Alltagsrassismus? “Sarotti-Mohr” sorgt für heftige Diskussion

Verschiedene “Sarotti-Mohr”-Figuren sind im Schokoladenmuseum in Köln zu sehen. (Bild: AP Photo/Hermann J. Knippertz)
  • Der “Sarotti-Mohr” sorgt zurzeit für hitzige Diskussionen
  • Der Grund: politische Korrektheit und Rassismus im Sprachgebrauch und im öffentlichen Leben

Es ist eine alte Streitfrage: Sollen vermeintlich negativ assoziierte Ausdrücke wie “Mohr” in der Werbung und im öffentlichen Leben noch verwendet werden dürfen? Was die einen als Political-Correctness-Wahn abtun, ist für die anderen eine völlig logische Konsequenz, um Alltagsrassismus zu bekämpfen.

Wie zahlreiche Medien berichten, ist es zurzeit vor allem der Hersteller der beliebten Sarotti-Schokolade, der für Diskussionen diesbezüglich sorgt – denn dessen “Mohren”-Embleme sind immer noch in der Öffentlichkeit präsent. So ist die Werbefigur beispielsweise im Mannheimer Kulturzentrum Capitol zu finden, das dafür nun reichlich Kritik erntet. Auslöser war eine Diskussionsveranstaltung vergangenen Oktober, bei dem die Dekoration auf viel Unverständnis stieß.


Symbol des Alltagsrassismus

Was für manche Menschen eine harmlose Werbefigur oder eine Kindheitserinnerung ist, die eben aus einer anderen Zeit stammt, ist sie für andere Leute ganz anders konnotiert: Der “Mohr” sei nicht nur eine abfällige Bezeichnung, sondern auch ein Symbol des Rassismus und Kolonialismus und seine Darstellung und Weiterverwendung sei völlig unsensibel gegenüber schwarzen Menschen.

Die Hersteller der Schokolade, die Firma Stollwerck in Norderstedt, weist die Kritik von sich. “Aus unserer Sicht gibt es keine Veranlassung, die Marke Sarotti in diese fragwürdige Interpretation zu bringen”, richtet Stollwerck in einem Statement aus. Das Wort “Mohr” habe laut einer Sprecherin des Unternehmens keine negative Konnotation. Allerdings hat die Firma ihr Logo bereits vor Jahren geändert: aus dem “Mohren” wurde ein Magier mit goldenem Hautton.

Auch “Mohren-Apotheke” sorgte für Diskussion

Eine ähnliche Diskussion gab es bereits vor längerer Zeit in Frankfurt. Dort wollte der Ausländerbeirat erreichen, dass zwei Apotheken namens “Mohren-Apotheke” umbenannt werden – vergeblich. Auch das Capitol in Mannheim entschied sich dafür, die umstrittene Figur in ihrem Haus zu belassen – jedoch in anderer Form zu präsentieren. “Ihre Haltung wird aber verändert. Sie soll zum Symbol für unseren Wunsch werden, mit unseren Gästen dauerhaft im Gespräch zu bleiben”, so die offizielle Erklärung. Man wolle damit zum Gespräch anregen. Wie genau das aussehen soll, ist bis dato nicht bekannt.

Die ehemalige Co-Vorsitzende der Alevitischen Gemeinde Deutschlands Ruhan Karakul kritisiert diese Entscheidung und befürchtet eine “karnevaleske Verzerrung” der Figur. Sie hatte als einziges Mitglied im Beratergremium des Capitols gegen den Verbleib der Figur gestimmt.

Mit Fantasiefiguren warb der Modehersteller Prada in einem Geschäft in Manhattan im Schaufenster für eine neue Mode- und Schmucklinie und musste sich Rassismussvorwürfen stellen: