Coronavirus: Weitere Infektionen in Baden-Württemberg

Nach mehreren anderen europäischen Ländern hat das neuartige Coronavirus auch Deutschland wieder erreicht. Die Bundesregierung bewertet die Situation neu.

Ärzte versorgen eine Corona-Patientin in Wuhan (Bild: Costfoto/Barcroft Media via Getty Images)

Das Wichtigste in Kürze:

  • Bestätigte Fälle in China: 78.073 (Todesfälle: 2715, geheilt: 30.049)

  • Bestätigte Fälle außerhalb Chinas: 3218 (Todesfälle: 55, geheilt: 310)

  • Bestätigte Fälle in Deutschland: 19 (Todesfälle: 0, geheilt: 15)

  • Bestätigte Fälle in Italien: 383 (Todesfälle: 12, geheilt: 3)

  • Erste Infektionen in Baden-Württemberg und NRW

  • Bundesregierung sieht “neue Situation”

  • Bundespolizei stoppt Regionalzug

  • Verdachtsfall in der Bundeswehr

  • Weitere Infektionen in Nachbarländern Italiens

  • Erster Fall in Südamerika

Neue bestätigte Corona-Erkrankung in Rottweil

Nach den beiden positiven Testergebnissen am Mittwoch in Tübingen, hat das Landesgesundheitsamt am Mittwochabend einen weiteren Corona-Fall in Rottweil bestätigt. Die Zahl der Infizierten in Baden-Württemberg steigt damit auf vier.

Beim aktuellsten Fall handelt es sich um einen 32-Jährigen aus dem Landkreis Rottweil, der mit seiner Familie am 23. Februar aus dem italienischen Risikogebiet (Provinz Lodi, Codogno) eingereist ist.

Aufgrund grippeähnlicher Symptome meldete sich der Mann beim örtlichen Gesundheitsamt. Am frühen Mittwochabend wurde der Corona-Verdacht schließlich bestätigt. Der 32-Jährige wird nun isoliert von anderen Patienten behandelt. Seine mitgereiste Frau und sein Kind wurden negativ getestet.

Regionalzug wegen Virus-Verdacht gestoppt

In Idar-Oberstein (Rheinland-Pfalz) hat die Bundespolizei am Mittwoch einen Regionalzug mit etwa 70 Passagieren wegen Coronavirus-Verdachts angehalten. Es habe eine Hinweis gegeben, dass sich einer der Reisenden möglichweise mit dem Coronavirus infiziert habe, so Stefanie Schneider, Sprecherin des rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium am Mittwoch zur BILD.

„Die Person im Zug stellte bei sich selbst Symptome fest und wandte sich an das Zugpersonal. Im Bahnhof wurde die Person von der Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Birkenfeld untersucht und danach mit einem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht. Von den Mitreisenden wurden die Personalien aufgenommen.“

Zwei weitere Coronavirus-Infektionen in Baden-Württemberg

In Baden-Württemberg haben sich zwei weitere Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Nach dem ersten Fall im Kreis Göppingen seien zwei Infektionen am Uniklinikum in Tübingen bestätigt worden, teilte das Krankenhaus am Mittwoch mit. Einer der beiden infizierten Patienten in Tübingen ist als Oberarzt in der Pathologie des Universitätsklinikums beschäftigt. Der 60-Jährige soll seit dem Wochenende auch Kontakt zu anderen Medizinern gehabt haben - diese Kontakte seien vollständig erfasst, teilte das Klinikum am Mittwoch in Tübingen mit. Es seien ein Dutzend Oberärzte getestet und “aus der Krankenversorgung rausgenommen worden”. Sie seien unter Beobachtung.

Auch die 24 Jahre alte Tochter des Mannes ist mit dem Virus infiziert und wird isoliert behandelt. Sie hatte den ersten baden-württembergischen Patienten, einen 25-Jährigen aus dem Kreis Göppingen, nach Mailand begleitet. In Norditalien gibt es derzeit besonders viele infizierte Kranke.

Kurz vor Bekanntwerden der beiden neuen Fälle hatte der baden-württembergische Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) Einzelheiten zum “Patienten Null”, einem 25-jährigen Mann aus Göppingen, bekanntgegeben. Der Fall war am Dienstagabend bekannt geworden. Nach Angaben Luchas hatte der junge Mann gemeinsam mit einer Freundin Mailand besucht. Zwei Tage nach den ersten Symptomen meldete er sich beim Gesundheitsamt. Dem Patienten gehe es gut, sagte Stefan Brockmann, der Leiter des LGA-Kompetenzzentrums Gesundheitsschutz.

Der Zustand des Coronavirus-Patienten in NRW war am Mittwoch nach Angaben des Gesundheitsministeriums kritisch. Auch seine Frau war positiv getestet worden.

Der Mann war am Montag mit Symptomen einer schweren Lungenentzündung in einem Krankenhaus in Erkelenz im Kreis Heinsberg bei Aachen auf der Intensivstation isoliert worden. Nach dpa-Informationen ist er Mitte 40 und leidet an einer Vorerkrankung. Er hatte nach Angaben des Heinsberger Landrats Stephan Pusch Kontakt mit einem Bekannten, der sich geschäftlich in letzter Zeit in China aufgehalten habe.

Bundesregierung sieht “neue Situation”

Angesichts der Ausbreitung des neuen Coronavirus in Europa und Deutschland spricht die Bundesregierung von einer “neuen Situation”. Das Virus sei deutlich nähergerückt, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin. In Deutschland waren am Dienstagabend zwei neue Fälle und am Mittwoch ein Fall bekanntgeworden. Ein Patient in Nordrhein-Westfalen wurde in der Nacht in kritischem Zustand auf die Intensivstation der Uniklinik Düsseldorf gebracht und isoliert. Auch bei einem Mann aus Baden-Württemberg wurde der Erreger Sars-CoV-2 bestätigt. Zudem wurden weitere Fälle in Asien, Afrika, Südamerika und weiteren europäischen Ländern bekannt.

In Deutschland waren schon vor einiger Zeit erste Infektionen mit Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann, nachgewiesen worden: vor allem bei einer Firma in Bayern, aber auch bei Rückkehrern aus Wuhan. Diese Fälle führten aber nicht zu weiteren bekannten Ansteckungen.

Angesichts der Entwicklung sagte Regierungssprecher Seibert, bisher sei es gelungen, einzelne Infizierte zu isolieren und somit eine Ausbreitung zu verhindern. Die Regierung bereite sich aber auf eine mögliche Zunahme der Fallzahl vor. Eine Expertengruppe mehrerer Bundesministerien wollte demnach am Mittwoch erneut im Kanzleramt zusammenkommen. Mit den Gesundheitsbehörden vor Ort werde geprüft, welche Maßnahmen nötig seien, um das Virus einzudämmen.

(Grafik: dpa)

So würden etwa Risikogruppen identifiziert, sagte eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Das Robert Koch-Institut (RKI) werde alle zwei Tage die Öffentlichkeit per Pressebriefing unterrichten. Auf die Frage, ob die Gesundheitsämter personell besser ausgestattet werden sollten, sagte die Sprecherin, deren Ausstattung sei Sache der Länder und Kommunen. Mit den Ländern stehen man aber in Kontakt.

Vom Robert Koch-Institut (RKI) hieß es, Ziel in Deutschland sei es, eine Erkrankungswelle hinauszuzögern, um zu vermeiden, dass die Covid-19- und die derzeitige Grippewelle zusammenfallen.

Stützpunkt vorübergehend geschlossen: Soldat wird getestet

Der Militärflughafen Köln-Wahn ist am Mittwoch aus Sicherheitsgründen im Zusammenhang mit dem Coronavirus vorübergehend geschlossen gewesen. Ein Soldat der Anlage, die auch Sitz der Flugbereitschaft ist, wurde auf eine mögliche Infektion getestet. Die Untersuchung laufe am Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz, sagte ein Luftwaffen-Sprecher in Berlin. “Weil es keine Symptome gibt, gilt er nicht als Verdachtsfall, sondern als Kontaktperson”, sagte er. Bis zur Klärung der Lage seien die Kasernentore zu gewesen, sagte der Sprecher. “Diese Sperrung ist mittlerweile aufgehoben”, sagt er weiter.

Der Soldat hatte nach dpa-Informationen auf einer Karnevalsveranstaltung Kontakt zu einem Infizierten aus Nordrhein-Westfalen. Der Test gehört nach Angaben der Bundeswehr zu den Sicherheitsmaßnahmen, die auch ohne Anzeichen auf eine Erkrankung ergriffen werden. Ein Ergebnis wurde im Laufe des Abends erwartet.

Internetseiten der Gesundheitsbehörden überlastet

Deutsche Gesundheitsbehörden haben mit hohen Zugriffszahlen bei ihren Internet-Angeboten zu kämpfen. Vor dem Hintergrund des neuartigen Coronavirus seien die Server überlastet, hieß es am Mittwoch auf Anfrage bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin twitterte: “Der Zugriff auf die RKI-Internetseite ist derzeit eingeschränkt, wegen stark erhöhter Zugriffszahlen.” Das Bundesgesundheitsministerium hatte am Dienstag auf Twitter von der eingeschränkten Verfügbarkeit der Startseite der eigenen Webseite berichtet.

Immer mehr Fälle in Europa

Unterdessen wurden Fälle aus anderen europäischen Ländern bekannt. Kroatien, Österreich und die Schweiz meldeten am Dienstag Sars-CoV-2-Fälle. In Italien seien 374 Menschen infiziert und davon 12 gestorben, gab der Zivilschutz in Rom bekannt. In Frankreich starb ein 60-jähriger Franzose an Covid-19.

Grafik-Karte Nr. 100624, Hochformat 90 x 120 mm, "Vom Coronavirus betroffene Regionen und Sperrgebiete in Italien", Grafik: A. Brühl, Redaktion: D. Loesche

In Spanien, wo es bereits Fälle auf Inseln gegeben hatte, erreichte das Virus das Festland. Am Mittwoch gab es weitere Infektionen in Madrid, Sevilla, Barcelona, Castellón in Ostspanien und auf Teneriffa. Dort wurde ein Hotel mit rund 1000 Touristen - darunter auch Deutsche - praktisch unter Quarantäne gestellt. In Griechenland wurde die erste Infektion bei einer 38-jährigen Frau bestätigt. Sie hatte Norditalien besucht und werde in einer Klinik in Thessaloniki isoliert, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Litauen ruft vorsorglich Notstand aus

Das baltische EU-Land Litauen hat als vorbeugende Maßnahme gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus den landesweiten Notstand ausgerufen. Der Schritt sei angesichts der wachsenden Zahl von Coronavirus-Fällen in der Welt und der Ausbreitung der Infektion mit dem Erreger Sars-CoV-2 in Europa unternommen worden, sagte der stellvertretende Gesundheitsminister Algirdas Seselgis der Agentur BNS zufolge am Mittwoch in Vilnius. In Litauen sind bislang noch keine Fälle nachgewiesen worden.

Nach Regierungsangaben soll die Notstandserklärung dazu beitragen, die Arbeit der zuständigen Institutionen einfacher zu koordinieren. Auch könnten damit im Ernstfall rasch staatliche Ressourcen mobilisiert werden, hieß es in einer Mitteilung.

Coronavirus: Erster Fall in Südamerika

In Brasilien wurde am Dienstag in São Paulo der erste Fall in Südamerika registriert, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Das Portal “G1” berichtete, der 61-Jährige sei zuvor nach Norditalien gereist. Nach Ägypten meldete mit Algerien das zweite afrikanische Land einen Coronavirus-Fall. Der italienische Patient sei Anfang voriger Woche eingereist, teilte das Gesundheitsministerium am Dienstagabend mit.

WHO besorgt über Situation in Afrika

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Dienstagabend, das Fenster, das Afrika zur Vorbereitung auf Erkrankungen habe, schließe sich. “Alle Länder müssen ihre Vorbereitungsmaßnahmen beschleunigen”, sagte der WHO-Regionaldirektor für Afrika, Matshidiso Moeti. Bisher hatte Ägypten als erstes Land in Afrika eine Infektion mit Sars-CoV-2 gemeldet.

Computermodell des neuartigen Coronavirus (Bild: NEXU Science Communication via Reuters)

In Iran stieg die Zahl der Covid-19-Toten von 15 auf 19, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch bekanntgab, Demnach wurde das Virus inzwischen bei insgesamt 135 Menschen aus verschiedenen Teilen des Landes bestätigt. In Südkorea kletterte die Zahl der Infektionen um 284 Fälle auf rund 1260 - darunter ein Soldat der US-Streikräfte. Bisher brachten die Behörden zwölf Todesfälle mit dem Virus in Verbindung. Außerhalb von Festlandchina wurden bislang aus rund 40 Ländern und Regionen rund 3000 Infektionen und rund 50 Todesfälle berichtet, so das chinesische Internetunternehmen Tencent.

Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Wie hoch ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung in Deutschland?

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) müsse mit einem weiteren Import von Fällen nach Deutschland gerechnet werden. Auch weitere Übertragungen von Sars-CoV-2, Infektionsketten und Ausbrüche im Land seien möglich. Lokale Infektionen könnten dabei zunächst unerkannt bleiben, sagte der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lars Schaade, am Mittwoch im RBB. Es sei “durchaus möglich, dass wir nicht alle diese Ausbrüche sofort erkennen”. Man müsse damit rechnen, dass es dadurch zu einer weiteren Ausbreitung komme. Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland schätzen die Experten aktuell als gering bis mäßig ein.

Was würde ein größerer Ausbruch in Deutschland für das Gesundheitssystem bedeuten?

Eine Infektionswelle hierzulande könnte unter anderem volle Wartebereiche und Arztpraxen, belegte Intensivbetten und vollkommen überlastete Gesundheitsämter bedeuten, hatte der Berliner Virologe Christian Drosten kürzlich erklärt. Als problematisch sehen Experten, dass derzeit auch die jährliche Grippewelle durch Deutschland rollt - und das Gesundheitssystem bereits stark beansprucht. Aus diesem Grund sei es das Ziel, die Ausbreitung des Coronavirus möglichst hinauszuzögern, wie das Robert Koch-Institut (RKI) kürzlich erklärte. “Wir müssen mit angemessenem Aufwand versuchen, die Ausbreitung zu verlangsamen, um einen intensiven Belastungspuls auf das Gesundheitssystem abzumildern”, sagte Drosten. “Die Zahl der Infektionen sollte über eine möglichst lange Zeit ausgedehnt werden.”

Rückkehrer aus Hubei kommen in einem zu einer Quarantänestation umgerüsteten Hotel an (Bild: Tom Weller/dpa)

Wie ansteckend ist das neue Coronavirus?

Ein Wert, wie viele andere Menschen ein Infizierter im Mittel ansteckt, lässt sich noch immer nicht gesichert angeben. Das Virus verbreitet sich durch Tröpfcheninfektion etwa beim Husten und Sprechen. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Virus auch über das Verdauungssystem und zumindest einige Tage über Oberflächen verbreitet werden kann. Ein bisher unterschätztes Risiko sei womöglich, dass in Stuhlproben von Patienten in der Initialphase einer Covid-19-Erkrankung “durchaus relevante Mengen” von Sars-CoV-2 nachweisbar seien, hatte etwa Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie und Tropenmedizin an der München Klinik Schwabing, erklärt.

Wie gefährlich ist das Virus?

Das ist noch immer eine schwierige Frage. Für eine abschließende Beurteilung der Schwere der neuen Atemwegserkrankung liegen gegenwärtig nicht genügend Daten vor, sagt etwas das RKI. Nach einer kürzlich von Chinas Gesundheitsbehörde vorgestellten Analyse sterben im Land 2,3 Prozent der mit Sars-CoV-2 Infizierten. Betroffen sind demnach vor allem alte Menschen und solche mit schweren Vorerkrankungen wie Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Bei Menschen über 80 Jahren liegt die aus den dort vorliegenden Daten errechnete Todesrate bei knapp 15 Prozent, es sterben also in dieser Altersgruppe in China im Mittel etwa 15 von 100 Infizierten. In der Gruppe der 10 bis 39 Jahre alten Menschen sterben 0,2 Prozent der Infizierten, also etwa 2 von 1000 Betroffenen.

Experten gehen davon aus, dass die Sterblichkeit eigentlich geringer ist als in China errechnet, unter anderem weil in der chinesischen Statistik viele mild verlaufende Infektionen gar nicht erfasst werden. Gesicherte Analysen zur Sterblichkeit aus anderen Ländern gibt es bisher aber nicht.

Welche Symptome verursacht das neue Coronavirus?

Die meisten Menschen haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. Hinzukommen können Fieber, Husten und Atemprobleme, wie sie auch bei einer Grippe auftreten. Auch Kopfschmerzen oder Durchfall sind möglich.

Nach Angaben der chinesischen Gesundheitsbehörde komme es bei mehr als 80 Prozent der Infizierten zu milden Infektionsverläufen, knapp 14 Prozent erkranken schwer. Bei knapp fünf Prozent komme es zu lebensbedrohlichen Auswirkungen wie Atemstillstand, septischem Schock oder Multiorganversagen.

Die Inkubationszeit - der Zeitraum zwischen Infektion und Beginn von Symptomen - beträgt nach derzeitigem Stand meist 2 bis 14 Tage. Das ist der Grund dafür, dass Verdachtsfälle zwei Wochen isoliert werden.

Wie lässt sich die neue Lungenkrankheit behandeln?

Eine spezielle Therapie für die Erkrankung Covid-19 gibt es nicht. Schwer erkrankte Patienten werden symptomatisch behandelt: mit fiebersenkenden Mitteln, der Therapie etwaiger bakterieller Zusatzinfektionen und mitunter mechanischer Beatmung. In Einzelfällen werden auch antivirale Medikamente getestet.

Gibt es eine schützende Impfung?

Nein. Etliche Labors weltweit forschen derzeit an Impfstoffen wie es sie auch für die Grippe gibt. Die Entwicklung einer Schutzimpfung nimmt aber viel Zeit in Anspruch. WHO-Chefwissenschaftlerin Soumya Swaminathan glaubt, dass erste Impfstoff-Tests an Menschen in drei bis vier Monaten beginnen könnten. Ein zertifizierter Impfstoff für weitreichenden Einsatz stehe aber wohl erst in 18 Monaten zur Verfügung.

Menschen in Hongkong warten in einer Schlange vor einem Laden auf eine Lieferung von chirurgischen Masken (Bild: Aidan Marzo/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa)

Das US-Biotechunternehmen Moderna hatte berichtet, einen Impfstoff-Kandidaten entwickelt und an das US-National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID) geliefert zu haben. Dessen Direktor Anthony Fauci kündigte laut CNN erste klinische Studien für Ende April an. Auch er rechnete demnach damit, dass es ein bis anderthalb Jahre dauere, bevor ein Impfstoff verfügbar ist.

Wie kann ich mich sonst vor einer Ansteckung schützen?

Zum Schutz vor diesem wie auch anderen Viren empfehlen Experten gewöhnliche Hygienemaßnahmen: regelmäßiges Händewaschen, Desinfektionsmittel und Abstand zu Erkrankten. Den Nutzen von normalen Atemmasken - wie derzeit in China und anderen Ländern überall auf den Straßen zu sehen - schätzen Experten als eher gering ein. Helfen kann es, Umarmungen und Händeschütteln einzuschränken und von vielen Menschen berührte Oberflächen wie Türklinken, Haltegriffe und Aufzugknöpfe nicht anzufassen.

Kann ich mich anstecken, wenn ich ein Paket aus China oder anderen Risikogebieten bekomme?

Grundsätzlich sei unklar, wie lange das Virus auf Oberflächen überlebt, sagt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Studien legten nahe, dass es einige Stunden oder Tage seien - abhängig von Bedingungen wie Oberfläche, Temperatur oder Feuchtigkeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Infizierter Waren mit dem Virus verunreinigt, stuft die Behörde als gering ein. Auch das Risiko, dass sich ein Empfänger über ein Paket ansteckt, das auf dem Transport unterschiedlichen Bedingungen und Temperaturen ausgesetzt ist, sei gering.

Importierte Lebensmittel und Waren wie Spielzeug, Computer oder Kleidung seien als Infektionsquellen ebenfalls unwahrscheinlich, sagt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Experten betonen, wie wichtig es ist, allgemeine Hygieneregeln zu beachten, also etwa sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Was tue ich, wenn ich fürchte, mich angesteckt zu haben?

Wer Kontakt zu einem Infizierten hatte, sollte sich laut RKI zunächst bei seinem Gesundheitsamt melden, unabhängig davon, ob Symptome aufgetreten sind oder nicht. Reisende aus Risikogebieten, die Symptome haben, sollen nach telefonischer Voranmeldung mit Hinweis auf die Reise einen Arzt aufsuchen.

Was darf der Staat im Ernstfall?

Das Wesentliche regelt das bundesweit gültige Infektionsschutzgesetz (IfSG). Ein Sprecher des bayerischen Gesundheitsministeriums fasst zusammen: “Wenn es erforderlich ist, können auch wichtige Grundrechte wie Freiheit der Person, Versammlungsfreiheit oder Unverletzlichkeit der Wohnung sowie das Recht auf körperliche Unversehrtheit eingeschränkt werden.” Behörden dürfen laut dem Bayreuther Staatsrechtler Stephan Rixen Blutentnahmen und Abstriche von Haut und Schleimhäuten verlangen. Auch “Krankheitsverdächtigen” und “Ansteckungsverdächtigen” - wie das Gesetz es ausdrückt - könne ein Berufsverbot auferlegt werden. Zum Schutz anderer könnten Menschen auch “in einem geeigneten Krankenhaus oder in sonst geeigneter Weise abgesondert werden”, heißt es im Gesetz.

(mit Material von dpa und AFP)