Werbung

Bericht: USA haben Alternativen zur Rafah-Offensive

Washington/Gaza (dpa) - Die USA werden Israel einem Medienbericht zufolge Alternativen zu einer Bodenoffensive in der mit Flüchtlingen überfüllten Stadt Rafah im Süden des Gazastreifens aufzeigen. Die Regierung von US-Präsident Joe Biden wäge mehrere Optionen ab, die sie kommende Woche einer ranghohen israelischen Delegation in Washington vorschlagen werde, berichtete das Nachrichtenportal «Axios» unter Berufung auf zwei US-Beamte.

Eine Idee sei, eine Militäroperation in der an Ägypten grenzenden Stadt Rafah zu verschieben und sich auf die Stabilisierung der humanitären Lage im Norden des abgeriegelten Küstengebiets zu konzentrieren. Ein solcher Plan würde auch den Bau von Unterkünften für die aus Rafah zu evakuierende Zivilbevölkerung beinhalten, hieß es. Ziel sei, das Risiko zu verringern, dass es bei einer Invasion in Rafah zu massiv vielen Opfern kommt.

Israel drängt auf Bodenoffensive

In Rafah halten sich nach intensiven israelischen Bombardierungen im Norden und Zentrum des Küstengebiets Schätzungen zufolge derzeit 1,5 Millionen der insgesamt 2,2 Millionen Bewohner des Gazastreifens auf. Dort befindet sich auch der Grenzübergang zu Ägypten, über den Hilfslieferungen in den Gazastreifen gelangen und unter anderem Verwundete das Gebiet verlassen können.

Eine andere Idee sei es, sich in einer ersten Phase auf die Sicherung der ägyptischen Seite der Grenze zu konzentrieren, hieß es. Dies wäre Teil eines gemeinsamen Plans der USA, Ägyptens und Israels, Tunnel der islamistischen Hamas unter der Grenze zu zerstören und eine Infrastruktur zu schaffen, die den Waffenschmuggel in den Gazastreifen verhindert, berichtete «Axios» unter Berufung auf US-Beamte weiter.

Israel betont immer wieder, ohne eine Offensive in Rafah könne die Hamas nicht vollständig besiegt werden. Es sei eine militärische Notwendigkeit, die dort verbliebenen Bataillone der Islamisten zu zerschlagen. Die USA halten jedoch eine großangelegte Bodenoffensive für falsch. Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu stimmte zwar nach Aufforderung von US-Präsident Biden zu, eine Delegation in den kommenden Tagen nach Washington zu schicken, um über Rafah zu sprechen.

Netanjahu glaubt nicht an Alternative

Man sei dazu bereit, damit die US-Regierung Israel ihre Ideen «insbesondere im humanitären Bereich» vorstellen könne, zitierte «Axios» Netanjahu. An einer Eliminierung der letzten Hamas-Bataillone in Rafah halte er aber fest. Es gebe «keine Möglichkeit», dies ohne eine Bodenoffensive zu erreichen, sagte er demnach bei einem Treffen des Außen- und Verteidigungsausschusses des israelischen Parlaments.

Demnach wird Netanjahu seinen Minister Ron Dermer und Sicherheitsberater Tzachi Hanegbi Anfang nächster Woche zu den Gesprächen nach Washington schicken. Ein für humanitäre Fragen zuständiger Beamter der israelischen Streitkräfte wird mit ihnen reisen. Der Delegation würden aber entgegen der Forderung der USA keine Offiziere der Armee angehören, die für die militärische Planung des Einsatzes in Rafah zuständig sind, hieß es. Es werde erwartet, dass der israelische Verteidigungsminister Joav Galant nächste Woche separat zu Gesprächen mit US-Verteidigungsminister Lloyd Austin und anderen ranghohen Beamten nach Washington reisen wird, zitierte «Axios» israelische und US-Beamte weiter.