"Das ist Sklaventum!": Bei "Rosins Restaurants" bricht dem Sternekoch das Herz

Carmen Schnitzer
·Lesedauer: 4 Min.

Eine überdekorierte "Kitschbude" mit Monster-Speisekarte und ein total überforderter Koch, der Sternekoch Frank Rosin von Herzen leidtat: Die Aufgabe, die es diesmal in der kabel-eins-Doku "Rosins Restaurants" zu bewältigen gab, war klar: "Weniger ist mehr!" Doch ob die Chefin da mitspielte?

Wie eine Sklaventreiberin wirkte die zierliche, freundliche und etwas schüchterne Anja Ippolito (50) in der kabel-eins-Sendung "Rosins Restaurants" nun wahrlich nicht. Und doch kam Sternekoch Frank Rosin (54) nach seiner ersten Begutachtung ihrer Pizzeria "Zur alten Post" im hessischen Bruchköbel zu dem harten Urteil, in ihrer Küche herrsche "Sklaventum".

Den Dreh, der Anfang des Jahrs noch vor der Corona-Krise stattgefunden hatte, hatte Anjas Stiefsohn Angelo initiiert. Er hatte mitbekommen, wie die Witwe seines wenige Monate zuvor an Lungenkrebs verstorbenen Vaters Natale mit der Restaurantführung heillos überfordert war und sich immer weiter in die Schuldenfalle tappte. Wo aber lag das Problem?

Null Italo-Flair, dafür "Monster-Rosins-Rekord"!

Nicht unbedingt am Essen, das Rosin alles in allem okay fand, obgleich ihm an den "Aglio e olio"-Spaghetti etwas Salz fehlte und die Pizza ihm nicht groß genug war. Schließlich sei es eine "eiserne Regel", dass Pizza stets größer als der Teller sein müsse.

Mehr zu meckern hatte er über das überladene Ambiente: Engelsfigürchen, Spruchbilder, Schneekugeln, Muscheln und allerlei anderer Nippes schmerzten schon beim Anblick. "Das hat schon richtig was von einer Kitschbude!", so Rosin. Was dagegen fehlte, war das mediterrane Flair, das man von einem italienischen Restaurant eigentlich erwarten würde.

Am meisten allerdings schockierte Frank Rosin die Speisekarte, auf der sich sage und schreibe 228 (!) Gerichte befanden: "Das ist absolut Monster-Rosins-Rekord!" Nicht nur, dass allerlei deutsche Schnitzelgerichte wie schon die Deko italienische Authentizität vermissen ließen: Der eigentlich durchaus begabte Koch Fabrizio, in dessen Küche noch dazu der Steinofen kaputt war, war ob der nicht zu bewältigenden Masse völlig überfordert, wie er unumwunden zugab - und wie spätestens beim traditionellen Testessen auch deutlich wurde.

Einige der 20 Tester lobten ihn, andere befanden schon die Vorspeise "ungenießbar" und monierten beim Hauptgang den noch rohen Lachs. Sich auf zig unterschiedliche Gerichte gleich gut zu konzentrieren, geht eben einfach nicht. Magere 24 von 50 Punkten konnte das Team um Anja Ippolito schließlich einfahren. Frank Rosin war überzeugt: "Hier hat kein Mitarbeiter Schuld!"

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Angst vor Neuem

Chefin Anja allerdings renne herum "wie Falschgeld", habe keine klare Aufgabe und mache dadurch vieles eher schlimmer als besser. Zudem tat sie sich mit Veränderungen schwer, wie auch ihr Stiefsohn, dessen Frau sowie ihre Tochter Dilara Ecken (26) betonten.

Zum Teil verständlich, das Restaurant war schließlich das Lebenswerk ihres Mannes, und jeder kleine Deko-Kitsch erinnerte an die gemeinsam verbrachten 24 Jahre. Auch die katalogähnliche Speisekarte war seit 20 Jahren dieselbe. Anja zögerte, daran etwas zu verändern. Schließlich gäbe es viele Kunden, die Schnitzel bestellten, das zu streichen wäre doch ein Risiko, glaubte sie. "Das ist überhaupt kein Risiko, null Risiko!", schimpfte indes Rosin. Es sei ein "gastronomischer Trugschluss", dass das Angebot besonders groß sein müsse. Viel wichtiger sei es, sich zu spezialisieren. Anja sollte überdies lernen, eine souveräne Gastgeberin zu sein, anstatt mal hier, mal da ein bisschen mitzumischen.

Gelungener Neustart

Zögerlich ließ sie sich schließlich auf den von Rosin konzipierten Neuanfang ein, auch wenn sie sehr schlucken musste, als Dekoartikel um Dekoartikel und damit ein Stück ihrer Vergangenheit in Kisten verschwand. In der Küche bekam unterdessen Fabrizio von Frank Rosin Tipps, die ihm "neue Motivation zum Kochen" brachten.

Der Bruder eines Sternekochs war begeistert, dass jemand wie Rosin, der selbst kein Italiener war, so viel von mediterraner Kochkultur verstand. Und das Testessen? Bei dem geriet zwar wegen eines Fehlers im Service noch mal einiges durcheinander, doch insgesamt waren die Gäste hochzufrieden. "Gehobene italienische Küche", lobte eine beim ersten Mal sehr kritische Dame diesmal sogar. Insgesamt erhielten Anja und ihr Team 45 von 50 möglichen Punkten. Ihr verstorbener Ehemann Natale sah dem Treiben von einem Foto, das einen Ehrenplatz bekommen hatte, zu, und Frank Rosin war sicher: "Der ist jetzt stolz auf dich!"

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