Sturm auf das Kapitol: Angreifer hatte "Lego-Nachbau" des Gebäudes zuhause

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Am 6. Januar haben Anhänger*innen Donald Trumps das Kapitol in Washington gestürmt. Seither wurden über 500 Beteiligte angeklagt. Eine aktuelle Verhandlung zeigt nun: Die Angreifer*innen waren vorbereitet und haben dafür trainiert.

Der Sturm auf das Kapitol ist in vollem Gange: Dabei wurden über 140 Menschen verletzt und mehrere Menschen starben noch an dem Tag oder an den Folgen von erlittenen Verletzungen. Foto: AP Photo / Jose Luis Magana
Der Sturm auf das Kapitol ist in vollem Gange: Dabei wurden über 140 Menschen verletzt und mehrere Menschen starben noch an dem Tag oder an den Folgen von erlittenen Verletzungen. Foto: AP Photo / Jose Luis Magana

Am 6. Januar wurde das Kapitol in Washington gestürmt, von Anhänger*innen des damals noch amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Sie wollten gewaltsam den Senat und das Repräsentantenhaus an der an diesem Tag auf der politischen Agenda stehenden "förmlichen Bestätigung des Wahlsieges" Joe Bidens hindern. Es kam zu Auseinandersetzungen mit der Polizei. Die Folge: mehrere Todesfälle und über 140 Verletzte.

Seither ermittelt die Sicherheitsbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) gemeinsam mit der Polizei in Washington, um die Anführer*innen des als "Sturm auf das Kapitol" bekannt gewordenen Angriffs zu finden. Mehr als 500 Menschen wurden bislang angeklagt.

Waffen und eine MAGA-Mütze

Dazu zählt auch der 27-jährige Robert Morss. Er wurde vergangenen Monat von der Generalstaatsanwaltschaft in Washington angeklagt für "Angriff, Widerstand und Behinderung der Staatsgewalt".

Laut Anklageschrift wurde er identifiziert, wie er beim Sturm auf das Kapitol einen Angriff auf die Polizei angeführt und die Unterstützung von weiteren Randalierenden organisiert haben soll. Er trug dabei militärische Ausrüstung und eine "Make America Great Again"-Mütze auf dem Kopf – den Wahlkampfslogan Donald Trumps.

To-Do-Liste: Sturmgewehr und vier Magazine

Jetzt steht Morss vor Gericht und diese Woche wurden Details aus der Verhandlung bekannt, die exakte Vorbereitungen für den Angriff auf das Kapitol zeigen.

Die Beweise legen eine andere Sichtweise nahe als die, die von Trump-Anhänger*innen lange verbreitet wurde: Dass der Sturm auf das Kapitol spontan und aus einer angeheizten Stimmung heraus entstanden sei.

Doch wie das Online-Medium "The Smoking Gun", es hat sich auf die Veröffentlichung von Gerichtsdokumenten und polizeilichen Ermittlungen spezialisiert, jetzt gezeigt hat, war Morss' Präsenz alles andere als spontan. Er war nicht zufällig dort, sondern "vorbereitet und gewaltbereit".

Er besaß zuhause ein, so steht es in seinem Verhaftungsprotokoll, „vollständiges Modell des Kapitols aus Lego“. Außerdem militärische Ausrüstung, eine Handfeuerwaffe, eine Schrotflinte und ein Gewehr. Zudem wurde ein Notizbuch sichergestellt, das eine To-Do-Liste enthält. Darin steht: „Wie wird ein Hinterhalt durchgeführt“. Und: "Sich auf einen Kampf vorbereiten". Weiterhin: "Sturmgewehr nicht vergessen, dazu vier Magazine".

Der Angeklagte, das schreibt die New York Post, sitzt derzeit in Untersuchungshaft und wird dort auch bis zum Ende seiner Verhandlung verbleiben.

Eindrucksvolle Video zeigt Sturm auf das Kapitol

Wer sich einen eigenen Eindruck vom Sturm auf das Kapitol machen will, kann sich auf Youtube das folgende Video der Washington Post anschauen. Dem knapp fünfzehnminütigen Video ist allerdings eine Warnung vorangestellt: "Es wird Gewalt gezeigt".

Das Video vermittelt einen hautnahen Eindruck des Angriffs. Es ist eine Montage aus unzähligen Videoschnipseln, Fotos und weiteren Social-Media-Beiträgen, die von Beteiligten an dem Angriff selbst veröffentlicht worden waren – aber auch von den bedrohten Politiker*innen innerhalb des Gebäudes. Dazwischengeschnitten wurden dreidimensionale Darstellungen des Kapitols. Sie zeigen, wo sich zu jedem Zeitpunkt die Personen befinden, aus deren Sicht die Szenen gerade gezeigt werden. Alle Beiträge wurden von der Washington Post "digital-forensisch" untersucht, um ihre Echtheit nachzuweisen.

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