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The Social Pulse: Edeka "steht auf gegen Rechts" – und räumt die Regale leer

Vielfalt bedeutet in einem Supermarkt: In den Regalen finden sich Produkte aus allen Teilen der Welt. Edeka zeigt nun in einem Spot, was es bedeuten wurde, wenn deutsche Geschäfte nur auf deutsche Produkte setzen würden.

Weniger (Produkt-)Vielfalt heißt (fast) leere Regale in den Supermärkten – so die Botschaft einer Edeka-Kampagne. (Symbolbild: Getty Images)
Weniger (Produkt-)Vielfalt heißt (fast) leere Regale in den Supermärkten – so die Botschaft einer Edeka-Kampagne. (Symbolbild: Getty Images)

"Ausländer raus", lautet ein Slogan Rechtsextremer, und dass sie diesen allzu gerne in die Tat umsetzen wollen und wie sie das tun würden, haben wir die Tage hinlänglich erfahren können. Wenn Deutschland aber nur deutsch wäre und weniger vielfältig, wie ginge es in unserem Land dann zu? Mindestens langweilig wäre es. Und wir wären arm dran – buchstäblich. Das bringt Edeka mit einem eindrücklichen Slogan zum Ausdruck. Die Supermarktkette machte in einer Hamburger Filiale die Probe aufs Exempel und entfernte aus den Regalen sämtliche Produkte aus dem Ausland. In einem solchen Supermarkt würden wir nicht einkaufen wollen.

"Wir lieben Vielfalt und stehen auf gegen Rechts!", schreibt Edeka auf dem sozialen Netzwerk Instagram. Der Satz ist Teil einer Kampagne, die der Konzern schon 2017 lanciert hatte und die er nun aus aktuellem Anlass hat wiederaufleben lassen. Denn, das betont Edeka im selben Post, das Thema sei "so aktuell wie nie".

"Deutschland wäre ärmer ohne Vielfalt"

In einem ebenfalls wieder in Umlauf gebrachten Werbespot ist zu sehen, wie Mitarbeiter in einem Edeka-Markt die Regale leerräumen. Entfernt werdend sämtliche Produkte, die außerhalb Deutschlands hergestellt wurden. "Stellen Sie sich einen Supermarkt vor", heißt es in einer Einblendung, "in dem es nur deutsche Produkte gibt." Wir brauchen es uns nicht vorzustellen, im Clip ist das Ergebnis zu sehen. Es bleibt nicht viel übrig im Geschäft, die Regale sind so gut wie leergeräumt, der Markt eine Wüstenlandschaft. "Es ist ja nichts da, was wir sonst essen", sagt eine Kundin.

In einer weiteren Einstellung erklärt ein Mitarbeiter einem Kunden, wie ein rein "deutscher" Supermarkt aussehen würde: Es gäbe "viel weniger Vielfalt". Nächste Einstellung: Ein Schild ist auf einem Regal platziert, auf dem zu lesen ist: "Deutschland wäre ärmer ohne Vielfalt". Aber so etwas wäre doch "Unsinn", sagt eine Kundin, "wir sind doch ein offenes Land." Ein Mann mit einem Kind in seinem Armen ist auch dieser Ansicht: "Die Welt", sagt er, "ist so bunt, wie wir verschieden sind. Und das ist schön."

Aufbegehren gegen Rechtsextremismus

Mit der Aktion hatte Edeka es seinerzeit getan und tut es nun erneut, nämlich "ein Zeichen setzen". Ein Zeichen "für Vielfalt" und also gegen Rassismus. Die Kampagne ist, wenn man so will, ein Ausdruck des Widerstandes – ähnlich der Proteste hunderttausender Menschen, die in den vergangenen Tagen auf die Straße gingen, um ihrer Empörung über rechte Tendenzen in Deutschland Luft zu machen. Den Demonstrationen war die Berichterstattung des Netzwerks Correctiv über ein Treffen von Neonazis mit AfD- und CDU-Politikern in einem Potsdamer Hotel am 25. November 2023 vorausgegangen. Bei dem "Geheimplan gegen Deutschland", so Correctiv, ging es darum, wie Migranten aber auch Deutsche mit Migrationshintergrund massenhaft aus Deutschland vertrieben werden könnten.

Infografik: Wie viele Deutsche wollen die AfD wählen? | Statista
Infografik: Wie viele Deutsche wollen die AfD wählen? | Statista

"Applaus für diese Aktion" – Stimmen aus dem Netz

Über die Aktion Edekas wird in den sozialen Netzwerken heftig debattiert. Ein großer Teil der Nutzer befürwortet die Kampagne. "Sehr schön, danke Edeka", schreibt eine Nutzerin. "Stark", heißt es in einem zweiten Kommentar. Ein Nutzer ist der Ansicht: "Besser kann man es nicht demonstrieren… wie wichtig Vielfalt ist…". Ein anderer meint: "Ich finde die Message richtig und wichtig !!" Eine Nutzerin fordert, einen "ganz großen Applaus für diese Aktion". Ein Mann findet, es sei "eine unfassbare gute Werbung mit einer tollen Nachricht dahinter."

In Deutschland gingen in den vergangenen Tagen hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus und für Demokratie zu demonstrieren. (Bild: Johannes Simon/Getty Images)
In Deutschland gingen in den vergangenen Tagen hunderttausende Menschen auf die Straße, um gegen Rechtsextremismus und für Demokratie zu demonstrieren. (Bild: Johannes Simon/Getty Images)

Doch es gibt auch kritische Stimmen. "Was haben die Lebensmittel mit Rechts zu tun, vor allem wer soll hier rechts sein?", fragt jemand. Ein anderer Nutzer glaubt, dass Edeka mit der Werbung ein "Eigentor" geschossen habe. "Es ist doch irgendwie peinlich", schreibt er, "dass gerade bei Edeka 99% aller Waren anscheinend aus dem Ausland sind... Regionalität und Ökologie sollten doch an erster Stelle stehen." Mit der Meinung steht er nicht alleine da. Ja, aber… – so ließe sich das Gegenargument auf einen Nenner bringen. "Selbst wenn man regional unterstützt", schreibt eine Frau, "Bananen wachsen nunmal nicht in der gemäßigten Zone."

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