Donald Trump: Ist er wirklich so schlecht wie sein Ruf?

Die Amerikaner sehen zumindest der wirtschaftlichen Zukunft optimistisch entgegen. (Bild: ddp)

Donald Trump ist der mit Abstand unbeliebteste Präsident seit langem und schafft dennoch, was Obama nicht hingekriegt hat: Die Einwohner der USA schauen so positiv in die Zukunft wie seit langem nicht mehr.

Die Person Donald Trump ist schon widersprüchlich genug, aber dasselbe gilt auch für die Sichtweise, die die Amerikaner auf ihren Präsidenten haben. Laut Umfragen war er bei seinem Einzug ins Weiße Haus der unbeliebteste Präsident seit 40 Jahren, und der Trend ging nach seinem Amtsantritt noch weiter. Doch je mehr Trumps Beliebtheitswerte in den Keller sanken, desto schneller stieg die Zuversicht der Amerikaner, was ihre Zukunft betrifft.

Laut Meinungsforschungsinstitut IBD/TIPP waren die Amerikaner seit zwölf Jahren nicht mehr derart optimistisch wie jetzt, wo die Hälfte aller Befragten davon ausgeht, die USA seien wirtschaftlich auf einem guten Weg. Doch wie passt das zusammen?

„Trump hat vor allem versprochen, den Arbeitern zu helfen“

„Amerika ist nicht nur das Land der unbegrenzten Möglichkeiten, sondern auch der unbegrenzten Widersprüche“, sagt der Amerikaner Dr. Andrew Denison im Interview mit Yahoo! Deutschland. Seit Mitte der Neunzigerjahre lebt der USA-Experte vor allem im nordrhein-westfälischen Pleiserhohn, wo er mit Transatlantic Networks sein Zentrum für politische Bildung und Beratung betreibt.

Lesen Sie auch: Melania Trump muss den Präsidenten an die Etikette erinnern

Dabei verbringt er immer wieder mehrere Wochen in seiner Heimat Wyoming, wo ein Großteil der Wähler für Trump gestimmt hat. Das Besondere an Trump: Er konnte auch viele Wähler überzeugen, die bis dato jahrzehntelang fast automatisch die Demokraten gewählt hatten, etwa in Minnesota. Warum? „Trump hat vor allem versprochen, den Arbeitern zu helfen“, sagt Dr. Denison.

Und das sind nun mal nicht die Akademiker, die in den Städten von ihrer geistigen Arbeit leben, sondern diejenigen, die in ländlichen Regionen zuhause sind und etwa in der Landwirtschaft oder Kohleindustrie arbeiten. „Sie haben Trump gerade deswegen gewählt, weil er gesagt hat, dass er erst einmal alles kaputtmachen will“, so der Experte. „Tabula rasa und dann schauen wir mal, wie es weitergeht.“

Ökonomen stellen sich auf Trumps Seite

Nicht nur seine Wähler, auch viele Ökonomen sehen beispielsweise die von Trump geplanten Steuersenkungen durchaus positiv. Glenn Hubbard, Professor an der Columbia Universität in New York und ehemaliger Chefberater von US-Präsident George W. Bush, sagte zur „Wirtschaftswoche“, dass Steuerentlastungen den langfristigen Wachstumstrend um bis zu 0,5 Prozent pro Jahr steigern könnten. Und auch die Wall Street reagierte nahezu euphorisch auf die angekündigten Pläne, wobei hier nun erst mal die Ernüchterung einkehrt. Finanzminister Steven Mnuchin sagte erst kürzlich der „Financial Times“, dass sich der Zeitplan verschieben könnte, was derzeit die Laune der Investoren trübt.

Steuersenkungen gehörten zu Trumps großen Wahlversprechen. Finanzminister Steven Mnuchin hat diese Pläne nun “verschoben”. (Bild: AFP)

Im Großen und Ganzen erhoffen sich die Wähler laut Dr. Andrew Denison folgendes: mehr Gerechtigkeit, mehr Arbeitsplätze, mehr Chancen, voranzukommen. Und trotzdem: „Irgendwann merken die Wähler, dass Trump mehr versprochen hat, als er liefern kann.“

Und so geschah es Anfang April, als das amerikanische Militär 59 Marschflugkörper auf einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Armee abgefeuert hat. Die Antwort auf den Giftgasanschlag auf die syrische Stadt Chan Schaichun nur drei Tage zuvor, der auf das Konto von Baschar al-Assad gehen soll.

Wähler wenden sich ab, dafür bekommt Trump von anderer Seite Zuspruch

Viele Wähler werfen ihrem Präsidenten jetzt vor allem eines vor: Wortbruch. Denn bis vor kurzem kannte man von Trump nur diese Position: Amerika solle aufhören, mit den „törichten“ Militärinterventionen im Mittleren Osten, die nur eh schon knappe Ressourcen verschwendeten und niemals von Erfolg gekrönt sein könnten. „Noch einmal, an unseren sehr dummen Anführer, greifen Sie Syrien nicht an. Wenn Sie das tun, werden viele sehr schlimme Sachen passieren, und von dem Kampf haben die USA nichts!”, schrieb Trump am 5. September 2013 an Obama gerichtet.


Kein Wunder, dass das eigens für reuige Trump-Wähler eingerichtete Twitter-Konto Trump Regrets regen Zulauf erhält. „Indem sie Syrien attackiert haben, haben Sie uns, Ihre Wähler, betrogen“, schreibt dort ein User und ein weiterer: „Ich weiß, dass es sehr traurig ist, dass Präsident Trump, den alle von uns unterstützt haben, ein Fake ist, aber es ist noch trauriger, ihn weiter zu unterstützen.“


Ein bis dato großer Fan von Trump kommentiert: „Ich habe Sie unterstützt und verteidigt, aber nach Syrien habe ich alle Hoffnung verloren. Sie sind auch nur eine Marionette. Ein Lügner ohne Charakter.“

Die New York Times ruft die Wende der Präsidentschaft aus

Ganz anders sahen die Reaktionen aus Politik und in den Medien aus. Auf einmal standen gefühlt alle hinter dem Mann, dem man in seiner Wankelmütigkeit einfach alles zutraut. Und das traf auch auf zwei Lager zu, die derzeit so entzweit scheinen wie lange nicht mehr.

Lesen Sie auch: Was seine Tweets über Donald Trump verraten

Die Republikaner und die Demokraten in Trumps Heimatland. Chuck Schumer, der Vorsitzende der demokratischen Minderheit im Senat, nannte es „richtig“, dass Assad „einen Preis dafür bezahlt, wenn er solche verabscheuungswürdigen Gräueltaten begeht”. Und der Republikaner Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, nannte den Militärschlag „angemessen und richtig.“ Selbst die Medien, Trumps selbsterklärte Feinde Nummer 1, klatschten ihm Beifall. Die sonst so kritische New York Times rief prompt „eine Wende in seiner Präsidentschaft“ aus.

Frustriert darüber, dass Russland eine Resolution der Vereinten Nationen gegen Assad wieder einmal blockiert hatte, zeigten sich auch Regierungschefs wie Angela Merkel und Francois Hollande fast schon erleichtert über den Vergeltungsschlag. Präsident Assad trage „die alleinige Verantwortung für diese Entwicklung”, teilten die beiden Staatsoberhäupter in einer gemeinsamen Erklärung mit.

Donald Trump: Sie lieben ihn, sie hassen ihn, sie lieben ihn…

Trumps Konfrontationskurs mag neu sein, passt aber zu seinem klassischen Konfusionskurs. Der Mann ohne klare Linie stößt heute seinen treuesten Anhängern vor den Kopf und ringt morgen seinem größten Feind lobende Worte ab. Die Chaos-Taktik gehört zu seinem Ruf und dem wird er jeden Tag aufs Neue gerecht.

Sehen Sie auch: Professor sagte Trump voraus – und erklärt jetzt, worüber er stolpern wird


Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen