einer Edeka-Filiale im schleswig-holsteinischen Ahrensburg erinnert der kleine Roboter daran, die Abstandsregeln einzuhalten - mit Erfolg. "Den Sicherheitskräften hat kaum ein Kunde zugehört, aber von 'Pepper' sind die Leute fasziniert", sagte Marktinhaber Christian Höfling der ARD.

Bringt Corona die Robotik-Wende?

Ob sich die Hoffnungen der Branche auf einen Robotik-Boom erfüllen, bleibt abzuwarten. Schließlich sagen ihre Vertreter diese Wende schon lange voraus, während Cobots und Hilfsroboter noch nicht im Alltag angekommen sind. Doch, wie Robotik-Ingenieurin Titanilla Komenda von Fraunhofer Austria dem Handelsblatt sagt: “Wir agieren oft in alten Gewohnheiten. Erst in Krisenzeiten ist man gezwungen, neu zu denken.” Gerade jetzt würde sich aufzeigen, wie viele sinnvolle Anwendungen es für Roboter und Cobots gibt.

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Feststehen dürfte jedoch, dass hochentwickelte Maschinen auch in Zukunft nicht bloß dafür verwendet werden, einen Freizeitpark für Erwachsene zu betreiben. Diese Prämisse der Science-Fiction-Serie “Westworld” bleibt damit nach wie vor ein cleveres Gedankenspiel für philosophische und psychologische Überlegungen. Aktuell laufen die neuen Folgen der dritten Staffel immer montags um 20.15 Uhr auf Sky Atlantic HD. Parallel stehen sie - wie auch die ersten beiden Staffeln - auf Sky Go, On Demand und Sky Ticket auch auf Abruf zur Verfügung.