"Deutschland ist ein Eldorado für Betrüger!"

Betrügereien per SMS und WhatsApp werden immer häufiger. Wer steckt hinter den dubiosen Nachrichten, die angeblich von Angehörigen stammen? Wo landet das ergaunerte Geld? Und wie kann man sich selbst vor einem Angriff schützen? Eine RTL-Reportage am Montag klärte auf.

Wie kann man sich vor SMS-Betrug schützen? Dieser Frage ging das RTL-Magazin
Wie kann man sich vor SMS-Betrug schützen? Dieser Frage ging das RTL-Magazin "Extra Spezial: Hallo Mama - auf der Jagd nach den SMS-Betrügern" am Montagabend nach. (Bild: Getty).

"Hallo Mama, ich habe ein neues Handy. Kannst du meine Nummer speichern und mir eine Nachricht über WhatsApp senden?" - Eine Nachricht wie diese hatten wohl viele schon einmal auf dem Handy. Obwohl Polizei und Medien seit Langem vor der modernen Betrugsmasche warnen, fallen immer noch vor allem ältere Menschen den Gaunern zum Opfer.

Im Februar 2023 war auch die Mutter von RTL-Investigativreporter Felix Hutt davon betroffen: "Sie dachte, das sei meine Schwester [...] und hat natürlich eine WhatsApp verschickt." Kurze Zeit später habe die "vermeintliche Schwester" angefangen, mit der Mutter zu kommunizieren, sie erzählte von Problemen mit dem neuen Handy und bat, zwei Rechnungen für sie zu überweisen. 1.800 Euro kostete die Seniorin ihr Irrtum. Wer sind diese Menschen, die gutgläubige Opfer mit solchen Maschen um große Geldsummen bringen? Wie kommen sie an die Nummern? Und viel wichtiger: Wie kann man sich davor schützen? Diesen Fragen ging das RTL-Magazin "Extra Spezial: Hallo Mama - auf der Jagd nach den SMS-Betrügern" am Montagabend nach.

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"Im Internet kann man Nummernblöcke kaufen", erklärte der erste Kriminalhauptkommissar Ralf Weyer die unfassbare Methode: "mit dem gleichzeitigen Hinweis: Wer hat WhatsApp? Wer wird per SMS angeschrieben?" Eine dieser Nummern gehörte Carola Blady. Vor einiger Zeit wurde sie von einer unbekannten Nummer angeschrieben. Der Absender gab vor, ihre in Not geratene Tochter zu sein. 2.900 Euro überwies sie dem Täter. Erst als er vehement mehr Geld verlangte, kamen der Frau Zweifel: Sie kontaktierte ihre Tochter auf dem Festnetz. Anschließend meldete sie den Vorfall umgehend ihrer Bank, doch die konnte zu Bladys Entsetzen nichts mehr tun. "Das muss doch eingefroren werden können!", schimpfte Blady nun in der RTL-Doku. Mit ihrem Zögern würden Banken den Betrügern in die Hände spielen: "Deutschland ist ein Eldorado für Betrüger! Die lachen sich doch kaputt über uns."

Carola Blady wurde selbst Opfer eines SMS-Betrugs. Von ihrer Bank sah sie sich zu wenig unterstützt, wie sie dem RTL-Investigativreporter Felix Hutt erklärte. (Bild: RTL)
Carola Blady wurde selbst Opfer eines SMS-Betrugs. Von ihrer Bank sah sie sich zu wenig unterstützt, wie sie dem RTL-Investigativreporter Felix Hutt erklärte. (Bild: RTL)

"Ein effizientes Betrugssystem mit wenig Aufwand"

Mittels eines Überweisungsbelegs der Geschädigten begab sich Hutts Team auf die Suche nach dem Zahlungsempfänger. Über eine Gewerbeanmeldung in Wien wurden sie fündig: Alexandru P. berichtete, wie er über Freunde mit dem eigentlichen Täter in Kontakt gekommen sei. Der Fremde habe ihn um seine Bankkarte gebeten, weil er eine Überweisung von Freunden erwartete. Für die Herausgabe der Karte bekam P. 500 Euro.

Die sogenannten Kollektoren werben meist ungeniert über Social Media für den mehr als fragwürdigen Job: 35 Prozent des Gewinns versprach ein in "Extra Spezial" gezeigter Post dem Herausgeber der Karte: "Das können dann mal eben 3.000, 4.000 Euro in wenigen Tagen sein", zeigte sich Hutt überrascht. Es sei ein "ein unfassbar effizientes Betrugssystem mit relativ wenig Aufwand". Mit einer Investition von 140 Euro verdiene der Strippenzieher schnell 20.000 bis 40.000 Euro.

Mithilfe eines jungen Kollegen gelang es Hutt, einem Kollektor eine Falle zu stellen: An dem Job sei nichts illegal, behauptete der junge Mann wieder und wieder. Für seinen Botengang bekäme er "vier, fünf Gramm Gras". Das Experiment zeigte aber auch, wie gefährlich der leichtfertige Umgang mit Kriminellen für die Kartenbesitzer sein könnte: Der junge Kollege wurde nach der gescheiterten Übergabe öffentlich im Netz bedroht.

Investigativreporter Felix Hutt (rechts) holte sich Rat bei der Polizei Oberhausen. (Bild: RTL)
Investigativreporter Felix Hutt (rechts) holte sich Rat bei der Polizei Oberhausen. (Bild: RTL)

Wie kann man sich vor SMS-Betrug schützen?

Doch wie lässt sich verhindern, selbst zum Opfer derartiger Betrugsmaschen zu werden? Michael Jaks, Kriminalrat LKA Nordrhein-Westfalen, nannte in "Extra Spezial: Hallo Mama - auf der Jagd nach den SMS-Betrügern" mehrere Tipps: "Wird ein Kontakt aufgebaut von einer fremden Rufnummer, immer skeptisch sein", riet er. Am besten solle man versuchen, den Angehörigen über alternative Kanäle, wie etwas das Festnetztelefon zu erreichen.

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Auch warnte er davor, die unbekannte Nummer unter dem bereits bestehenden Kontakt abzuspeichern: Gerade bei WhatsApp bestünde die Gefahr, dass die Täter am Profilbild erkennen, dass es sich um ein älteres und damit leichter zu köderndes Opfer handelt. Darüber hinaus zeigten die in der Reportage nacherzählten Betrugsfälle, wie die Hemmschwelle der Opfer fiel, als die Nachrichten nach dem Abspeichern der Nummer unter dem Namen ihrer vermeintlichen Angehörigen verfasst wurden. Zuletzt empfahl der Experte, niemals auf Geldforderungen einzugehen. Sollte es dafür schon zu spät sein, so empfahl Jaks, "sofort die Polizei zu kontaktieren": "Die Polizei hat die Möglichkeit, über die Banken eine Warnung herauszugeben", eine Sperrung der Konten und eventuell eine Rücküberweisung zu veranlassen.

Die RTL-Reportage begleitete unter anderem eine großangelegte Razzia in Oberhausen, bei der des Online-Betrugs Verdächtigte festgenommen wurden.  (Bild: RTL)
Die RTL-Reportage begleitete unter anderem eine großangelegte Razzia in Oberhausen, bei der des Online-Betrugs Verdächtigte festgenommen wurden. (Bild: RTL)

Die eigentlichen Strippenzieher hinter den Betrugsfällen säßen meist in Holland, hieß es in der Reportage. Eine polizeiliche Ermittlung über Ländergrenzen hinweg sei einfach grundsätzlich schwieriger, erklärte Kriminalhauptkommissar Ralf Weyer. Einer Einheit der Polizei Oberhausen gelang es während der RTL-Dreharbeiten dennoch, einen großangelegten Einsatz in elf Objekten durchzuführen. Auch ohne diese minutiös gezeigten, krimi-ähnlichen Szenen lieferte "Extra Spezial: Hallo Mama - auf der Jagd nach den SMS-Betrügern" einen spannenden und gleichzeitig unfassbaren Einblick in eine Betrugsmasche, der im Grunde jede und jeder eines Tages zum Opfer fallen könnte.

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