Nordkorea erklärt den Kriegszustand mit Südkorea

Seoul nennt Drohung mit Atomkrieg "nicht wirklich neu"

Nordkorea hat den Kriegszustand mit Südkorea erklärt und mit einem Atomkrieg gedroht. "Ab sofort befinden sich die interkoreanischen Beziehungen im Kriegszustand und alle Angelegenheiten zwischen beiden Ländern werden nach dem Kriegsprotokoll behandelt", teilte die Regierung in Pjöngjang mit. Die USA erklärten, die Drohung ernst zu nehmen, Südkorea bezeichnete die Erklärung des Nachbarlandes als "nicht wirklich neu".

Die jahrelange Schwebesituation auf der koreanischen Halbinsel, die sich "weder im Frieden, noch im Krieg" befunden habe, sei nun vorüber, hieß es in der von Nordkoreas amtlicher Nachrichtenagentur KCNA verbreiteten Erklärung. Jede militärische Provokation nahe der Land- oder Seegrenze zwischen Nordkorea und Südkorea werde einen "umfassenden Konflikt und einen Atomkrieg" nach sich ziehen.

Die beiden Länder befinden sich formal ohnehin noch im Kriegszustand: Der Korea-Krieg wurde 1953 lediglich mit einem Waffenstillstand beendet. Nach der Verhängung neuer UN-Sanktionen gegen Pjöngjang als Reaktion auf einen dritten Atomtest hatte das Land jüngst auch den Nichtangriffspakt mit Südkorea aufgekündigt.

Vor der Erklärung des Kriegszustandes hatte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un bereits die Raketen des Landes für mögliche Angriffe in Bereitschaft gesetzt, nachdem die USA zwei Tarnkappenbomber nach Südkorea entsandt hatten. Jüngst hatte Pjöngjang mit Angriffen auf Ziele in den USA und Südkorea gedroht. Am Samstag drohte Nordkorea nun auch mit der Schließung des gemeinsam mit Südkorea betriebenen Industriekomplexes Kaesong, wenn Südkorea weiter "rücksichtslose Bemerkungen" mache.

Die USA kritisierten die "neue und unkonstruktive Erklärung aus Nordkorea". "Wir nehmen diese Drohungen ernst und bleiben in engem Kontakt mit unseren südkoreanischen Verbündeten", sagte Caitlin Hayden, Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrats, in Washington. Sie verwies indes darauf, dass Nordkorea eine "lange Geschichte der Kriegsrhetorik und Drohungen" habe.

Ähnlich reagierte Südkorea. "Das ist keine wirklich neue Drohung", sondern vielmehr Teil einer "Reihe provokativer Drohungen", erklärte das südkoreanische Vereinigungsministerium. Das Verteidigungsministerium in Seoul erklärte, jegliche Provokation werde "vollständig vergolten". Bislang sei entlang der gemeinsamen Grenze aber keine entscheidende Truppenbewegung beobachtet worden.

Der Nordkorea-Experte im russischen Außenministerium, Grigori Logwinow, rief alle Beteiligten laut Interfax auf, "größte Verantwortung und Zurückhaltung" zu üben. Moskau könne nicht "gleichgültig sein, wenn die Spannungen an unseren östlichen Grenzen eskalieren".

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) schrieb in einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung, die Drohungen des Nordens seien eine "ernste Gefahr für den Frieden in der ganzen Region". Was auf der koreanischen Halbinsel geschehe, betreffe die "Sicherheitsarchitektur der ganzen Welt", schrieb er in dem vor der Erklärung des Kriegszustands verfassten Beitrag.

Der Chef des Bundesnachrichtendienstes (BND), Gerhard Schindler, sprach in der "Bild am Sonntag" von der Gefahr einer "regionalen Eskalation". Er gehe aber davon aus, "dass Nordkorea keinen Krieg will". Der Washingtoner Nordkorea-Experte Gordon Flake sagte, nach der Aufkündigung des Nichtangriffspakts bekomme der Konflikt mit der Ausrufung des Kriegszustands keine neue Qualität. Es gebe aber "Potential für schnelle Eskalation".

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