Diskussionen um «Freiheitstag» am 30. Oktober

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich zufrieden mit dem Ergebnise der bundesweiten Aktionswochen zum Impfen gezeigt.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich zufrieden mit dem Ergebnise der bundesweiten Aktionswochen zum Impfen gezeigt.

Jens Spahn zeigt sich zufrieden mit der Impfaktionswoche, ruft aber Menschen über 60 Jahren erneut zum Impfen auf. Kassenärztechef Andreas Gassen fordert für Ende Oktober einen «Freiheitstag».

Berlin (dpa) - Gesundheitsminister Jens Spahn zieht eine positive Bilanz der Aktionswoche zum Impfen gegen Corona. «Wir haben in der Aktionswoche insgesamt rund 500.000 der wichtigen Erstimpfungen geschafft, etwa die Hälfte dürfte auf Aktionen zurückgehen», sagte er der Funke-Mediengruppe.

Vereine, Organisationen, Privat-Initiativen und Freiwillige hätten bundesweit rund 1500 Impfaktionen auf die Beine gestellt, so der CDU-Politiker. Möglicherweise habe es noch deutlich mehr gegeben. Mit kreativen Aktionen vor Ort sollten Ungeimpfte von einer Corona-Impfung überzeugt werden.

Dennoch zeigte sich Spahn besorgt über die große Gruppe Ungeimpfter in der älteren Bevölkerung: «Von den 24 Millionen Menschen im Alter über 60 Jahren sind knapp vier Millionen noch ungeimpft, das ist fast jeder sechste in dieser Risikogruppe», sagte der Minister. «Würde sich mit der sehr ansteckenden Delta-Variante ein Großteil dieser Gruppe innerhalb weniger Wochen infizieren, dann würden unsere Intensivstationen sehr unter Stress kommen», warnte Spahn.

Inzidenz sinkt weiter

Die Zahl der Neu-Ansteckungen in Deutschland geht indes weiter zurück. So sank die Sieben-Tage-Inzidenz am sechsten Tag in Folge auf 70,5 am Sonntagmorgen (Vortag: 72,0; Vorwoche 80,2; Vormonat: 44,2), wie aus Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervorgeht. Damit scheint die rasante Verschärfung der Infektionslage seit Mitte Juli erstmal gestoppt. Warum das so ist, darüber können Fachleute nur spekulieren.

«Das ist die Gretchenfrage», sagte Dirk Brockmann, der am RKI Epidemiologische Modelle macht, dem «Spiegel» (Samstag). Es könne unter anderem sein, «dass die Tests an den Schulen, die ja durchgeführt werden, jetzt Wirkung zeigen - dass die Kinder also in Quarantäne geschickt und Infektionsketten durchbrochen werden. Eine andere Möglichkeit ist, dass doch mehr Menschen immun sind, also eine Dunkelziffer eine Rolle spielt.» Zudem sei das Impfen wichtig und auch das gute Wetter der letzten Wochen. «All das sind Faktoren, die zusammenspielen, aber unter dem Strich können wir nur Hypothesen aufstellen darüber, warum die Zahlen nicht weiter steigen.»

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, hat für den 30. Oktober die Aufhebung aller Corona-Beschränkungen gefordert. «Nach den Erfahrungen aus Großbritannien sollten wir auch den Mut haben zu machen, was auf der Insel geklappt hat. Also braucht es jetzt eine klare Ansage der Politik: In sechs Wochen ist auch bei uns Freedom Day!», sagte der Kassenärztechef der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Samstag). Über diese Forderung ist eine heftige Diskussion entbrannt.

Lauterbach weiter für 2G

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält dies für «nicht ethisch vertretbar». Die Welle der Pandemie, die dann käme, wäre zu groß, warnte der SPD-Politiker auf Twitter. Besser wäre eine Öffnung, wenn 85 Prozent geimpft seien. Bis dahin sollte die 2G-Regel gelten.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen widersprach Gassen ebenfalls. Die Forderung widerspreche unter anderem der Haltung der Mehrheit der niedergelassenen Ärzte. Für eine Lockerung der Maßnahmen bräuchte es eine Impfquote bei den über 60-Jährigen von deutlich über 90 Prozent, in der Gesamtbevölkerung bei den impffähigen Personen von über 80 Prozent. Er nannte Gassens Vorschlag «zynisch». Auch der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, lehnte Gassens Forderung ab.

AfD ebenfalls für Freiheitstag

Der FDP-Gesundheitsexperte Andrew Ullmann hält eigenen Angaben nach eine Diskussion über eine Aufhebung der Corona-Regeln zwar für richtig. Es sei aber zu früh dafür, ein konkretes Datum zu nennen, sagte Ullmann auf NDR Info .In den kommenden Wochen müsse man die Corona-Entwicklungen genau beobachten.

Zuspruch erhält Gassen derweil von der AfD. Spitzenkandidatin Alice Weidel teilte mit: «Die Kassenärzte wissen besser als alle selbst ernannten Gesundheitsexperten um die Corona-Lage und den Zustand unseres Gesundheitssystems. (...) Die Notlage darf nicht zur neuen Normalität werden. Statt 2G-Regime und Lockdown für Ungeimpfte braucht Deutschland schnellstmöglich den Freiheitstag.»

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