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ARD-Doku zeigt eindrücklich: So gespalten sind die USA vor den Wahlen wirklich

Sharon Anderson unterstützt Trump. Sie habe sich in den USA
Sharon Anderson unterstützt Trump. Sie habe sich in den USA

Die USA stehen abermals vor einem polarisierenden Wahlkampf. Wie gespalten ist das Land im Jahr der Präsidentschaftswahlen? Was ist vom Schlagabtausch zwischen Biden- und Trump-Anhängern zu erwarten? "WTF USA?!" fragt eine "Weltspiegel"-Doku, die beide Lager beleuchtet.

Was zum Teufel ist da eigentlich los? Diese Frage kommt unweigerlich auf, blickt man dieser Tage auf die Vereinigten Staaten. Wenige Monate vor den Präsidentschaftswahlen erscheint das Land tief gespalten - wenn nicht zerrissener denn je.

Auf der einen Seite steht mit Ex-Präsident Donald Trump ein Kandidat, der eine glühende Anhängerschaft hinter sich weiß und für den Fall eines Wahlsieges schon jetzt über diktatorische Maßnahmen nachdenkt, um die Entscheidungen des Amtsinhabers rückgängig zu machen. Ihm gegenüber steht besagter Präsident Joe Biden, der mit 81 Jahren nochmals antritt, um nach Eigenaussage die Demokratie zu verteidigen.

Reise durch ein gespaltenes Land: Der
Reise durch ein gespaltenes Land: Der

Alles wie 2020 - nur noch mal schärfer

"WTF USA?!", fragt bemerkenswert pointiert eine "Weltspiegel"-Dokumentation im Ersten (ab sofort in der Mediathek) angesichts dieser angespannten und hochbrisanten Lage. Wie unversöhnlich stehen sich die Lager gegenüber? Wie blicken sie auf die US-Gesellschaft? Und kann das alles überhaupt gutgehen?

Der Film von ARD-Washington-Korrespondentin Gudrun Engel und Ulrike Brincker begibt sich angesichts der drohenden Erosion der demokratischen Grundwerte auf eine Reise durch ein Land, das am Scheideweg steht - genau wie 2020 und höchstwahrscheinlich mit denselben Kandidaten wie damals. Nur dass diesmal die Positionen und Unterstützer auf demokratischer und republikanischer Seite in noch schärferem Kontrast zueinander stehen.

Vom "Rust Belt" im mittleren Westen über die "Fly Over States" bis in die Südstaaten beleuchtet die Dokumentation die vielschichtigen Perspektiven von Amerikanern, deren Leben und Überzeugungen exemplarisch für die gegenwärtige Spaltung stehen. Engel begleitet die Protagonisten hautnah, hört ihnen zu und verurteilt nicht.

 Mollie Duffy engagiert sich dafür, dass Menschen zur Wahl gehen können. (Bild: WDR)
Mollie Duffy engagiert sich dafür, dass Menschen zur Wahl gehen können. (Bild: WDR)

Die Wahl vor vier Jahren? "Gestohlen!"

Da wäre etwa Sharon Anderson, eine Trump-Anhängerin, die den unerschütterlichen Glauben eines Teils der amerikanischen Bevölkerung an den ehemaligen Präsidenten verkörpert. "I'm still a Trump girl", heißt es auf dem roten T-Shirt der 67-Jährigen, für die es keine Rolle spielt, dass der Ex-Präsident derzeit noch mehrere Verfahren gegen sich laufen hat.

Mit dem Verkauf von selbstgemachten Holundersirup finanziert sie ihre Reisen, die sie auf Spuren und zur Unterstützung Trumps quer durch die Staaten unternimmt. Für Anderson steht fest: Als ihr Idol im Amt war, habe sie sich "sicherer" gefühlt und in der Welt "respektiert". Die Wahl vor vier Jahren? "Gestohlen", sagt sie voller Überzeugung. Und wenn Trump diesmal wieder verliert? Dann werde sie alles daran setzen, dieses "Unrecht wiedergutzumachen".

Andersons Engagement spiegelt eine tief verwurzelte Überzeugung wider, die über die persönliche Bewunderung für Trump hinausgeht. Sie symbolisiert eine Gruppe von Menschen, die sich von den traditionellen politischen und medialen Institutionen entfremdet fühlen und in Trump eine Figur sehen, die ihre Sorgen und Hoffnungen aufgreift.

Gespaltene Republikaner

Wie sehr manche von ihnen ihren Anführer vergöttern, bewies der Sturm fanatisierter Trump-Anhänger auf das Kapitol im Januar 2021. Galt ihnen der Angriff auf das Zentrum der US-Demokratie als Ausdruck einer angeblichen Selbstermächtigung des Volkes, sahen andere - und zwar nicht nur Demokraten - darin eine gewaltvolle Zäsur.

Auch für den Republikaner James Fales, den die ARD-Reporterin auf seiner Ranch in Wyoming besucht, war der Kapitolsturm "traumatisch", wie er sagt. Sein Weltbild sei erschüttert worden, und Trump sei für ihn seither jemand, der die Verfassung "nicht respektiert" - und damit eine Gefahr für die US-Demokratie darstellt.

Fales steht für die Spaltung der Republikaner in Trump-Anhänger und -Gegner. Erstere sehen in ihm einen so genannten "RINO" - "Republican In Name Only". Ihnen gilt er als Feind in den eigenen Reihen. Der "Whiskey-Konservatismus", bei dem man Fales zufolge früher beim Trinken auch über polarisierende Themen gesittet debattieren konnte, scheint bei den Republikanern passé.

Demokraten gegen Desinformation

Auf der ganz anderen Seite des symbolischen, doch immer deutlicher sichtbaren Grabens steht Mollie Duffy aus Ohio, die sich für mehr politische Teilhabe unter jungen Wählern einsetzt. Die ARD-Doku begleitet die Studentin, die mit ihrer Initiative "Democracy Bus" Erstwähler zu den oft weit entfernten Wahllokalen bringen will. Dass dies nötig ist, unterstreicht die Herausforderungen und Hindernisse, die das US-amerikanische Wahlsystem mit sich bringt. Duffy repräsentiert eine jüngere Generation, die sich aktiv für die Stärkung der Demokratie einsetzt und gegen die Praktiken der "voter suppression" kämpft - eine vor allem gegen Minderheiten gerichtete Strategie, die in den letzten Jahren zunehmend Sorge bereitet.

Sorge bereiten vielen US-Amerikanern auch die zunehmenden Desinformationen, die bereits beim ersten Wahlkampf Trumps unter der Bezeichnung "Fake News" im Vokabular Einzug hielten. Für den im Film porträtierten Brian Attebery stellen die in den sozialen Medien verbreiteten falschen News eine Gefahr für die Demokratie dar. Am besten ließen sich die Leute deshalb im persönlichen Gespräch überzeugen, glaubt der Gewerkschafter, der für die Demokraten im Haustürwahlkampf aktiv ist. Jede Stimme zählt, sagt er. Anders sieht das seine Frau Callie: "Man weiß einfach nicht, wie und wo man an gute Informationen kommen kann." Vermutlich wird sie deshalb nicht zur Wahl gehen.

Fragen, die über die Grenzen der USA hinaus brisant sind

Wie lange kann eine Gesellschaft, die derart polarisiert ist, ihre demokratischen Institutionen und Prozesse bewahren? Die "Weltspiegel"-Dokumentation liefert intime und zugleich politisch aufschlussreiche Einblicke in eine Gesellschaft, deren Zukunft ungewiss wie nie scheint. Ein Film, der dazu einlädt, über die Bedeutung von Demokratie, politischer Teilhabe und der Überwindung von Spaltungen nachzudenken - Fragen, die weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus von Bedeutung sind und schon vor den US-Wahlen auch hierzulande von Gewicht sein könnten.

"Weltspiegel Doku: WTF, USA?! Trump gegen Biden" ist am Dienstag, 26. März, 23.05 Uhr, im Ersten zu sehen und bereits vorab in der ARD-Mediathek.