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Barbie braucht diese ollen Oscar-Kerlchen nicht

Barbie-Regisseurin Greta Gerwig bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen (Bild: REUTERS/Mario Anzuoni)
"Barbie"-Regisseurin Greta Gerwig bei den diesjährigen Oscar-Verleihungen. (Bild: REUTERS/Mario Anzuoni)

Ein Kommentar von Jan Rübel

Mit großen Erwartungen ist die Crew des Films "Barbie" nicht nach Los Angeles gereist. Zwar hatte es rund um das Werk acht Nominierungen gegeben - aber die Juroren hatten schon den Weg vorgegeben: Kein Startplatz für die beste Regie und für die beste Hauptdarstellerin.

Dies war ein Affront gegen Regisseurin Greta Gerwig und gegen Schauspielerin und Mit-Produzentin Margot Robbie. Dass dann Ryan Gosling für die beste Nebenrolle nominiert wurde, schien dann fast folgerichtig: Männlichkeit hat in Hollywood traditionell Vorfahrt. Es ist, als habe sich die Jury nicht getraut, den Film "Barbie" in seiner Gänze zu erfassen. Oder sie hat ihn nur zu gut verstanden, und nun schlug das Imperium zurück, verwies das Kunststück auf die hinteren Plätze.

"Es gibt keinen Ken ohne Barbie", moserte schon vor einem Monat Gosling, dem die Nominierung als Barbies Dauerfreund Ken schon ein bisschen peinlich war. Hatte er doch gecheckt, dass es an dem Film viel Außergewöhnliches und Herausragendes gibt, mehr jedenfalls als bei seiner Rolle. Man wollte wohl die beiden Frauen Gerwig und Robbie mit ihrer spielerischen Satire auf Geschlechterrollen nicht allein auf die Bühne lassen.

Hollywood legt die Leine an

Am Ende dann bei der Preisverleihung nur ein Oscar für den besten Filmsong – das ist kein Trostpreis, sondern ein Schlag zwischen die Augen. Denn "Barbie" deklassierte faktisch gesehen die Konkurrenz in anderen Sparten umso krasser.

Vielleicht würden diese kleinen goldenen Kerle mit ihrem pflichtbewussten Blick in den Händen von Gerwig und Robbie etwas dämlich aussehen. Eben zu klein. Denn was die beiden mit diesem Film geschaffen haben, ist Filmgeschichte.

Barbie als Spielpuppe ist Legende. Sie prägte über Jahrzehnte hinweg Kinderstuben und darüber diskutierende Erwachsenenwohnzimmer zugleich. Sie ist berühmt, geliebt und gehasst.

Als bei Gerwig der Auftrag zur Verfilmung reinflatterte, hätte dies gewaltig schief gehen können. Aber Gerwig nahm alle mit. Ihr gelang ein Werk, ein Kassenschlager, der die Kinosäle in Massenhappenings verwandelte. Materieller Erfolg ist nicht gleich ein Kriterium für einen Oscar, aber Gerwig schuf mit "Barbie" ein Kulturphänomen. Plötzlich diskutierten alle über die Rollen von Frauen und Männern im Film. Dieser machte sich gekonnt über die unterschiedlichen Messlatten bei Privilegien zwischen den Geschlechtern lustig. Und er lud Alle zum Mitlachen ein, "Barbie" geriet nicht zum banalen Männerbashing.

Die Zukunft wird es weisen

All dies aus einem Auftrag zu machen, ist 1000 und ein Mal schwieriger, als sich an die Verfilmung eines Mannes zu setzen, der mit die Atombombe erfand. Aber Hollywood zeichnete am vergangenen Sonntag das Übliche aus, den Standard, das Erwartbare. Es war, als hätte Konrad Adenauer in der Juryküche gestanden und den Richtern eingeschärft: Keine Experimente!

Doch letztlich ist es egal. "Barbie" ist ein Film, der über seine Industrie hinauswuchs und Popkultur wurde. Über den mit sieben Oscars überhäuften Film "Oppenheimer" (Männer, Bombe, Männer, Bombe) wird man in ein paar Monaten kaum reden, er wird dann auf irgendeiner Streamingplattform verramscht werden. "Barbie" dagegen wird noch in Jahren in die Kinos locken, denn der Film geriet zum Ereignis.